Christian Boltanski (1944-) Frankreich

Christian Boltanski ist ein französischer Bildhauer, Maler, Fotograf und Filmemacher. 1958 begann der Autodidakt Boltanski zu malen; seinen Durchbruch erlebte er jedoch erst in den späten 1960er Jahren mit kurzen Avantgarde-Filmen und der Veröffentlichung von Büchern, in denen er sich mit seiner Kindheit auseinandersetzte. Die Kombination aus Realität und Fiktion in seinem Leben und dem Leben anderer Menschen sollte zu einem zentralen Thema seiner Kunst werden. In den 1970er Jahren wurde die Fotografie zu Boltanskis bevorzugtem Medium, mit dem er Formen des Gedächtnisses und des Bewusstseins erforschte. Die Konzeptkunst spielte weiterhin eine zentrale Rolle für Boltanskis, und er arbeitete mit Installationen aus dramatischen Schattenspielen und Fotografien. Anfang der 1980er Jahre hörte Boltanski auf, Ready-mades als Ausgangspunkt zu verwenden. Stattdessen begann er damit, „theatralische Kompositionen“ herzustellen. Hierzu kreierte er mit Farbe bemalte marionettenähnliche Figuren aus Pappe, Draht und Kork, die anschließend fotografisch in großen Bildformaten festgehalten wurden. 1986 begann Boltanski, Installationen aus vielen verschiedenen Materalien und Medien mit Lichteffekten als integriertem Bestandteil zu entwerfen. In diesen Werken verwendete er Porträtbilder jüdischer Schulkinder, die 1931 in Wien aufgenommen wurden. Sie stellten eine kraftvolle Erinnerung an den Massenmord an den Juden während des Zweiten Weltkriegs dar. Boltanski füllte ganze Zimmer und Korridore mit gebrauchten Kleidern, um Assoziationen an Konzentrationslager zu wecken. Wie schon in seinen früheren Werken benutzte Boltanski Gegenstände, die als stumme Zeugen menschlichen Erlebens und Leidens fungieren. Mit seinen Installationen kämpft er gegen die Anonymität an und zeigt an ihrer Stelle die konstante Anwesenheit des Menschen.

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