Hugo Alvar Aalto kam 1898 in der ländlichen Gemeinde Kuortane als ältester Sohn von insgesamt vier Geschwistern zur Welt. Aaltos Familie gehörte der Mittelschicht an. Als Aalto fünf Jahre alt war, zog er mit seinen Eltern und Geschwistern nach Jyväskylä, einer zwischen zwei Seen gelegenen Stadt in Mittelfinnland. Zu jenem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass die Stadt einmal tief mit dem Namen Alvar Aalto und dessen innovativer Architektur verbunden sein würde.

Alvar Aalto | Foto: Artek Alvar Aalto | Foto: Artek

1921 beendete Aalto erfolgreich sein Studium an der Hochschule für Technologie in Helsinki. Noch vor seinem Abschluss hatte der talentierte Student sein erstes Haus entworfen, in das seine Eltern einzogen. Aaltos Vater Johan Henrik arbeitete als Landvermesser, seine Mutter Selly war bei der Post angestellt.

Zwei Jahre nach seinem Studienabschluss, er hatte inzwischen seinen Wehrdienst geleistet, eröffnete Alvar Aalto sein erstes Büro in Helsinki. Während seines Studiums hatte er sich sehr für die Ideen des Jugendstils begeistert und war zu der Ansicht gelangt, dass sich Architektur in die sie umgebende Umgebung einfügen müsse.

Alvar und Aino Aalto | Foto: alvaraalto.fi Alvar und Aino Aalto | Foto: alvaraalto.fi

1925 traf Aalto die Architektin Aino Marsio, die er noch im selben Jahr heiratete. Aalto und Aino sollten ihr ganzes gemeinsames Leben zusammen arbeiten und dem jeweils anderen als wichtige Quelle der Inspiration dienen. Seine Hochzeitsreise verbrachte das frischgebackene Ehepaar Aalto in Italien, wo es die mediterrane Ästhetik studierte, was in einigen Designs Alvar Aaltos zu bemerken ist.

Die Stadthalle im Aaltocentrum in Seinäjoki | Foto: Wikicommons Die Stadthalle im Aaltocentrum in Seinäjoki | Foto: Wikicommons

Bedeutender war jedoch der Einfluss durch das Bauhaus und Le Corbusiers strengen Funktionalismus. In diesem Stil entwarf Aalto 1927 das Bibliotheksgebäude der Stadt Vyborg, das 1934 gebaut wurde. Zur gleichen Zeit lernte er die schwedischen Architekten Sven Markelius und Gunnar Asplund kennen, die gute Freunde von ihm werden sollten.

Das Paimio-Sanatorium | Foto: alvaraalto.fi Das Paimio-Sanatorium | Foto: alvaraalto.fi

Das Paimio-Sanatorium

Aaltos bekanntestes Gebäude aus jener Zeit ist zweifellos das Paimio-Sanatorium in Turku, das er gemeinsam mit seiner Frau Aino entwarf. Die Planungen des Sanatoriums für an Tuberkulose erkrankte Patienten begannen 1929 und ein Wettbewerb für den Entwurf wurde ausgeschrieben. Das Ehepaar Aalto berücksichtigte in seinem erfolgreichen Entwurf die damaligen Behandlungsmöglichkeiten der Tuberkulose: Ruhe, Sonnenschein und frische Luft.

Alvar und Aino Aalto auf einem der Balkone des Paimio-Sanatoriums | Foto: Square Interwoven Alvar und Aino Aalto auf einem der Balkone des Paimio-Sanatoriums | Foto: Square Interwoven

Alvar und Aino berücksichtigen vor allem die Bedürfnisse und den Komfort Patienten und kreierten Sonnenbalkone, auf die die Patienten von ihren Zimmern aus geschoben werden konnten, ohne dass sie ihre Betten verlassen mussten.

Paimio-Stühle im Paimio-Sanatorium | Foto: Gustaf Welin, Alvar Aalto Museum Paimio-Stühle im Paimio-Sanatorium | Foto: Gustaf Welin, Alvar Aalto Museum

Die Architektur des Sanatoriums fand sowohl in Finnland als auch im Ausland viel Zustimmung in Hinblick auf sein modernes Design. Die Aaltos waren tief in den gesamten Bauprozess involviert und designten auch die Möbel und die Farbabstimmung der Innenwände. Zur Ausstattung gehörte auch der 1931/32 entworfene Stuhl Paimio, der Tuberkulosepatienten das Atmen erleichterte.

Aaltos Vision von der an ihre Umgebung angepasste Architektur rückte in der späten 1930er Jahren mehr und mehr in den Fokus seiner Arbeit. Dies war auch seine Intension, als er die Villa Mairea entwarf, ein Privathaus im Südwesten Finnlands.

Villa Mairea | Foto: alvaraalto.fi Villa Mairea | Foto: alvaraalto.fi

Villa Mairea

Villa Mairea wurde 1939 fertiggestellt und war perfekt in die sie umgebende Natur eingefügt, mit einem Hof, der sich zu den Kiefernwäldern hin öffnete. Im Grunde brach Aalto bei Entwerfen der Villa mit dem dogmatischen Funktionalismus, denn die umgebenden Wälder waren so wichtig, wie das Gebäude selbst. Finnland ist ein Land der Nadelbäume und Aalto verwendete deren Holz sowohl für das Gebäude, als auch für dessen Möblierung.

