Skulpturen

Angeführt wird der Reigen der Gratulanten von einer Statue des italienischen Bildhauers Antonio Frilli. Dargestellt ist der griechisch-römische Gott der Künste, der Weissagung und der Heilkunst Apollon als Spieler der Laute (Kithara). Dieser seit der Antike bekannte Typus der Apollon-Darstellung wird auch als Apollo Musagetes (Anführer der Musen) bezeichnet. Antonio Frilli, der ab 1878 in seinem eigenen Atelier in Florenz arbeitete, orientierte sich wie viele andere Bildhauer des 19. Jahrhunderts, die in Italien arbeiteten, an den römischen Skulpturen der Antike. Als Material verwendete Frilli den begehrten Marmor aus Carrara, das etwa 130 Kilometer nordwestlich von Florenz gelegen ist.

Weitere bedeutende Skulpturen der Jubiläumsauktion stammen aus dem Mittelalter und dem frühen 20. Jahrhundert. Eine aus Lindenholz geschnitzte, farbig gefasste und teilvergoldete Madonna mit dem Christuskind wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Süddeutschland oder Österreich angefertigt. Dieser Typus der "Schönen Madonna" war zu jener Zeit im deutschsprachigen Raum weit verbreitet. Wie die Madonna in ein bodenlanges Gewand gehüllt ist auch die Bronzeskulptur Der Einsame von Ernst Barlach, ein Motiv, das wiederholt in Barlachs Oeuvre auftaucht. Das vorliegende Beispiel gehört zu 15 posthum gefertigten Exemplaren, die nach einem Gipsmodell von 1911 entstanden.

Malerei

Das Portrait des William Neyman wurde früher Joshua Reynolds zugeschrieben. Heute gilt jedoch Thomas Lawrence als Urheber. Oder zumindest teilweise. So soll der Portraitierte vom Meister selbst gemalt worden sein, während der Hintergrund von anderer Hand stammt. Dieses Verfahren war durchaus üblich. Oft wurden die weniger wichtigen Elemente eines Gemäldes den Schülern und Mitarbeitern eines Malers überlassen.

Ob Johann Heinrich Tischbein bei seinem Portrait der Landgräfin Philippine von Hessen-Kassel, der Lieblingsnichte Friedrichs des Großen, ebenso vorging, ist nicht bekannt. Das Portrait Philippines in prunkvollem Hofgewandt entstand vermutlich anlässlich ihrer Vermählung mit Friedrich II. von Hessen-Kassel 1773. Johann Heinrich Tischbein, der in Italien und Paris ausgebildet worden war, lernte Philippines Schwiegervater, den Landgrafen Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel in den 1750er Jahren kennen und wurde von diesem zum Hofmaler ernannt.

Mit dem Genrebild Erntedankfest von Carl Ludwig Wilhelm Tischbein haben wir eine Arbeit eines weiteren Mitgliedes der Malerdynastie Tischbein vor uns. Carl Ludwig Wilhelm Tischbein war ebenfalls als Hofmaler tätig, allerdings am fürstlichen Hof in Bückeburg. An jener Wirkungsstätte entstand auch sein Werk Erntedankfest. Das Thema wird hier doppeldeutig behandelt: Ein Steuereintreiber stört die Erntefeierlichkeiten einer bäuerlichen Gesellschaft, um den Zehnten einzufordern.

Mit einem Strauß aus Feuerlilien und Glockenblumen gratuliert Emil Nolde den Hargesheimer Kunstauktionen zum 10-jährigen Bestehen. Blumen waren ein geschätztes Motiv des Expressionisten Nolde. Inspiration fand er im aufwändig angelegten Garten seines Hauses in Seebüll, das er ab 1927 bewohnte. Es waren jedoch nicht nur die intensiven Farben der Blumen, die Nolde faszinierten, sondern auch ihr unausweichliches Schicksal des Wachsens, Blühens und Vergehens.

Kunsthandwerk

Auf bedeutende Arbeiten aus Bronze, Silber und Porzellan dürfen wir uns im Bereich des Kunsthandwerkes freuen. In der Epoche und im Stil des Empire fertigte Pierre-Philippe Thomire um 1815 ein Paar feuervergoldeter Deckelkratere an. Wie auch Antonio Frilli bei seiner Staue des Apollon, bediente sich auch Thomire antiker Vorbilder. Kratere waren im antiken Griechenland große Gefäße aus Bronze oder Ton, die bei Festlichkeiten zum Mischen von Wein und Wasser verwendet wurden.

Unter anderem mit Bronzewaren handelte die Iserlohner Firma Möllmann. Zum 50-jährigen Firmenjubiläum bekam Gründer Carl Möllmann (1832-1902) diesen bedeutenden Schreibtischaufsatz geschenkt. Das aus teilvergoldetem Silber gefertigte und mit Elementen aus Granit und Emaille ergänzte Werk ist eine Arbeit des Kölner Silberschmieds Gabriel Joseph Heinrich Hermeling. Hermeling erhielt viele wichtige Aufträge, darunter die Fertigung liturgischer Geräte für diverse deutsche Kirchen sowie einen goldenen Lorbeerkranz, der ein Geschenk für Kaiser Wilhelm I. war.

So blumig wie Emil Noldes Aquarell: In der Kategorie Porzellan kommt ein 40-teiliges Kaffee- und Moccaservice aus einer der teuersten und exklusivsten Porzellanserien überhaupt zum Aufruf. Das Service "Flora Danica" war ursprünglich als Geschenk des dänischen Königs an die russische Zarin Katharina die Große bestimmt gewesen. Da diese 1796 vor der Fertigstellung verstarb, blieb das Service in Dänemark. Reproduktionen wurden zu einem Klassiker unter den Porzellanservicen und werden auch heute noch hergestellt.

Die Jubiläumsauktion der Hargesheimer Kunstauktionen findet am 23. September ab 19.30 Uhr in Düsseldorf statt. Eine weitere Auktion mit Gemälden, Zeichnungen, Grafik, Skulpturen, Asiatika, Teppichen und hochinteressanten Spazierstöcken veranstaltet das Auktionshaus vom 21. bis 23. September. Die Vorbesichtigungen zu allen Auktionen können vom 13. bis 19. September besucht werden.

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