Die Auktionen der vierten und letzten Auktionswoche, die das Dorotheum in diesem Jahr veranstaltet, beginnen mit der Versteigerung von Silberwaren am 22. November um 13 Uhr. Am selben Tag folgt der erste Teil der Zeitgenössischen Kunst um 18 Uhr. Der 23. November widmet sich ab 17 Uhr vollkommen der Klassischen Moderne. Am 24. November findet um 18 Uhr der zweite Teil der Versteigerung zeitgenössischer Werke statt. Davor beginnt um 15 Uhr die Schmuck- und Uhren-Auktion, die am 25. November um 16 Uhr fortgesetzt wird und so den Abschluss der Auktionswoche bildet.

Die Vorbesichtigungen zu allen Auktionen beginnen am 12. November und enden am jeweiligen Auktionstag. Einige Highlights haben wir aber schon jetzt für Sie!

 

Zeitgenössische Kunst

PAOLO SCHEGGI (Florenz 1940–1971 Rom) - Intersuperficie curva dall’azzurro, hellblaues Acryl auf übereinander liegenden Leinwänden, auf Keilrahmen, 70 x 6,8 cm, 1966 Schätzwert: 160.000-220.000 EUR PAOLO SCHEGGI (Florenz 1940–1971 Rom) - Intersuperficie curva dall’azzurro, hellblaues Acryl auf übereinander liegenden Leinwänden, auf Keilrahmen, 70 x 6,8 cm, 1966
Schätzwert: 160.000-220.000 EUR

Beginnen wir mit fünf Arbeiten der aktuellsten Sparte, der Zeitgenössischen Kunst, die an zwei Tagen versteigert wird. Und die "Setlist" kann sich wirklich sehen lassen: Die Auktion ist ein wahres Stelldichein bedeutender zeitgenössischer Künstler aus aller Welt, darunter Andy Warhol, Christo, Damien Hirst, Jörg Immendorff und Gerhard Richter. Oder eben Paolo Scheggi, dessen hellblaues Intersuperficie curva dall’azzurro Sie oben sehen. 

Unten gewährt uns Robert Longo einen Blick auf unseren Planeten. Was auf den ersten Blick wie eine Fotografie aussieht, das von der ISS aus geschossen wurde, entpuppt sich bei näherer Betrachtung jedoch als eine Kohlezeichnung des Künstlers, die das dargestellte Objekt in geradezu unglaublicher Plastizität wiedergibt.

ROBERT LONGO (*New York 1953) - Untitled, (Earth, for Zander), Kohle/Papier, 183 x 213,5 cm, signiert und datiert, 2006 Schätzwert: 200.000-250.000 EUR ROBERT LONGO (*New York 1953) - Untitled, (Earth, for Zander), Kohle/Papier, 183 x 213,5 cm, signiert und datiert, 2006
Schätzwert: 200.000-250.000 EUR

GÜNTHER UECKER (*Wendorf 1930) - Raum zerteilter Vorstellung, Nägel, Dispersion, Kleber, Leinwand auf Holz, 63 x 15 x 15 cm, betitelt, nummeriert, signiert und datiert, 1982 Schätzwert: 50.000-70.000 EUR GÜNTHER UECKER (*Wendorf 1930) - Raum zerteilter Vorstellung, Nr. 30, Nägel, Dispersion, Kleber, Leinwand auf Holz, 63 x 15 x 15 cm, betitelt, nummeriert, signiert und datiert, 1982
Schätzwert: 50.000-70.000 EUR

Günther Uecker ist mit fünf Arbeiten in der Auktion vertreten. Das vorliegende Werk ist der 30. Teil eines ursprünglich 3 Meter langen Nagelobjektes, welches Uecker im Zuge seines Projektes "Raum zerteilter Vorstellung" mit einer Axt in 30 Teile zerschlug. Die Nr. 30 ist das rechte äußere Randstück des ursprünglichen Objektes.

Die nächste Arbeit ist ein Gemeinschaftswerk des Fotografen Gianfranco Gorgoni und des Künstlers Robert Rauschenberg. Rauschenberg bearbeitete das Foto, welches Gorgoni 1975 von ihm gemacht hatte, auf Einladung desselben. Das Endergebnis war Teil der Ausstellung „Altered Images" in New York 1988.

