Mehr als 2200 Objekte werden vom 31. Mai bis 2. Juni im Auktionshaus Zofingen im Kanton Aargau versteigert. Am ersten Tag stehen Uhren, Schmuck und Teppiche auf dem Programm. Tag 2 umfasst viele Sammlerkategorien wie Silber, Porzellan, Spielzeug oder Asiatika. Auch Möbel, Bücher, Ikonen und Zeichnungen dürfen nicht fehlen. Den Abschluss bilden schließlich am 2. Juni die Kategorien Glas, Skulpturen Grafik und Gemälde.

Die Möbelofferte der Auktion beherbergt einen wahrlich außergewöhnlichen hölzernen Schreibtisch mit Hocker des italienischen Holzschnitzers und Bildhauers Valentino Besarel. Die aufklappbare Schreibplatte des Tisches ist wie ein Buch gestaltet, der Tintenzeugaufsatz wird von einem vollplastischen Putto gekrönt. Ein solcher findet sich auch am Hocker, der mit einem geschnitztem "Tuch" bedeckt ist.

Ähnlich plastische gestaltet ist ein bezaubernder Rahmen aus vergoldetem Messing, der um 1900 zur Aufbewahrung von Carte-de-visite-Fotografien (oder zumindest einer ganz besonderen...) diente. Statt eines Puttos bildet hier eine bemalte Schwalbenfigur den krönenden Abschluss.

 

Ein bezauberndes Beispiel für die Dekore des Jugendstils ist dieses fünfteilige Kaffee- und Teeservice aus Silber, das mit einem floralen Zierrelief geschmückt ist. Hergestellt wurde es von der Heilbronner Silberwarenfabrik Bruckmann, die 1805 in Heilbronn ihre Tore geöffnet hatte und über vier Generationen lang in Familienbesitz gewesen war. Ende des 19. Jahrhunderts erlebte das Unternehmen, das für seine qualitätsvollen Erzeugnisse weit berühmt war, seine Blütezeit, in der es sich hauptsächlich auf Besteck und Tafelgerät konzentrierte.

Links: Kashmirschal mit Harlekinbordüre, wohl Frankreich, 19. Jh. Rechts: Alfred Stevens, Veux-tu sortir avec moi, Fido?, 1859 | Philadelphia Museum of Art Links: Kashmirschal mit Harlekinbordüre, wohl Frankreich, 19. Jh. Rechts: Alfred Stevens, Veux-tu sortir avec moi, Fido?, 1859 | Philadelphia Museum of Art

Ein schönes Stück europäischer Modegeschichte (das man getrost auch heute noch tragen kann) liegt mit einem großen Kashmirschal mit Harlekinbordüre aus dem 19. Jahrhundert vor. Solches Schals waren Ende des 18. Jahrhunderts in Europa in Mode gekommen und blieben es lange Zeit auch. In der elegante Damenmode um 1850 waren sie ein so beliebtes Accessoire, das der Maler Alfred Stevens einen solchen Schal wiederholt zur Ausstattung seiner Gemälde verwendete.

Vermutlich aus den Händen des bekannten Wiener Glaskünstlers Anton Kothgasser (1769-1851) stammt der unten links abgebildete Ranftbecher. Das Ziergefäß aus farblosen Glas ist teilvergoldet und mit einer Transparentfarbenmalerei geschmückt, die eine Ansicht der kaiserlichen Sommerresidenz Schloss Schönbrunn darstellt.

Weniger bekannt als Schloss Schönbrunn ist der Mops-Orden, eine freimaurerische Geheimgesellschaft im 18. Jahrhundert, die sich den Mops als Symbolfigur ausgesucht hatte. Der Mops - auch damals schon ein "Trend-Hund" - stand für Treue, Freundschaft und Zuverlässigkeit. Der Meissener Modelleur Johann Joachim Kändler ließ sich vom Orden 1744 zu einer Damenfigurine inspirieren, die hier in einer Ausformung 1. Wahl von ca. 1900 vorliegt.

Zu den älteren Gemälden der Auktion gehört ein Doppelportrait des Schweizer Politikers Vinzenz Rüttimann (1769-1844) und dessen jüngster Tochter Nanette, das dem Maler Joseph Reinhart zugeschrieben wird. Die Rüttimanns waren eine bedeutende Patrizierfamilie aus Luzern. Vinzenz als ihr bedeutendster Vertreter, gehörte ebenso zu den wichtigsten politischen Personen der Schweiz im frühen 19. Jahrhundert und wurde 1820 und 1826 zum Staatsoberhaupt der Eidgenossenschaft gewählt.

Im Bereich der Modernen Malerei liegt ein Gemälde aus dem Spätwerk des norddeutschen Malers Otto Modersohn vor, den man vor allem mit der Künstlerkolonie Worpswede bei Bremen in Verbindung bringt. Hier hat er sich jedoch einem alpinen Motiv gewidmet.

Otto Modersohn war in seinem Leben dreimal verheiratet gewesen. Seine zweite Frau, die Malerin Paula Modersohn-Becker starb 1907 an den Folgen der Geburt der gemeinsamen Tochter. Zwei Jahre nach dieser Tragödie heiratete Modersohn die Malerin und Sängerin Louise Breling. Mit ihr bereiste er in den 1920/30er Jahren Mittel- und Süddeutschland.

Vor allem das Allgäu hatte es dem Paar angetan. 1930 erwarben Otto und Louise ein Bauernhaus bei Bad Hindelang, wo auch das vorliegende Bild entstand. Die Aufenthalte im Allgäu dauerten bis 1936, als Otto Modersohn durch eine Erkrankung auf seinem rechten Auge erblindete.

Die Ausstellung mit allen Losen der dreitägigen Auktion ist noch bis zum 27. Mai im Auktionshaus Zofingen zugänglich. Die Versteigerungen beginnen am 31. Mai um 17 Uhr, an den beiden Folgetagen jeweils um 9 Uhr.

Entdecken Sie alle aktuellen Objekte des Auktionshauses Zofingen hier bei Barnebys.

 

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