1 hampel Giovanni Paolo Panini (1691 Piacenza – 1765 Rom), Odysseus zieht Achill aus dem Palast des Lykomedes, Öl auf Leinwand, 115,5 x 175 cm, 3 Expertisen vorhanden. Schätzpreis: 250 000 – 350 000 EUR.

 

Die geschilderte Episode aus der Ilias, in der Odysseus Achill im Palast des Lykomedes entdeckt, wurde nur sehr selten auf Gemälden des 17. Jahrhunderts dargestellt. Laut Expertise malte Panini dieses Werk wahrscheinlich zu Anfang seiner römischen Periode, ca. in den Jahren 1715 – 1718. Das Werk weist Parallelen zu Gemälden im Schloss Nelahozeves und in der Sammlung des Duke of Spencer in Northampton auf. Ein Kennzeichen für Paninis Frühwerk ist die Abbildung einer lebhaften Personengruppe mit schnellem, sicherem Duktus im vorderen Bildraum. Diese dynamische Komposition bildet ein Gegengewicht zur perspektivisch genau dargestellten klassischen Architektur und dem weiten Himmel im Hintergrund. Panini nahm das Thema einige Jahre später mit einer anderen Komposition wieder auf.

5 hampel Peter Paul Rubens (1577 Siegen – 1640 Antwerpen), Werkstatt, Die Göttin der Gesundheit nährt die heilige Schlange, Öl auf Leinwand, 102 x 80 cm. 1 Expertise vorhanden. Schätzpreis: 110 000 – 130 000 EUR


In der Rubens-Werkstatt unter der Aufsicht des Meisters entstanden, beeindruckt dieses Gemälde durch seine gekonnte Ausführung, die eng an der des Meisters liegt. Das Werk wird laut Expertise auf den Zeitraum 1614-1615 datiert. Zwei frühere eigenständige Ausführungen desselben Bildnisses von Rubens Hygiea können heute in Sammlungen von Rang bestaunt werden: Das frühere Gemälde befindet sich in der Náridni Galerie in Prag. Das zweite, etwas kleinere Gemälde befindet sich im Detroit Institute of Art. Das vorliegende Werk ähnelt in kleinen Details der erstgenannten Version. Auch hier handelt es sich bei der abgebildeten Szene um ein nur selten im 17. Jahrhundert gewähltes Sujet. Wahrscheinlich wurde die weibliche Person in den Werken Rubens aus diesem Grund in der ikonografischen Diskussion, mit Verweis auf die abgebildete Schlange, fälschlicherweise als Kleopatra gedeutet, während es sich eigentlich um die Göttin der Gesundheit handelt.

2 hampel Friedrich Nerly d. Ä. (1807 Erfurt - 1878 Venedig, eigentlich Friedrich Nehrlich), Piazza San Marco in Venedig im Mondlicht, Öl auf Leinwand, 81 x 111,5 cm, signiert, datiert 1871. Schätzpreis: 240 000 – 280 000 EUR

Friedrich Nerly war einer der Hauptmeister der deutschen Malerei der Romantik. Das Sujet "Platz bei Mondschein" muss es dem Künstler angetan haben, insgesamt 36 Mal setzte der Maler diese Idee, in seiner Zeit in Venedig um. Der Blick von der Piazza di San Marco hin zum Canal Grande - links sieht man den gotischen Dogenpalast und rechts die stehenden Säulen des Heiligen Markus sowie des Heiligen Georgs - zeigt im Gegenlicht verschattete Personen, die über den in Mondglanz getauchten Platz flanieren oder in Grüppchen beisammen stehen. Einzelne architektonische Elemente treten meisterhaft in der nächtlichen Naturbeleuchtung hervor, die eine der Hauptqualitäten in den Werken des Malers war und ihn weltberühmt machte.
Nerly wuchs in Hamburg auf und lernte frühzeitig in der lithographischen Werkstatt seines Onkels Heinrich Joachim Herterich. Er hatte Kontakt zur Familie von Johann Michael Speckter und Philipp Otto Runge, und machte über sie Bekanntschaft mit dem Maler Carl Friedrich von Rumohr, dessen Schüler er im Alter von 16 Jahren wurde. Zusammen mit Rumohr unternahm Nerly 1827 eine ausgedehnte Reise in den Harz, nach Weimar, Dresden, München, bis nach Italien, wobei er in Weimar sogar die Bekanntschaft mit Johann Wolfgang von Goethe machen durfte. In Rom lernte er Johann Christian Reinhart kennen, der starken künstlerischen Einfluss auf ihn hatte. 1835 reiste Nerly von Rom nach Venedig, wo er sich niederließ und eine Frau der venezianischen Gesellschaft heiratete. Die in dieser Zeit enstandenden Werke, vor allem seine Venedigansichten, zählen zu den brühmtesten des Künstlers.