ROBERT RAUSCHENBERG (Port Arthur/Texas 1925–2008 Captiva Island/Florida) - Untitled, Acryl und Lösungsmitteltransfer auf vergrößertem Foto von Gianfranco Gorgoni, auf Leinwand gedruckt, 185 x 322 cm, signiert, 1988 Schätzwert: 200.000-250.000 EUR ROBERT RAUSCHENBERG (Port Arthur/Texas 1925–2008 Captiva Island/Florida) - Untitled, Acryl und Lösungsmitteltransfer auf vergrößertem Foto von Gianfranco Gorgoni, auf Leinwand gedruckt, 185 x 322 cm, signiert, 1988
Schätzwert: 200.000-250.000 EUR

ENRICO CASTELLANI (*Castelmassa, Rovigo 1930) - Superficie Bianca, Acryl/Lwd., 100x100 cm, betitelt, sognerò und datiert, 1987 Schätzwert: 250.000-350.000 EUR ENRICO CASTELLANI (*Castelmassa, Rovigo 1930) - Superficie Bianca, Acryl/Lwd., 100x100 cm, betitelt, signiert und datiert, 1987
Schätzwert: 250.000-350.000 EUR

Enrico Castellini ist ein italienischer Maler und Reliefkünstler der Konzeptkunst. Nach einem Studium an der Brüsseler Kunstakademie kehrte er in seine Heimat zurück und wurde Teil der dortigen Avantgarde. Die Licht- und Schattenwirkung seiner monochromen Arbeiten erzielte er durch den Einsatz einer Nagelpistole, die eine reliefartige Oberfläche der Leinwand bewirkte.

 

Klassische Moderne

Nicht minder beeindruckend als die Zeitgenössische Kunst im Dorotheum ist die Auswahl der Werke in der Auktion "Klassische Moderne". Auch hier sind viele große Namen vertreten, darunter Max Ernst, Conrad Felixmüller, Giorgio de Chirico oder Wifredo Lam.

MARC CHAGALL (Witebsk 1887–1985 Saint Paul de Vence) - Fleurs, Öl/Lwd., 72 x 57 cm, signiert, 1924 Schätzwert: 750.000-1.000.000 EUR MARC CHAGALL (Witebsk 1887–1985 Saint Paul de Vence) - Fleurs, Öl/Lwd., 72 x 57 cm, signiert, 1924
Schätzwert: 750.000-1.000.000 EUR

Der Höhepunkt dieser Versteigerung ist das Werk "Fleurs" von Marc Chagall, welches dieser gemalt hatte, nachdem er 1923 seine russische Heimat verlassen hatte und nach Paris gezogen war, wo sich ihm eine völlig neue Welt der Kunst eröffnete. Trotz seiner "Ausstattung" ist "Fleurs" nicht als Stillleben zu betrachten. Die wie Gesichter anmutenden farbenfrohen Knospen verströmen vielmehr Fröhlichkeit und Energie, die Chagalls neues, von Hoffnung geprägtes Leben symbolisieren. Nicht die Maltechnik sondern die Farbe steht hier im Mittelpunkt.

KARL HOFER (Karlsruhe 1878–1955 Berlin) - Mädchen sich kämmend, Öl/Lwd., 100x70 cm, monogrammiert, um 1938 Schätzwert: 140.000-240.000 EUR KARL HOFER (Karlsruhe 1878–1955 Berlin) - Mädchen sich kämmend, Öl/Lwd., 100x70 cm, monogrammiert, um 1938
Schätzwert: 140.000-240.000 EUR

Das "Mädchen sich kämmend" ist dem reifen Werk Karl Hofers zuzuordnen (1933-45). In dieser Phase sah sich der Expressionist in seinem Schaffen stark vom nationalsozialistischen Regime unterdrückt. So wurde ihm bereits 1933 die Professur an der Hochschule der Künste in Berlin entzogen, was seinem künstlerischen Talent jedoch keinen Abbruch tat.

