Joseph Beuys (1921-1986) Deutschland

Joseph Beuys wurde 1921 im deutschen Krefeld geboren. Er wuchs als Einzelkind in einer tief religiösen Familie auf. 1940 wurde er zum Militärdienst eingezogen und ging in den Krieg. Seine Erlebnisse während des Krieges verfolgten ihn sein Leben lang und waren oft Gegenstand seiner Kunst. In seinen Skulpturen verwendete Beuys immer häufiger Materialien wie Fett, Honig, Blut und Filz. Dies geht auf einen Unfall zurück, den er während des Krieges hatte. Als er gerettet wurde, rieb man seinen Körper mit Fett ein und wickelte ihn in Filzdecken, damit ihm warm wurde. Inwieweit diese Geschichte der Wahrheit entspricht, ist umstritten, aber sie spiegelt sein in vielerlei Hinsicht mythenumwobenes Leben wider. In seinem künstlerischen Schaffen gestaltet er Erzählungen und Erinnerungen. Beuys studierte später an der Kunstakademie Düsseldorf Bildhauerei. Er machte 1952 seinen Abschluss und konzentrierte sich im darauffolgenden Jahr immer stärker auf das Zeichnen. In dieser Zeit produzierte er mehr als tausend Werke. Im Alter von 40 Jahren wurde er Professor für Monumentalbildhauerei an der Hochschule, an der er zuvor studiert hatte. 1969 erklärte er: „Mein größtes Kunstwerk ist es, Lehrer zu sein“. Beuys widmete sich immer mehr Performances, bei denen er durch das Gespräch mit dem Publikum sogenannte „soziale Plastiken“ erschuf, eine Fusion idealistischer Ideen und ästhetischer Praxis. Durch seine Vorträge über Kunst und Politik wollte er eine wahrhaft demokratische Gesellschaft erschaffen. Das Publikum war am kreativen Prozess beteiligt, da der Inhalt durch den Dialog verändert wurde und ein gemeinsames Ergebnis entstand. Der eigentliche Augenblick der Entstehung, der sich niemals wiederholen lässt, war in Beuys‘ Kunst zentral. Er strebte eine neue Rolle der Kunst an, in der sie nicht dem Kapital gleichgestellt war. Er wollte Kunstwerke nicht als Gegenstände und Produkte sehen, sondern ihnen eine stärker transformative Rolle zuschreiben, in der Kunst sowohl für das Individuum als auch für die Gesellschaft als Ganzes eine existenzielle Bedeutung hat. Dieses Verständnis von Kunst rührte von seinen Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg her. Zusammenfassend könnte man über Beuys‘ Kunst sagen, dass er als Bildhauer gewisse Prinzipien skulptural herausstellen und freilegen wollte, indem er bestimmte Inhalte unmittelbar durch eine skulpturale Gestaltung vermittelte. Dies führte ihn zur sozialen Kommunikation und einem großen Interesse an Pädagogik und der Frage, wie sich Gedanken und Ideen vermitteln lassen. Beuys verstarb 1986 in Düsseldorf, aber viele seiner Gedanken und Ideen leben in seinen Schülern weiter.

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