von l.n.r. Emil Nolde, Schiff mit dunkler Wolke (Lot 26), Aquarell. Schätzpreis: 75 000 EUR. sowie: Emil Nolde, Tulpen (Lot 25), Aquarell. Um 1937, Schätzpreis: 160 000 EUR von l.n.r. Emil Nolde, Schiff mit dunkler Wolke (Lot 26), Aquarell. Schätzpreis: 75 000 EUR. sowie: Emil Nolde, Tulpen (Lot 25), Aquarell. Um 1937, Schätzpreis: 160 000 EUR /// Martin Urban zum Werk Schiff mit dunkler Wolke: »Zu allen Zeiten war das Meer ein wichtiges Thema seiner Kunst. Das völlige Eintauchen in die elementare Gewalt der Natur bis an die gefährliche Grenze des Möglichen, das Einswerden mit dem Ziel der Durchdringung, die Dinge ergreifen und sich von ihnen ergreifen lassen, um dann aus der Erinnerung das Bild zu malen, fern der Oberflächenwelt, nur der Vorstellungskraft folgend und der sinnlichen Lockung der Farben - kein Thema kam dem Maler mehr entgegen. Hier kann er dem Fluß der Farben alle Freiheit lassen, um ihn zugleich souverän in eine kompositorische Ordnung zu lenken. Hier zeigt sich auch, wie unerschöpflich der Maler im Finden von Variationen ist«. /// Martin Urban zum Werk Tulpen: »Von der Farbe nicht zu trennen, mit ihrer Wirkung unlöslich verbunden ist die Form; sie ist gleichzeitig da, fast immer groß und beherrschend, nah gesehen, als wollte sie den Rahmen sprengen, oft mit zwingender, eindringlicher Gebärde, eine Art Hieroglyphe, die der Maler aus dem Gegenstand gewinnt, jedesmal neu und anders, auch wenn der Gegenstand gleichbleibt. Der Gegenstand ist nie unwichtig, manche Blumenaquarelle sind wie Portraits, sie haben Individualität«
 

Der freiwillige Däne

Der expressionistische Maler Emil Nolde (geb. 1867 als Hans Emil Hansen in Nolde in Schleswig-Holstein - 1956 in Seebüll) wird zu den großen Aquarellisten in der Kunst des 20. Jahrhunderts gezählt und seine Werke werden von starken Farben geprägt. Seine Familie lebte in einfachen, bäuerlichen Verhältnissen. Bis 1920 gehörte sein Geburtsort zu Preußen, dh. dem Deutschen Reich, wurde daraufhin aber nach einer Volksabstimmung dänisch. Emil Nolde behilt zeitlebens die dänische Staatsbürgerschaft, obwohl er sich als Teil der deutschen Minderheit in Nordschleswig verstand.

Emil Nolde, Segelboote am Ruttebüller Tief (Lot 24), Aquarell und Tuschpinsel. 1909 in Ruttebüll enstanden.  Von Alsen aus hatte sich Nolde für einige Zeit in Ruttebüll in Schleswig eingemietet mit Blick zum Ruttebüller See hin, den er auch selbst mit einem Segelboot befuhr. In seinen Erinnerungen »Jahre der Kämpfe« schreibt er darüber: »Es lag in unserem Fahrgraben das flache schwarzgeteerte Heuboot mit seinem rotbraunen Segel. […] Der kleine See war mir unendlich lieb: sein Schilf, seine Binsen, seine Fische, seine Enten und Kraien und die Taucher. Und ich liebte die Heuboote, in den Fahrgräben liegend und die hochgestapelten Bloosdiemen nebenzu, und die zum Trocknen hingestellten Reusen, angebunden an ihren langen Stangen. Ich schaute längs der Feldwege und zeichnete die Milchmädchen mit vollen Eimern, die Hecktore, die Wolken, die Sonne und das Wasser, darinnen alles sich spiegelte«. Emil Nolde, Segelboote am Ruttebüller Tief (Lot 24), Aquarell und Tuschpinsel. 1909 in Ruttebüll enstanden. Schätzpreis: 60 000 EUR
Von Alsen aus hatte sich Nolde für einige Zeit in Ruttebüll in Schleswig eingemietet mit Blick zum Ruttebüller See hin, den er auch selbst mit einem Segelboot befuhr. In seinen Erinnerungen »Jahre der Kämpfe« schreibt er darüber: »Es lag in unserem Fahrgraben das flache schwarzgeteerte Heuboot mit seinem rotbraunen Segel. […] Der kleine See war mir unendlich lieb: sein Schilf, seine Binsen, seine Fische, seine Enten und Kraien und die Taucher. Und ich liebte die Heuboote, in den Fahrgräben liegend und die hochgestapelten Bloosdiemen nebenzu, und die zum Trocknen hingestellten Reusen, angebunden an ihren langen Stangen. Ich schaute längs der Feldwege und zeichnete die Milchmädchen mit vollen Eimern, die Hecktore, die Wolken, die Sonne und das Wasser, darinnen alles sich spiegelte«.
 

