Landschaften: Nord- vs. Südeuropa

Einen Großteil des Oeuvres von Gillis Neyts machen ländliche Ansichten seiner flämischen Heimat aus. In seiner Farbgebung folgt er ganz dem Stil seiner Zeit und Umgebung, dennoch finden sich immer wieder italisierende Andeutungen in seinen Bildern. Es ist jedoch umwahrscheinlich, dass Neyts tatsächlich jemals in Italien gewesen ist. Neyts wurde in der Liebfrauenkathedrale in Antwerpen bestattet, auf die wir gleich noch einmal zurückkommen werden.

Zweihundert Jahre nach Neyts fing auch Consalvo Carelli die Landschaft seiner Heimat ein. In diesem Fall war es jedoch das ländliche Italien, das auf Leinwand oder Holz gebannt wurde. Carelli, der einige Zeit in Paris lebte, hatte viele Förderer in der französischen, englischen und russischen Aristokratie, die im 19. Jahrhundert die Wintermonate am Golf von Neapel verbrachten.

Liebfrauenkathedrale vs. Petersdom

Oben sehen wir eine Ansicht der flämischen Stadt Antwerpen aus dem 17. Jahrhundert. Zugeschrieben wird sie Frans de Momper, der aus einer bekannten Familie von Landschaftsmalern stammte, die zunächst in Brügge und schließlich in Antwerpen ansässig war. Im Zentrum des Gemäldes ist die Liebfrauenkathedrale, die vom 14. bis 16. Jahrhundert im gotischen Stil errichtet worden war und heute auf der Liste der Weltkulturdenkmäler der UNESCO geführt wird.

Ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt natürlich der Petersdom in Rom. Der in Hannover geborene Landschaftsmaler August Wilhelm Ahlborn malte den bedeutenden Kirchenbau mit der imposanten Kuppel von der Terrasse der Villa Pamphili aus, die etwa eineinhalb Kilometer südlich vom Vatikan gelegen ist. Ahlborn verachte die letzten 30 Jahre seines Lebens und Wirkens in Italien.

Fjorde vs. Alpen

Hohe Berge und klare Gewässer haben die Fjordlandschaft Norwegens und die Alpen gemeinsam. Beide so pittoreske Landschaften dienten immer wieder Malern als Motiv. Der norwegische Spätromantiker Anders Monsen Askevold, ein Schüler der Düsseldorfer Malerschule, verband in seinen Werken verschiedene Sujets miteinander, indem er die Landschaften seiner norwegischen Heimat mit Tieren und Szenen des bäuerlichen Lebens bevölkerte.

Der Spätimpressionist Otto Pippel ist vor allem für seine Darstellungen des eleganten Münchner Gesellschaftslebens zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekannt geworden. Genauso malte er aber auch Stadtansichten und Landschaften. Mit Heuernte am Tegernsee hat er ein spätsommerliches Idyll des Alpenvorlandes eingefangen.

Schöpfungsgeschichte vs. Sintflut

Die dem österreichischen Renaissancemaler Hans Bocksberger zugeschriebene "Erschaffung der Welt" gibt verschiedene Stationen der Genesis wieder. Im Zentrum einer weiten Landschaft ist auf figürliche Weise Gott dargestellt, der von paarweise auftretenden Tieren umgeben ist. Ebenfalls zu erkennen ist die Erschaffung von Adam und Eva sowie der Sündenfall im Hintergrund. Am Himmel schweben Engel und eine Taube, die den Heiligen Geist symbolisiert. Aus eine dunklen Wolke stürzt aber auch das Böse zur Erde.

Jenem Umstand und dem daraus resultierenden Sündenfall ist es zu verdanken, dass Gott einige Zeit später nichts anderes übrig blieb, als die von der Sünde befallenen Menschen mit Hilfe einer Sintflut von der Erdoberfläche wieder verschwinden zu lassen. Ein Utrechter Meister hat die nackten Sünder, die auf die Fluten warten, in einer düsteren Stimmung eingefangen. Im Hintergrund sieht man die Arche sowie weitere dem Tode Geweihte im Wasser oder am immer weiter zurückgedrängten Ufer.

Rinderherden: Bayern vs. Ostafrika

Mit Joseph Wenglein und Wilhelm Kuhnert haben wir zwei Maler des 19. Jahrhunderts vor uns, die die Liebe zur Natur verbindet, die aber sonst sehr unterschiedlich waren. Wenglein, der in München Jura und Malerei studierte bleib Zeit seines Lebens seiner bayerischen Heimat verbunden. Sein Sujet waren Landschaften rund um München und der Voralpen.

Ganz anders Wilhelm Kuhnert. Der in Berlin ausgebildete Tiermaler liebte es, seine Motive in freier Wildbahn aufzusuchen und zu malen. Seine ausgedehnten Reisen führten ihn nach Ägypten, Indien und Ostafrika. Dort dürfte auch das vorliegende Werk mit einer Karawane Watussirindern entstanden sein. Sein liebstes Motiv waren allerdings Löwen.

Damenportraits: 17. Jahrhundert vs. 19. Jahrhundert

Die Unterschiede in der Frauendarstellung von Jan Roos und Alfred Stevens mag nicht nur den unterschiedliche  Epochen, in denen sie entstanden, zu schulden sein, sondern auch dem unterschiedlichen Hintergrund der beiden Maler. Der in Antwerpen geborene Jan Roos erhielt eine Ausbildung zum Stilllebenmaler. Nachdem er sich in Genua niedergelassen hatte, ließ sich aber auch die dortige Aristokratie von ihm portraitieren.

Alfred Stevens hingegen betätigte sich hauptsächlich mit Historien- und Genremalerei, zwei Sujets, die von der Handlung leben. Besonders bekannt wurde er für seine eleganten Szenen aus Pariser Boudoirs und Ateliers.

Alle vorgestellten Gemälde werden am 20. September im Kölner Auktionshaus Lempertz versteigert. Die Auktion mit Gemälden des 15. bis 19. Jahrhunderts beginnt um 14.30 Uhr. Eine Auktion mit antiquarischen Büchern sowie alter und moderner Grafik veranstaltet Lempertz am 22. und 23. September.

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