10 hampel William James (tätig 1730 – 1780, zug.), Blick über den Canal Grande auf die Kirche Santa Maria della Salute, Öl auf Leinwand. 57,5 x 98 cm. Schätzpreis: 45 000 – 60 000 EUR.

Der Landschaftsmaler William James war wohl Schüler oder Gehilfe von Antonio Canal, genannt "Canaletto", und seine Ansichten von Ägypten und Venedig können in England entstanden sein. Heute sind seine Werke im Victoria und Albert Museum, im Kensington Palast sowie im Ashmolean Museum in Oxford zu finden. Seine Darstellungen von Venedig sind dunkler als die seines Meisters und architektonische Elemente werden in einer dramatischeren Beleuchtung hervorgehoben.

9 hampel

Francesco Guardi (1712 Venedig - 1793, zug.), Küsten-Capriccio mit Figuren, Öl auf Leinwand, 41 x 54 cm, Schätzpreis: 35 000 – 45 000 EUR

Francesco Guardi ist bekannt für seine Freilufansichten Venedigs, nach Gemälden oder Stichen anderer Künstler oder frei nach der Fantasie. Gleichzeitig malte er aber auch andere Genres, das einfache, alltägliche Leben in Venedig, Stillleben mit Blumen, Portraits, Landschaften und Capricci. In letzterem Genre nahm er, auf Grund seines großen Talentes, eine grundlegende Rolle in der Entwicklung des Genres im 18. Jahrhundert ein. In seiner charakteristischen Technik mit flottem, flüssigem Pinselduktus, umriss er in wenigen, markanten Strichen Profile, Silhouetten und Landschaftshintergründe. Eine ähnliche Thematik lässt sich auch in anderen Capricci wiederfinden, die Guardi in den 1760er und 1780er Jahren ausführte.

6 hampel Thomas Wijck (1616 Beverwijk – 1677 Haarlem), Holländisches Interieur mit Mutter und drei Kindern, Öl auf Holz, 44,7 x 39 cm, signiert, Schätzpreis: 90 000 – 120 000 EUR.

Die Szene zeigt eine Mutter mit drei Kindern im Halbdunkel des Wohnraums. Die stillebenhaft abgestellten Gefäße und eine offene Feuerstelle korrespondieren in ihrer Allgemeingültigkeit mit den charakteristischen Beschäftigungen der Figuren, deren Bewegungen lebensnah eingefangen wurden. Der halb verschattete Innenraum ist durch zahlreiche Utensilien wie Küchengerät, Wandbilder, Tellerbord und Kleinmobiliar wie Truhe und Stuhl bereichtert, wobei die Farbakzente in der Kleidung die Figuren und ihre Tätigkeiten hervorheben.

4 hampel Pieter Brueghel d. J., (1564 Brüssel – 1638 Antwerpen), Gänsehierte und Bäuerin, Öl auf Holz, 29, 6 x 41 cm. 1 Expertise vorhanden. Schätzpreis: 150 000 – 180 000 EUR

Laut Expertise wohl nach 1616 in Antwerpen entstanden, sehen wir in diesem Werk die beiden im Bildthema genannten Personen sich im Vordergrund gegenüber stehen. Sie sind in ein Gespräch vertieft, was auf eine literarische Hintergrundgeschichte deuten kann. Der Blick des Hirten ist der Magd zugewandt, die in gebückter Haltung vor einem Holzzuber dabei ist Zinnteller zu reinigen. Zwischen den beiden ist der kräftige Stamm einer jungen Eiche zusehen, dahinter im Bildwinkel ein bäuerliches Gehöft. Rechts seitlich, als Repoussoir zwei weitere, hier jedoch leicht in Biegung wiedergegebene Baumstämme mit Lichterkrone. Die einzelnen Gegenstände im Bild, die junge, kräftige Eiche, die Kleidung und die Gesichter der Personen, korrespondieren mit den Farben des Hauses und der umgebenden Natur.

