Max Liebermann (1847-1935) Deutschland

Max Liebermann wurde am 20. Juli in Berlin als zweiter Sohn einer wohlhabenden, jüdischen Industriellenfamilie geboren. Sein zufällig entdecktes Zeichentalent wurde von seinen Eltern zunächst nur ungern gefördert. Nach einem gescheiterten Chemiestudium durfte Liebermann dann doch die Kunstschule in Weimar besuchen. 1875 brachte ihn ein Aufenthalt in Paris dem französischen Impressionismus näher. Aber erst Reisen in die Niederlande halfen ihm dabei, seinen eigenen Stil zu finden, der von realistischen Naturalismus geprägt war, mit besonderem Hinblick auf Szenen aus der Arbeiterwelt. Damit konnte Liebermann nun erste Erfolge verbuchen. Reisen nach Holland unternahm Liebermann dann auch sein ganzes Leben lang, da sie ihm immer wieder inspirierten. 1884 zog es ihn jedoch nach weiteren Zwischenstopps entgültig in seine Heimatstadt Berlin zurück. Er heirate Martha Marckwald und wurde Vater einer Tochter - Käthe. Die Reaktion auf seine Bilder war weitesgehend positiv. Oft wurde er aber auch missverstanden. Um in Zukunft unabhängig von traditionellen Richtlinien zu sein, gründete er zusammen mit anderen freien Künstlern die "Vereinigung der XI", aus der später die "Berliner Secession" hervorging. Durch den Tod seiner Eltern in den 1890er Jahren wurde Liebermann finanziell unabhängig - eine Seltenheit in der damaligen Künstlerszene. Wie groß seine Popularität in der Zwischenzeit geworden war, wird durch die Sonderausstellung der Berliner Akademie der Künste zu seinem 50. Geburtstag deutlich. Im Folgejahr erhielt er den Professorentitel und die Mitgliedschaft in der Akademie. Außerdem wurde ihm die Leitung der jüngst gegründeten Berliner Secession übertragen, die in den folgejahren mit ihren Ausstellungen erhebliche Erfolge feiern konnte. Während erneuter Aufenthalte in den Niederlanden entdeckte Liebermann das mondäne Strandleben als Motiv für seine mittlerweile impressionistischen Werke. Ähnliche Motive fand er in Hamburg. Um 1910 kam es dann zur Secessionskrise. Liebermann konnte sich mehr mit dem aufkommenden Expressionismus anfreunden, obwohl unter seiner Leitung u. a. Werke von Picasso ausgestellt wurden, sodass es zur Abspaltung jener Künstler kam. 1911 trat Liebermann als Präsident der Berliner Secession zurück. Er lebte jetzt sehr zurückgezogen in seinem Haus am Wannsee. Dieses - und vor allem der liebevoll angelegte Garten - war ein häufiges Motiv in seinem Spätwerk. 1920 wurde er zum Präsidenten der Berliner Akademie der Künste gewählt. In dieser Position war Liebermann sehr bemüht, die alte Institution nach dem Krieg neues Leben einzuhauchen. Liebermanns große Bedeutung für die Berliner Kunstszene wurde auch während den Feierlichkeiten zu seinem 80. Geburtstag 1927 deutlich, als ihm eine Sonderausstellung mit 100 seiner Gemälde gewidmet wurde, die sein Lebenswerk nachzeichnete. Insgesamt waren Liebermanns späte Jahre von zahlreichen Ehrungen geprägt - beispielsweise wurde er zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt Berlin ernannt. Damit war es vorbei, als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen  - ein Ereignis, dass Liebermann mit den berühmten Worten kommentierte: "Ich kann gar nicht soviel essen, wie ich kotzen möchte". Gegen den immer stärker werdenen Hass auf Juden und "entartete" Künstler hatte der 85jährige nichts mehr entgegenzusetzen. Max Liebermann starb am 8. Februar 1935 in Berlin. Ehrungen gab es für diesen bedeutenden deutschen Künstler nun nicht mehr.

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