Bei einem Besuch des Friedhofs von Hellerup bei Kopenhagen lohnt es sich, nach einem ganz bestimmten Grabstein Ausschau zu halten. Diesen zieren die Inschriften "Silberschmied" und "Bildhauer". Es ist der Grabstein des 1935 verstorbenen Georg Jensen, dessen künstlerische Fähigkeiten ihn zum wegweisen Stern des silberverarbeitenden Handwerks gemacht hatten.

Seltene silberne Fischplatte mit Deckel von Harald Nielsen für Georg Jensen, 1933-44 | Foto: Christie's Seltene silberne Fischplatte mit Deckel von Harald Nielsen für Georg Jensen, 1933-44 | Foto: Christie's

Für den jungen Georg Jensen war es zunächst noch nicht so ganz klar, dass es der kreative Teil seiner Karriere sein würde, der ihm nachhaltigen Ruhm bescheren sollte, auch wenn man das heute vermuten möchte. Seine Interessen teilten sich gleichermaßen auf den kreativen Prozess und die zahlenlästige Geschäftswelt auf. Als sein Unternehmen noch in den Kinderschuhen steckte, war es Jensen möglich, beiden Bereiche in einem ausgewogenen Verhältnis nachzukommen. Später, als die Nachfrage nach seinen Kreationen immer mehr anstieg, verbrachte er die meiste Zeit am Schreibtisch, statt im Atelier.

Georg Jensen | Foto: homesandantiques.com Georg Jensen | Foto: homesandantiques.com

Menschen, die sowohl über Kreativität als auch Geschäftssinn verfügen, halten das Rezept für Erfolg in der Hand. Heute ist die Marke Georg für ihre außerordentliche Handwerkskunst Jensen international anerkannt. Dies verdankt sie der Tatsache, dass ihr Gründer gleichzeitig bodenständig und ein Träumer war, der neben aller Funktionalität den Sinn für die Ästhetik nie aus den Augen verlor.

Bildhauer, Keramiker und Silberschmied

Das 19. Jahrhundert war ein revolutionäres Jahrhundert für das dänische Handwerk. Die erste Hälfte war eine Glanzzeit der dänischen Möbelkunst. Im weiteren Verlauf des Jahrhunderts erreichten auch das Kunsthandwerk und die Silberschmiedekunst in Dänemark absolutes Spitzenniveau. Georg Jensen wurde 1866 in der Nähe von Kopenhagen geboren und wie sich herausstellen sollte, passte der damals vorherrschende künstlerische Geist passte perfekt zu ihm. Die Jahre zwischen 1895 und 1915 waren besonders wichtig für das aufstrebende dänische Handwerk und Jensen selbst. Die Stilrichtung Skønvirke entstand, die den deutschen Jugendstil, den französischen Art Nouveau sowie das englische Arts & Crafts Movement mit der nordischen Nationalromantik vermischt.

Georg Jensen und seine Mitarbeiter in der Werkstatt | Foto: bachslyon.co.uk Georg Jensen und seine Mitarbeiter in der Werkstatt | Foto: bachslyon.co.uk

Trotz der Tatsache, dass die traditionelle Möbelkunst durch moderne Techniken und neue Materialien herausgefordert wurde, die den Weg zur Massenproduktion ebneten, wurde das dänische Handwerk nicht signifikant beeinflusst. Jensen und viele Gleichgesinnte konzentrierten sich auf das Handwerk und interessierten sich nicht sonderlich für die Versprechungen der Massenproduktion. Jensen war Künstler und hatte seine Kreativität bereits in jungen Jahren beim Formen von keramischen Objekten ausgelebt. Später studierte er Bildhauerei an der Königlich Dänischen Kunstakademie.

Nach seinem Studium arbeite er zunächst als Bildhauer und Keramiker. Seine Werke wurden zwar wohlwollend aufgenommen, konnten aber nur selten gewinnbringend verkauft werden. Er wechselte in die Goldschmiedewerkstatt des Künstlers Mogens Ballin, der zu jener Zeit mit der Ausarbeitung von Edelmetalldekorationen beschäftigt war, die vom Jugendstil inspiriert waren. Bei einem Aufenthalt in Paris ließ sich Georg Jensen durch neue dekorative Gestaltungsmöglichkeiten und aktuelle Schmuckstücke inspirieren. 1904 eröffnete er in Kopenhagen seine eigene Goldschmiedewerkstatt.

Sehen Sie hier einige Entwürfe Georg Jensens für Mogens Ballin.

Fußschale von Georg Jensen in Form eines Korbes mit Rosenknospen und Blättern, Anfang 20. Jh. | Foto: Cowan's Auktionen Fußschale von Georg Jensen in Form eines Korbes mit Rosenknospen und Blättern, Anfang 20. Jh. | Foto: Cowan's Auktionen

Die Firma Georg Jensen 

Sehr geschäftstüchtig bestückten Georg Jensen und seine Mitarbeiter die Schaufenster des Ladens jeden Morgen neu. Seinen guten Ruf als Goldschmied hatte sich Jensen bereits in den Jahren bei Mogens Ballin erworben und die Geschäfte liefen gut.