Radierungen und Holzschnitte

nolde 5 Emil Nolde, Märchen (Lot 28), 10 Holzschnitte und Titelholzschnitt. 1906, Schätzpreis: 40 000 EUR
 

nolde 1 b v.l.n.r. Emil Nolde, Joseph und seine Brüder I (Lot 329), Radierung. 1910, Schätzpreis: 1800 EUR, sowie: Emil Nolde, Polin (Lot 326), Kaltnadelradierung. 1906, Schätzpreis: 3000 EUR, sowie: Emil Nolde, Junge Frau (Lot 325), Radierung, 1906, Schätzpreis: 4000 EUR
 

Nachdem er zunächst an der Kunstgewerbeschule Flensburg lernte und dort an der Restaurierung eines Brüggeman-Altars beteiligt war, arbeitete er in diversen Möbelfabriken in München, Karlsruhe und Berlin und war von 1892-1898 als Lehrer für gewerbliches und ornamentales Entwurfszeichnen am Gewerbemuseum in St. Gallen tätig. In München wurde er von der Akademie abgelehnt, studierte dann aber Malerei bei Adolf Hölzel in Dachau. Ab 1902 mit der dänischen Schauspielerin Ada Vilstrup verheiratet, wohnte das Paar zwischen Alsen und Berlin.

nolde 1 c v.l.n.r. Emil Nolde, Ringelrosenkranz (Lot 328), Radierung, 1908, Schätzpreis: 8000 EUR, sowie: Emil Nolde, Junges Mädchen I (Lot 27), Holzschnitt. 1912. Von Ada Nolde betitelt mit „Junges Mädchen I“, Schätzpreis: 12 000 EUR /// Nachdem Nolde 1906, nach ersten tastenden Versuchen, in einem Schaffensrausch 33 Holzschnitte, darunter 20 Bildnisköpfe, geschaffen hatte, widmete er sich zunächst mehr der Radierung u. der Lithographie, um dann 1912 mit einer Reihe höchst eindruckvoller Bildnisköpfe wieder zum Holzschnitt zurückzukehren.

 

In den Jahren zwischen 1903 und 1912 nahm er an fünf Ausstellungen teil und war 1906-1907 Mitglied der Künstlergruppe Brücke, in der er auch Edvard Munch in Berlin begegnete. Trotz der kurzen Periode seiner Mitgliedschaft beeinflusste er die Gruppe mit den Radierungen, die er machte und Kontakten zur Hamburger Kunstszene. 1909 wurde er Mitglied der Berliner Secession, gehörte aber 1910 zusammen mit Georg Tappert und Max Pechstein zur Splittergruppe Neue Secession. 1913-1914 unternahm er mit dem Reichskolonialamt eine Expedition in die Südsee und zog 1916 in das kleine Bauernhaus Utenwarf nahe der deutsch-dänischen Grenze. Erst als das Land zunehmend erschlossen wurde zog das Paar auf die deutsche Seite der Grenze, wo die Landschaft den Künstler an seinen Heimatort erinnerte und bewohnten ab 1926 eine Warft, der sie den Namen Seebüll gaben.

nolde 1 a v.l.n.r. Emil Nolde, Der Tod als Tänzerin (Lot 330), Radierung. 1918, Schätzpreis: 5000 EUR, sowie: Emil Nolde, Tischgesellschaft (Lot 327), Radierung, 1906, Schätzpreis 2500 EUR
 

Ambivalentes Schicksal

Obwohl Nolde antisemitische Tendenzen zur Zeit des Nationalsozialismus zeigte, ab 1934 diversen nationalsozialistischen Parteien angehörte und sich von jüdischen und französischen Künstlern distanzierte, fand sein künstlerisches Schaffen in Parteikreisen nicht nur positiven Anklang und wurde später als Entartete Kunst diffamiert. Werke wurden beschlagnahmt und ab 1941 wurde ihm sogar die Arbeit als Künstler untersagt. Von 1938 bis zu seinem Tod malte Nolde ca. 1300 „Ungemalte Bilder" in seinem Atelier. Es ist dieses ambivalente Schicksal Noldes, das nicht aufhört zu faszinieren, zu bewegen und zum anhaltenden Studium seiner Werke führt.

Nachkriegszeit und heute

1945 dienten einige der heimlich gemalten Aquarell-Blätter als Vorlage für Gemälde in Öl. Die Figur des Malers Max Ludwig Nansen in Sigfried Lenz' Roman Deutschstunde ist von Noldes Schicksal inspiriert, wobei eine Überwachung, wie im Roman beschrieben, nicht belegt ist. Nolde war nach dem Krieg 1955 Teil der documenta I (1955) und seine Werke wurden auch posthum auf der documenta II (1959) und III (1964) gezeigt. Im ehemaligen Wohn- und Atelierhaus des Malers ist heute das Nolde-Museum untergebracht.

In den letzten Jahren haben mehrere führende Museen sich dem Werk des Künstlers angenommen; darunter das Louisiana in Dänemark.

Louisiana Nolde 050714 33 Emil Nolde Ausstellung im Louisiana in Dänemark. Bild: louisiana.dk.

 

Zum Auktionshaus

Das Haus wurde 1927 als „Der Deutschen Buch-Club GmbH" gegründet und unter der Leitung Dr. Ernst Hauswedells 1930 in ein Antiquariat und Auktionshaus umgewandelt. Ernst Nolte kommt 1963 hinzu, wird 1969 Teilhaber und übernimmt das Auktionshaus 1978. Seit dem firmiert das Haus unter „Hauswedell & Nolte". In den 60er und 70er Jahren versteigert das Haus zunehmend neben antiquarischen Werken auch Werke alter und moderner Kunst und etabliert einen amerikanischen Kundenkreis, was in den 80er und 90er Jahren zu Dependancen in New York und Los Angeles führt. Seither erzielt das nun international agierende Haus in regelmäßigen Abständen Millionenergebnisse mit der Versteigerung von Raritäten.

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