Arne Jacobsen (1902-1971) Dänemark

Der dänische Architekt und Designer Arne Jacobsen war Mitte des 20. Jahrhunderts ein führender Vertreter des Funktionalismus. Weltberühmt wurde er für die Stühle Die Ameise, Serie 7, Der Schwan und Das Ei, die heute als Möbelklassiker gelten und in der Möbelwelt nahezu Kultstatus erlangt haben. Jacobsen ist vor allem als Designer bekannt, sah sich selbst jedoch hauptsächlich als Architekten. Er führte mehrere prestigeträchtige Aufträge in Dänemark und dem Rest der Welt aus und war Professor an der Kunstakademie in Kopenhagen. Wie andere große Architekten wie Joan Soane und Ludwig Mies van der Rohe arbeitete Jacobsen zunächst als Maurer, bis er 1924 zum Architekturstudium an der Kunstakademie in Kopenhagen zugelassen wurde. Bereits während des Studiums verzeichnete Jacobsen jedoch Erfolge als Designer, als er 1925 auf der Art déco-Messe Exposition Internationale des Arts Décoratifs in Paris die Silbermedaille für einen von ihm entworfenen Stuhl gewann. In dieser Zeit wurde Jacobsen stark von den großen Vorbildern der internationalen modernistischen Architektur wie Le Corbusier, Mies van der Rohe und Walter Gropius beeinflusst, deren Formsprache durch einen strengen Funktionalismus geprägt ist. Nach dem Abschluss seines Studiums entwarf Jacobsen zunächst hauptsächlich Privathäuser, wobei er eindeutig vom Klassizismus der 20er Jahre Gunnar Asplunds beeinflusst war. Allmählich erhielt er auch Aufträge der öffentlichen Hand, beispielsweise für das Wohngebiet Bellavista außerhalb von Kopenhagen, und gründete 1930 sein eigenes Architekturbüro, das er bis zu seinem Tod im Jahr 1971 führte. Von 1943-1945 musste Jacobsen aufgrund der deutschen Besetzung Dänemarks ins Exil nach Schweden gehen, wo er vor allem Stoffe und Tapeten gestaltete. Nach seiner Rückkehr nach Dänemark kam seine Karriere mit immer größeren Aufträgen richtig in Schwung. Jacobsen legte großen Wert auf die Materialwahl und die Fähigkeit der Gebäude, sich in die Umgebung zu integrieren. Seiner Überzeugung nach mussten alle Bestandteile eines Gebäudes miteinander harmonisieren und die allgemeine Struktur musste von einer ausgewogenen Synthese und Zweckmäßigkeit geprägt sein. Jacobsen schenkte kleinen Details viel Aufmerksamkeit und wollte, dass das gesamte Gebäude von einem Zusammenspiel von Umgebung, Exterieur und Interieur durchzogen war. Vor diesem Hintergrund begann er in den 1950er Jahren damit, über den Möbelhersteller Fritz Hansen Möbel für seine Gebäude zu entwerfen. Die Zusammenarbeit war bereits 1934 eingeleitet worden, aber zu dieser Zeit gab es noch nicht die richtige Technik, um Jacobsens Ideen umzusetzen. Der stapelbare Stuhl Die Ameise, hergestellt aus formgepresstem Sperrholz und rostfreiem Stahl, wurde 1952 präsentiert und war Jacobsens großer Durchbruch als Möbeldesigner. Der Nachfolger Serie 7 aus dem Jahr 1955 wurde mit derselben Technik, aber mit einer etwas anders geformten Rückenlehne und mit vier anstatt drei Beinen hergestellt. Ende der 50er Jahre erhielt Jacobsen den Auftrag, das SAS Royal Hotel in Kopenhagen zu entwerfen, und er übernahm die gesamte Gestaltung vom beinahe 70 Meter hohen Hochhaus bis zu Möbeln, Lampen, Stoffen, Besteck, Gläsern, Aschenbechern und Türgriffen selbst. In diesem Zusammenhang wurden die Stühle Der Schwan und Das Ei präsentiert, die ebenfalls zu Verkaufsschlagern und Möbelklassikern wurden. Ihre organischen Formen sollten als gemütlicher Kontrast zu der ansonsten strengen Architektur des Gebäudes fungieren. Als Designer holte sich Jacobsen viel Inspiration bei den in den 1930er Jahren in den USA von Charles und Ray Eames entworfenen Möbeln, was man sowohl an der Materialwahl als auch an der Formsprache erkennt. In den 60er Jahren interessierte er sich zunehmend für geometrische Figuren wie Kreise, Zylinder, Dreiecke und Kuben, was beispielsweise in seiner Lampenserie AJ und im Tischservice Cylinda-Line zum Ausdruck kommt. Es muss betont werden, dass sich Jacobsen selbst vor allem als Architekten sah, für ihn, wie auch für viele andere Architekten, Design jedoch ein zentraler Bestandteil der Arbeit eines Architekten war.

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