PAUL KLEE (Münchenbuchsee bei Bern 1879–1940 Muralto) - Praeludium zu einem Ständchen, Farbpaste/zerknülltes Packpapier/dünner Karton, 23x44 cm, betitelt, signiert und datiert, 1940 Schätzwert: 220.000-240.000 EUR PAUL KLEE (Münchenbuchsee bei Bern 1879–1940 Muralto) - Praeludium zu einem Ständchen, Farbpaste/zerknülltes Packpapier/dünner Karton, 23x44 cm, betitelt, signiert und datiert, 1940
Schätzwert: 220.000-240.000 EUR

„Praeludium zu einem Ständchen“ malte Paul Klee kurz vor seinem Tod im Jahre 1940. Der Künstler erlebte in dieser Zeit einen enormen Schaffensdrang, der ihn dazu bewog, sogar ein zerknülltes Stück Papier als Bildträger zu benutzen.

FRANCIS PICABIA (Paris 1879–1953) - Ohne Titel, Bleistift, Tinte, Buntstift/Papier, 63,5 x 49,2 cm, signiert und datiert, 1932 Schätzwert: 70.000-90.000 EUR FRANCIS PICABIA (Paris 1879–1953) - Ohne Titel, Bleistift, Tinte, Buntstift/Papier, 63,5 x 49,2 cm, signiert und datiert, 1932
Schätzwert: 70.000-90.000 EUR

Francis Picabia war nicht nur Maler und Grafiker, sondern auch Schriftsteller. Er gründete in Barcelona die Dadazeitschrift 391, die von 1917-24 erschien. Sein Lebensmittelpunkt war jedoch Paris, wo er als Sohn eines kubanischen Botschaftsangestellten aristokratischer Herkunft 1879 zur Welt gekommen war.

GIACOMO BALLA (Turin 1871–1958 Rom) - Valori plastici, Tempera/Lwd., 77x77 cm, signiert, ca. 1929 Schätzwert: 150.000-180.000 EUR GIACOMO BALLA (Turin 1871–1958 Rom) - Valori plastici, Tempera/Lwd., 77x77 cm, signiert, ca. 1929
Schätzwert: 150.000-180.000 EUR

Giacomo Balla war einer der bedeutendsten Vertreter des Futurismus, einer avantgardistischen Kunstbewegung, die ihre Wurzeln in Italien hatte. Begründer der Bewegung war Filippo Tommaso Marinetti, der ihre Grundzüge 1909 im Futuristischen Manifest beschrieb. Der Futurismus endete mit Marinettis Tod im Jahre 1944.

 

Silber

Nach all der modernen und zeitgenössischen Kunst machen wir nun zum Abschluss noch einen Abstecher zu den Auktionen mit Schmuck und Silber, die am Anfang und am Ende der Auktionswoche stehen.

Vier Weinkühler aus vergoldetem Silber, H: 21,2 cm, Meistermarke Marc Jacquart, Pariser Garantiestempel 1798-1809 Schätzwert: 100.000-120.000 EUR Vier Weinkühler aus vergoldetem Silber, H: 21,2 cm, Meistermarke Marc Jacquart, Pariser Garantiestempel 1798-1809
Schätzwert: 100.000-120.000 EUR

Diese vier Weinkühler wurden in Paris hergestellt und gelangten anschließend nach Russland. Hier waren sie Teil der Ausstattung des Anitchkow-Palastes in Sankt Petersburg, als dieser vom späteren Zaren Nikolaus I. (1796-1855) bewohnt wurde.

 

Juwelen 

Als wahrhaft krönenden Abschluss möchten wir Ihnen nun noch diese drei bezaubernden Diademe vorstellen. Das obere wurde im Stil eines Kokoschnik gefertigt. Ein Kokoschnik bezeichnet eine Kopfbedeckung, die vom 16.-19. Jahrhundert von Frauen im nördlichen Russland getragen wurde und zusammen mit dem Sarafan zur traditionellen russischen Hoftracht gehörte. Bei dem linken Exemplar können die Sterne auch einzeln als Broschen getragen werden. Auch das rechte Diadem ist variabel einsetzbar: Als Collier oder in 3 Broschen aufgeteilt.

Für Bieter, die nicht persönlich an der Auktion teilnehmen können, nimmt das Dorotheum schriftliche Kaufaufträge entgegen, deren Höchstgebote während der Auktion berücksichtigt werden. Das gilt auch für Telefonaufträge, sollte der Kunde zum Zeitpunkt der Auktion nicht erreichbar sein.

Die Kataloge zu allen Versteigerungen der Auktionswoche finden Sie hier bei Barnebys.

 

 

 

 

 

Kommentar