Grisebach, Berlin

Das Auktionshaus Grisebach feierte 2016 sein 30jähriges Bestehen. Um dies gebührend zu feiern, kam in der Jubiläumsauktion, die vom 30. November bis 3. Dezember stattfand, so manches Highlight unter den Hammer. Vor allem die Werke moderner und zeitgenössischer Künstler waren bei den internationalen Bietern hochgegehrt. Insgesamt brachte es die Auktion auf fantastische 34 Millionen Euro, das beste Ergebnis für Grisebach und für eine Auktion in Deutschland seit 1945 überhaupt. Den höchsten Zuschlagspreis erzielte Lyonel Feininger Gemälde "Gelbe Gasse", das für 3.535.000 Euro in die Schweiz ging. Das von Andy Warhol geschaffene Portrait Joseph Beuys ersteigerte ein Bieter aus Hongkong für 1.153.000 Euro. Preise im sechs- oder siebenstelligen Bereich erzielten auch Werke Emil Noldes. Eine Arbeit dieses Künstlers - "Weiße Wolken" - war auch das Spitzenobjekt in der Frühjahrsauktion von Grisebach, in der es für 1,5 Millionen Euro verkauft wurde. Ebenfalls im Millionenbereich dieser Auktion lag das Endergebnis für Adolph Menzels Pastell "Emilie in roter Bluse", das mit 1,05 Millionen Euro seinen Schätzpreis fast um das Dreifache übertraf.

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Lempertz, Köln

Eine weitere Highlightauktion in Deutschland war auch die Versteigerung mit Moderner und Zeitgenössischer Kunst Anfang Dezember bei Lempertz. Das Kölner Auktionshaus wurde 1845 gegründet und befindet sich noch immer in Familienbesitz und ist damit weltweit das älteste seiner Art. Kein Wunder also, dass hier so mancher Spitzenpreis erzielt wurde.

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Mit einem erzielten Preis von 1,58 Millionen Euro war das "Mädchen im Südwester", das der Expressionist Ernst Ludwig Kirchner 1912 auf Fehmarn gemalt hatte, das Spitzenobjekt der Auktion. Ein weiteres Highlight bildete das Aquarell "Soiree" von George Grosz. Mit seinem Endpreis von 446.000 Euro übertraf es seinen oberen Schätzpreis um fast 100.000 Euro. Die Kissenbilder "Farbraumkörper I" und "Farbraumkörper II" von Gotthard Graubner erzielten zusammen etwas mehr als 1 Million Euro. Ihr jeweiliger Schätzpreis lag bei 250.000-350.000 Euro. Das Ergebnis bedeutete einen internationalen Rekord für diesen Künstler.

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In der Auktion mit Alten Meistern und Gemälden des 19. Jahrhunderts, die Mitte November stattgefunden hatte, überraschte vor allem ein Werk. Es handelte sich um die Kopfstudie eines bärtigen Mannes, die einem flämischen Meister zugeschrieben wurde und sich in eher schlechtem Zustand befand. Der Schätzpreis lag bei 5.000-6.000 Euro, der hart umkämpfte Zuschlag erfolgte schließlich bei 390.000 Euro. Ein Fall von "Ich sehe was, das du nicht siehst"?

Dorotheum, Wien

Mitten im Herzen der österreichischen Hauptstadt befindet sich das 1707 gegründete Dorotheum, das größte Auktionshaus im deutschsprachigen Raum und eine hervorragende Anlaufstelle, wenn es um die Ver- und Ersteigerung hochrangiger Kunst geht. So konnten dort im bald endenden Auktionsjahr wieder so mancher Millionenpreis erzielt werden. Los ging es im April mit der "Geburt Christi" aus der Werkstatt von Hans Memling, das mit einem Endergebnis von 1,2 Millionen Euro seinem unteren Schätzwert entsprach. Am 31. Mai konnte „Baptême de masques“ von James Ensor (1.022.500 Euro) seinen oberen Schätzwert von 300.000-500.000 Euro mehr als verdoppeln. Auch "Kunst auf vier Rädern" wurde vom Dorotheum erfolgreich versteigert. Auf stolze 1.067.000 Euro brachte es ein Mercedes-Benz 300 SL von 1958. Auch die letzte Auktionswoche des Hauses im November war mit so manchem Highlight gespickt. Eines davon war "Fleurs" von Marc Chagall, das es wie zuvor das Werk von James Ensor auf 1.022.500 brachte.

