Vor über 100 Jahren begannen Porzellanmanufakturen vermehrt lebensnahe Tierfiguren in ihr Repertoire aufzunehmen. Zwar wurden auch bereits zuvor Tiere aus dem weißen Gold nachgeformt und bemalt, doch war die Darstellung meist eher verspielt und unrealistisch, was zum einen dem Zeitgeschmack und zum anderen der Unkenntnis über das Aussehen der Tiere geschuldet war - vor allem bei den exotischen Exemplaren, denn natürlich bekam kaum ein Modelleur jemals einen Elefanten oder Affen in natura zu sehen.

Durch die Entwicklungen des 19. Jahrhunderts in der Forschung sowie der Gründung öffentlicher zoologischer Gärten in den Großstädten, änderte sich diese Situation. Künstler hatten nun die Möglichkeit, die Tiere und ihre Anatomie genau zu studieren und in ihren Werken umzusetzen.

Die realistischen Tierfiguren wurden bei den Kunden so beliebt, dass die Manufakturen oftmals eigene Abteilungen mit spezialisierten Mitarbeitern gründeten. Viele dieser Modelleure waren daneben als Bildhauer tätig oder hatten eine dementsprechende Ausbildung genossen, darunter Theodor Kärner (1884-1966) oder Wilhelm Krieger (1877-1945).

Theodor Kärner, der Modelle für Rosenthal, Nymphenburg und Allach entwarf, und Hermann Geibel (1886-1972) hatten die gezeichnete Darstellung der Fauna zuvor beim Münchener Tiermaler Heinrich von Zügel erlernt. Auch dessen Sohn Willy Zügel (1876-1950) arbeitete als Tierbildhauer und fertigte Modelle für verschiedene Porzellanmanufakturen an.

Ein weiterer Meister seines Faches war Fritz Heidenreich (1895-1966), der 41 Jahre lang für die Manufaktur Rosenthal arbeitete. Sein Spezialgebiet war die Darstellung von Tieren des Waldes und Vögeln, wie der Specht, den Sie oben sehen. Aber auch auf exotischem Gebiet konnte er Erfolge feiern. So wurde 1937 seine Fischgruppe Scalare auf der Pariser Weltausstellung mit dem Grand Prix ausgezeichnet (siehe unten).

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Die Sommerauktion im Hause Rütten findet am 22. Juli um 13 Uhr in München statt. Insgesamt werden über 300 Objekte versteigert. Die Kategorien "Porzellan" und "Gemälde" machen mit jeweils knapp 100 Losen den größten Teil der Versteigerung aus. Die Vorbesichtigung zur Auktion kann vom 17. bis 20. Juli besucht werden.

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