Georg Jensen war sehr produktiv und jeden Tag hatte er neue Ideen. Die Thematik seiner Objekte lieferten ihm oftmals Flora und Fauna. Die Designs waren gleichzeitig traditionell und modern, klassisch dänisch und international.

Glockenförmige Schale, 1930er Jahre: Das Dekor besteht aus Blättern und Kugeln | Foto: Stockholms Auktionsverk Glockenförmige Schale, 1930er Jahre: Das Dekor besteht aus Blättern und Kugeln | Foto: Stockholms Auktionsverk

In seinen ersten Jahren als Selbstständiger designte er vor allem Schmuckstücke, die einfach herzustellen und gut zu verkaufen waren. Im Laufe der Zeit öffnete sich der vormals skeptische Georg Jensen auch der Massenproduktion - aber nur soweit, dass weder sein Sinn für Ästhetik noch seine Handwerkskunst darunter leiden mussten. Die neuen Produktionsmethoden ermöglichten es Jensen, Gebrauchsgegenstände wie Küchengeräte und Kochutensilien in sein Sortiment aufzunehmen.

1910 erhielt Jensen vom Palads Hotel in Kopenhagen den Auftrag, die Silberausstattung für Küche und Service anzufertigen.

Silber aus der Serie "Kontinental" | Foto: Bukowskis Silber aus der Serie "Kontinental" | Foto: Bukowskis

Internationale Reputation

1910 war auch das Jahr, in dem Georg Jensen auf der Weltausstellung in Brüssel mit der Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Bei der Weltausstellung, die fünf Jahre später in San Francisco stattfand, kaufte Zeitungsmagnat William Randolph Hearst sämtliche Stücke, die Jensen dorthin mitgenommen hatte. 1924 eröffnete Jensen ein Geschäft an der Madison Avenue in Manhattan, wo es sich noch heute befindet.

Zuckerlöffel aus der Serie "Akkeleje". Foto: jamesbaldwintiniques.com Zuckerlöffel aus der Serie "Akkeleje". Foto: jamesbaldwintiniques.com

Am liebsten entwarf Georg Jensen Speisebestecke. Seiner eigenen Kreativität entsprangen dreizehn Dekore, die zum Teil einfach nur mit Nummern versehen wurden. Acht erhielten jedoch auch richtige Namen: Kontinental, Beaded, Blossom, Rope, Lily of the Valley, Akkeleje, Viking und Fuchsia. Heute werden nur noch die ersten drei davon produziert. Nach den anderen muss man sich auf dem Sekundärmarkt umsehen.

Nach Besteck von Georg Jensen können Sie natürlich auch gleich hier suchen.

Fortführung der Marke

Nach Georg Jensens Tod im Jahr 1935 hatte das Unternehmen eine Reihe talentierter Designer als künstlerische Leiter, die die Traditionen, die Jensen 1904 begonnen hatte, fortsetzten. Jensens erster Nachfolger war Harald Nielsen, der eine engere Formensprache einführte als die ursprüngliche von Jensen. Einer der einflussreichsten künstlerischen Leiter nach Jensen war sein guter Freund Johan Rohde, der unter anderem das ikonische Muster Acorn prägte. Ebenfalls bedeutend war Nanna Ditzel, die auch erfolgreich Möbel und Textilien entwarf. Sowohl Rohde als auch Ditzel haben die Marke Georg Jensen persönlich geprägt und dennoch das Vermächtnis des Gründers beibehalten.

Besteck aus der "Acorn"-Serie | Foto: Freeman's Besteck aus der "Acorn"-Serie | Foto: Freeman's

Wer Vintage-Stücke von Georg Jensen erwerben und sammeln möchte, der muss darauf gefasst sein, auf hohe Preise zu stoßen. Für ein Speisebesteck für 12 Personen aus der Acorn-Serie wurde 2010 bei einer Auktion von Freeman's beispielsweise 15.100 Euro bezahlt. Auch Preise im sechsstelligen Bereich sind möglich.

Entdecken Sie erzielte Preise für Georg Jensen in unserer Datenbank.

Zu den wertvollsten und begehrtesten Stücken der Marke Georg Jensen gehören natürlich jene, die vom Gründer selbst entworfen wurden und die einen Stempel mit seinen Initialen tragen. In den frühen Jahren seines Unternehmens überlappten sich dabei die Buchstaben, später waren sie nebeneinander platziert.

Georg Jensen-Stempel im Wandel der Zeit | Foto: georgjensenheritage.com Georg Jensen-Stempel im Wandel der Zeit | Foto: georgjensenheritage.com

 

Dieser begehrte Stempel sorgte bei einer Auktion von Skinner im Jahr 2012 dafür, das damit versehene Schmuckstücke aus Silber mit Labradorsteinen aus dem frühen 20. Jahrhundert für mehrere Tausend Euro versteigert werden konnten.

Für 13.700 Euro wurde dieses Collier aus Silber und Labradorsteinen 2014 im Auktionshaus Skinner verkauft | Foto: Skinner Für 13.700 Euro wurde dieses Collier aus Silber und Labradorsteinen 2014 im Auktionshaus Skinner verkauft | Foto: Skinner

Wie man sieht, schaffen es die selten auf einer Auktion anzutreffenden frühen Stücke des beschiedenen Träumers Georg Jensen noch immer, die Welt zu verzaubern.

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