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Einen "giant leap" vollbrachten drei Lose der Klassischen Moderne. In drei Losen kamen im November insgesamt 9 Werkzeichnungen der "Merlinsage", die der Wiener Secessionist Josef Engelhart 1904 für die Weltausstellung in St. Louis angefertigt hatte. Jedes Los war vor der Auktion mit einem Schätzpreis von 8.000-14.000 Euro versehen worden. Die Endsumme insgesamt betrug schließlich 582.400 Euro.

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Cambi, Genua

Jenseits der Alpen wurde auch in den italienischen Auktionshäusern der eine oder andere Spitzenpreis erzielt. Vor allem die Kunst aus Asien und das Design des 20. Jahrhunderts konnten ihren Erfolgspfad weiter ausbauen. Allein im Dezember brachten es zwei diesen Sparten gewidmete Auktionen zusammen auf stolze 3.826.000 Euro. Etwa ein Fünftel davon wurde durch die erfolgreiche Versteigerung von zwei Objekten erzielt. In der Design-Auktion vom 13. Dezember erzielte ein Couchtisch mit handbemalter Glasplatte von Lucio Fontana ein Endergebnis von 102.500 Euro, nachdem er zuvor auf 30.000-40.000 Euro geschätzt worden war. Ein grandiose Preissteigerung erfuhr ein Altar aus Huanghuali-Holz, der im 19. Jahrhundert in China gefertigt worden war. Das mit feinem Schnitzwerk versehene Stück wurde auf 5.000-8.000 Euro geschätzt. Der Zuschlag erfolgte schließlich bei fantastischen 602.850 Euro. Zwei Beispiel dafür, wie begehrt Asiatika und Designerstücke auf dem gegenwärtigen Auktionsmarkt gehandelt werden.Cambi9

Koller, Zürich

Das Zürcher Auktionshaus Koller bietet nun bereits seit 10 Jahren in einer gesonderten Sparte Schweizer Kunst an und ist mittlerweile Marktführer auf diesem Gebiet. Immer wieder in diesen Auktionen vertreten sind  Arbeiten der Künstlerfamilie Giacometti, sowohl von Augusto, als auch von dessen Cousin zweiten Grades Giovanni sowie dessen Söhnen Alberto und Diego. In diesem Jahr war es im Juni das "Panorama von Flims" von Giovanni Giacometti, das einen absoluten Spitzenpreis erzielte. Für 4,05 Millionen Schweizer Franken (ca. 3,78 Millionen Euro) wurde es von einem Schweizer Privatsammler ersteigert - eine Rekordsumme für den Maler. Ebenfalls immer wieder erfolgreich unter dem Hammer sind die Werke des Schweizer Genremalers Albert Anker. Sein bezauberndes Gemälde "Großmutter am Spinnrad und schlafender Knabe auf Ofenbank" wurde am 2. Dezember für 1,17 Millionen Franken (ca. 1,09 Millionen Euro) versteigert. Selbstverständlich dürfen in einem Schweizer Auktionshaus Versteigerungen edelster Uhren nicht fehlen. Eine sehr erfolgreiche Auktion dieser Art fand am 30. November statt. 94% der Lose fanden einen neuen Besitzer. Für beinahe eine halbe Million Schweizer Franken wurde ein sehr seltener Chronograph von Patek Philipp verkauft. Vom ersten wasserdichten Modell des Herstellers wurden lediglich 750 Exemplare hergestellt - ein Muss für jeden Sammler.

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Das waren nur einige Beispiele für die vielen Highlights aus den Auktionshäusern im Jahre 2016. Millionenbeträge, Rekordpreise und Unerwartetes gaben sich die Klinke in die Hand. Da steigt die Freude auf das kommende Auktionsjahr doch ins schier Unendliche!

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