Eugène Jansson (1862-1915) Schweden

Eugène Jansson wurde 1862 in Stockholm geboren und wuchs in extrem armen Verhältnissen auf. Bereits als Jugendlicher litt er unter einer schweren Krankheit, die ihn für den Rest seines Lebens plagen sollte. 1878 nahm er sein Studium an der Technischen Hochschule auf und begann gleichzeitig, an der Kunstschule Edvard Perséus‘ zu studieren. Drei Jahre später wurde er an der Kunstakademie aufgenommen, brach sein Studium dort jedoch ein Jahr später ab. Stattdessen schloss er sich der Opponentenbewegung unter Führung von Ernst Josephson an, die der Kunstakademie vorwarf, einen rückständigen Unterricht zu geben und ihrer Aufgabe als Ausstellungsveranstalter nicht angemessen nachzukommen. Jansson nahm 1885 an der Ausstellung der Opponentenbewegung Från Seinens strand (Vom Ufer der Seine) teil, die ein großer Erfolg und ein wichtiges Signal gegen die Kunstakademie war. Die Opponenten gründeten im Jahr darauf den Konstnärsförbundet, in dem Jansson selbstverständlich Mitglied wurde. Anders als die meisten anderen Mitglieder der Vereinigung hatte Jansson niemals Gelegenheit, als junger Mann in Paris zu studieren, weil seine finanzielle Lage ihm dies nicht erlaubte. Erst als der Mäzen und Bankier Ernest Thiel Janssons Kunst für sich entdeckte, konnte er in Europa reisen. Janssons erster wichtiger Motivkreis bestand aus Stimmungsbildern von seinen vielen nächtlichen Spaziergängen durch das verlassene Stockholm. Die Gemälde entstanden, indem Jansson den Eindruck der Stadtlandschaft im Gedächtnis behielt und sie nach seiner Rückkehr ins Atelier in einer schnellen Sitzung auf die Leinwand brachte. Durch diese Methode wurde der städtische Nachthimmel mit seinen Lichtreflexionen und Wasserspiegelungen so dargestellt, wie ihn die verschiedenen Sinne des Menschen wahrnahmen. Charakteristisch für Janssons Stimmungsmalerei ist der ausholende Pinselstrich in tiefen und nuancenreichen Blautönen, aufgrund derer er auch „der blaue Maler“ genannt wurde. Als Thiel 1898 rund 30 Bilder von Jansson erstand, verbesserte sich dessen finanzielle Situation, aber es dauerte noch einige weitere Jahre, bis Janssons innovative Stadtansichten vom Kunstpublikum der Zeit allgemein anerkannt wurden. In den 1900er Jahren gab es ein zunehmendes Interesse am Leben in der freien Natur und am Vitalismus, und Jansson schloss sich dieser Strömung auch seiner fragilen Gesundheit wegen an. Dieser Freiluftvitalismus war das Thema von Janssons zweitem wichtigen Motivkreis, als er sich 1904 mit Unterstützung seines Mäzens Thiel Figurenstudien nackter Seemänner und Athleten zuwandte. Bis zu seinem Tod im Jahr 1915 fertigte Jansson zahlreiche Gemälde junger nackter Männer an, oft in Lebensgröße. Die meisten Werke Janssons befinden sich in der Thielska Galleriet in Stockholm.

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