Paula Modersohn-Becker (1876-1907) Deutschland

Paula Becker wurde als drittes von sieben Kindern in ein bürgerlich-liberales Elternhaus hineingeboren. Die Familie lebte zunächst in Dresden, zog aber 1888 nch Bremen um. Paula erhielt lediglich sporadischen Kunstunterricht. Auf Wunsch ihres Vaters besuchte sie ein Lehrerinnenseminar, wo sie 1895 einen guten Abschluss machte. In der Zeit ihrer Ausbildung erhielt Paula privaten Zeichenunterricht. 1896 ging sie nach Berlin und besuchte Kurse an der Zeichen- und Malschule des Vereins der Berliner Künstlerinnen und an der Damenakademie des Vereins der Berliner Künstlerinnen. Zudem beschäftigte sie sich mit den Werken von deutschen und italienischen Renaissancekünstlern wie Dürer und Botticelli. Nachdem sie breits für einen kurzen Besuch dort gewesen war, zog Paula Becker 1898 ganz in die Künstlerkolonie Worpswede vor den Toren Bremens. Die Landschaft sowie die Arbeiten der dort lebenden Künstler, die sich deutlich und bewusst vom akademischen Malstil der damaligen Zeit unterschieden, sprachen sie in ihrem eignen Schaffen stark an. Ihr eigener Stil bestand aus der Vereinfachung von Form und Farbe. In der Kolonie lebte auch der Maler Otto Modersohn mit seiner Frau Helene, mit denen Paula bald eine Freundschaft verband. Wenig erfreulich für die junge Malerin war ihre erste Ausstellungsbeteiligung 1899: Die öffentliche Meinung über ihre Bilder war vernichtend. Im Jahre 1900 ging sie für einen Studienaufenthalt nach Paris. Dort besuchte sie eine private Kunstschule. Sie bewunderte die Werke Paul Cézannes und beschäftigte sich mit den Farbholzschnitten japanischer Nabis-Künstler. Mitte des Jahres kehrte sie nach Worpewede zurück. Helene Modersohn war inzwischen verstorben. Paula und Otto Modersohn kamen sich näher und verlobten sich im September. Die Hochzeit fand am 25. Mai 1901 statt. Otto Modersohn unterstützte seine Frau in ihrem künstlerischen Schaffen und erkannte als einer der wenigen ihr großes Talent und die Einzigartigkeit ihrer Werke. Er hatte eine Tochter, Elsbeth, mit in seine zweite Ehe gebracht. Paula kümmerte sich liebevoll um sie und Elsbeth war mehrfach Motiv ihrer Gemälde. Nachdem die Ehe anfangs sehr glücklich war, kam es mit der Zeit zu Spannungen, da es Paula immer wieder nach Paris zog. Sie lernte dort die farbintensiven Arbeiten Paul Gauguins kennen, die großen Einfluss auf ihre eigenen Arbeiten hatte. 1905 drohte die Ehe endgültig zu scheitern. Eine Belastung war auch Paulas großer Kinderwunsch, der nicht in Erfüllung gegangen war. Paula verarbeitete dies in den vielen Kinderportraits, die sie schuf. Paula ging erneut nach Paris. Ihr Mann reiste ihr hinterher und das Paar fand doch wieder zusammen. Sie kehrten gemeinsam nach Worpswede zurück. Paula beschäftigte sich nun viel mit dem Sujet des Stilllebens. Und wieder war es ihr Mann, der diese Bilder am meisten bewunderte. Doch die Ehe stand vor dem Aus. 1906 verließ Paula ihren Mann und Worpswede und zog nach Paris, wo sie eine äußerst produktive Zeit verbrachte. Zur Scheidung kam es dann doch nicht. Paula und Otto fanden abermals zueinander. Paula kehrte nach Worpswede zurück. Hier erfüllte sich ihr größter Wunsch, als sie am 2. November 1907 ihre Tochter Mathilde zur Welt brachte. Achtzehn Tage später starb Paula jedoch an den Folgen der Geburt. Sie wurde nur 31 Jahre alt. Wie bei so vielen Künstlern wurde auch das Genie von Paula Modersohn-Becker zu ihren Lebzeiten verkannt. Erst später erkannte man in der Malerin das, was sie war: Eine der bedeutendsten Vertreterinnen des frühen Expressionismus.

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