Wohnzimmer der Villa Mairea | Foto: alvaraalto.fi Wohnzimmer der Villa Mairea | Foto: alvaraalto.fi

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Alvar Aalto seine Position als Finnlands führender Architekt noch weiter ausbauen. Er erhielt nicht nur in seiner Heimat viele Aufträge, sondern auch im Ausland. In Finnland entwarf eine große Anzahl öffentlicher Gebäude und war häufig in Stadtplanungen involviert. Er hatte eine ganzheitliche Einstellung zum Design, wo er jedem Element ein individuelles Gewicht beimaß, das so dem Gesamteffekt dienen konnte.

In der Villa Mairea | Foto: alvaraalto.fi In der Villa Mairea | Foto: alvaraalto.fi

Aalto als Möbeldesigner

Neben seiner Arbeit als Architekt und Stadtplaner widmete Aalto seine Zeit und Begabung dem Entwerfen von Möbeln, Schmuck und Glas sowie der Malerei. Seine ersten Möbelentwürfe hatte er bereits in den 1920er Jahren gezeichnet, da er dieses Betätigungsfeld als ebenso wichtig wie die Architektur betrachtete. Im Laufe seiner Karriere scheute er sich niemals, auch den kleinsten Türknauf selber zu entwerfen.

Paravent von Alvar Aalto für das Hotel Vaakuna (1940er Jahre). Verkauft 2014 bei Phillips für 33.800 Euro |Foto: Phillips Paravent von Alvar Aalto für das Hotel Vaakuna (1940er Jahre). Verkauft 2014 bei Phillips für 33.800 Euro |Foto: Phillips

Von Anfang an schuf er seine Möbeldesigns so, dass sie kontinuierlich überarbeitet und weiterentwickelt werden konnten. 1935 gründeten Alvar und Aino mit Artek ihre eigene Möbelfirma, deren Aufgabe es werden sollte, ein Zentrum für modernes Design zu sein, in dem Ideen aus dem In- und Ausland versammelt und weiterentwickelt werden konnten. Ab 1942 wurden die meisten Arbeiten bei Artek von Aino ausgeführt.

Vase "Savoy" von 1936 | Foto: Maija Holma, Alvar Aalto Museum Vase "Savoy" von 1936 | Foto: Maija Holma, Alvar Aalto Museum

Die Möbel wurden aus Holz, meistens Birke, gefertigt und hatten weiche, wellige Formen, die eine Reminiszenz an die finnische Natur darstellten. Viele von Aaltos Artek-Möbeln wurden schnell zu modernen Klassikern, darunter das ikonische Modell 60. Von dem stapelbaren Hocker wurden bis heute mehrere Millionen Exemplare ausgeführt.

Hocker "Modell 60" | Foto: Bukowskis Hocker "Modell 60" | Foto: Bukowskis

Muuratsalo, das experimentelle Sommerhaus

Zwischen 1952 und 1953 baute Alvar Aalto mit seiner zweiten Ehefrau Elissa, Aino war 1949 verstorben, ein experimentelles Sommerhaus auf einer Insel südlich von Jyväskylä. Das einzigartige Haus diente dem Ehepaar nicht nur als Sommerresidenz sondern auch als Atelier. Die Architektur war von der römischen Antike inspiriert.

Muuratsalo | Foto: alvaraalto.fi Muuratsalo | Foto: alvaraalto.fi

Alvar Aalto experimentierte mit verschiedenen Materialien, Farben und Ebenen. Vor allem die mit Backsteinen verkleidete Fassade erlaubte es Aalto, mit verschiedenen Techniken zu experimentieren. Das L-förmige Gebäude umgibt einen verschwiegenen Innenhof, der sich zum Seeufer hin öffnet. Heute wird das Gebäude vom Alvar Aalto Museum in Jyväskylä verwaltet und kann besichtigt werden.

Im Sommerhaus in Muuratsalo / Foto: alvaraalto.fi Im Sommerhaus in Muuratsalo / Foto: alvaraalto.fi

Das Museum in Jyväskylä wurde 1966 gegründet und zog 1973 in ein von Alvar Aalto entworfenes Gebäude um. Daneben gibt es noch ein weiteres Museum in Helsinki, das jährlich viele Designenthusiasten und Architekturstudenten anzieht. Auch Aaltos Wohnhaus in der finnischen Hauptstadt, wo er 1976 starb, wird von dieser Stiftung verwaltet.

In Alvar Aaltos Haus in Helsinki | Foto: alvaraalto.fi In Alvar Aaltos Haus in Helsinki | Foto: alvaraalto.fi

Auch wenn einige von Aaltos Entwürfen mehr als 70 Jahre alt sind, haben sie, was die Überwindung sozialer und stilistischer Grenzen betrifft, auch heute nicht an Aktualität verloren. Ihre Kombination aus Moderne und Tradition hat zu etwas völlig Neuem geführt. Alvar Aalto ist der unbestrittene König des finnischen Designs, dessen Entwürfe auch über die Landesgrenzen Finnlands gefeiert werden.

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