3 hampel Der Meister "Tommaso" (aktiv in Florenz ca. 1480 - 1520), Madonna mit Kind, Johannesknaben und Erzengel Gabriel, Öl auf Holz, Durchmesser: 90 cm. Schätzpreis: 170 000 – 200 000 EUR

Es ist nicht eindeutig geklärt, welcher bürgerliche Name sich hinter dem Kürzel Tommaso versteckt. So gut wie sicher ist, dass er in der Werkstatt Botticellis gerlernt haben soll und auf Tondos spezialisiert war, in deren Stil und Kompositionsschema sich die Einflüsse des Meisters spiegeln. Bernard Berenson identifizierte in der Person Tommaso den Maler Giovanni di Benedetto Cianfanini (1462 - 1542) jedoch ohne gesicherte Werke. Er ist als Schüler von Botticelli 1480 und später von Fra Bartolommeo dokumentiert und scheint zudem 1523 ein Mitarbeiter Lorenzo di Credis gewesen zu sein. Das vorliegende Madonnenthema umgeben von weiter Landschaft - in Anlehnung an die klassische Ikonografie einer "Madonna dell'Umilità" mit der Heiligen Jungfrau sitzend und das segnende Jesuskind auf ihrem Schoß haltend - ist typisch für die Werke Tommasos.

7 hampel Jan Brueghel d. Ä. (1568 Brüssel – 1625 Antwerpen), Waldstraße mit Planwagen und Schweineherde, um 1610, Öl auf Holz, Durchmesser: 19,4 cm. Schätzpreis: 80 000 – 120 000 EUR

Brueghel hat in geschickter Weise eine Einheit aus erzählerischen Elementen und kompositioneller Anordnung geschaffen. Der steinige Weg, auf dem die Pferdekarren ziehen, wird in einer Biegung aus leicht erhöhter Perspektive wiedergegeben, was zur runden Form des Bildes passt. Darüber hinaus ist die gesamte Bilddarstellung insgesamt nach dem Prinzip eines Rades aufgebaut, wobei die kompositorischen Diagonalen und Linien einem strahlenartigen, radialen Prinzip mit einzelnen Segmenten folgen, während die am Bildrand befindlichen Elemente der Rundung des Bildrandes folgen. Die graphische Komposition erhält im unteren Teil des Bildes, in den Rottönen der Kleidungsstücke eine achsiale, farbkompositionelle Abstimmung, die gleichzeitig ein Gegengewicht zum Horizont bildet. Zudem verstärkt die weiter hinten in derselben Bildachse wie die Pferdekarren stehende Eichenbaumgruppe die Wirkung der vordergründigen Komposition. Das Gemälde ist insgesamt fein malerisch ausgeführt, auch in der gekonnten Zittrigkeit der Laubbehandlung, was ein Merkmal des Malstiles des Künstlers ist.

8 hampel Meister des 17. Jahrhunderts, Blumenstilleben mit Heuschrecke und Schmetterling, Öl auf Eichenholz, Verso Parkettierklötzchen in zwei Reihen. 41 x 31 cm, Schätzpreis: 60 000 – 80 000 EUR

In der abgebildeten, rundbogigen, halbverschatteten und etwas rissigen Steinnische steht ein streng gebundener Strauß in einer kelchförmigen Glasvase. Die Blumenstile sind, trotz dargestellter Lichtflecken und Wassertropfen, ohne Verzerrung durch die durchsichtige und dünnwandige Vase zu erkennen. Im ausgewogen aufgebauten Gesteck aus einzelnen Blumen dominiert eine goldgelb-rot gefiederte Tulpenblüte, während die Ränder des Straußes von geschlossenen Heiderosenknospen gesäumt sind. Diese idealistische Komposition, wohl nach dem Vorbild einzelner Naturstudien, knüpft an die aus dem Mittelalter herrührende Ikonografie zur symbolischen Bedeutung von Blumen und Tieren an: Eine Schwertlilie war zum Beispiel das Symbol der Dreifaltigkeit und die Rose das Sinnbild göttlicher Liebe. Der auf einem Vergissmeinnicht sitzende Schmetterling steht für die Auferstehung Christi und damit das ewige Leben nach dem Tode. Eine ähnliche Bedeutung wird auch der großen Heuschrecke links am Nischenrand zugedacht. Die Malweise gibt einen Hinweis darauf, dass der Maler wohl bei Balthasar van der Ast , Bosschaert dem Alten und Savery in die Lehre ging, was auch in der Darstellung der Heuschrecke zum Ausdruck kommt.

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