pontus blogg 1 Jockum Nordström, „Allen Ginsberg und Charles Bukowski"

Vor ein paar Tagen saß ich bei einem Abendessen mit einem amerikanischen Kunstsammler. Er interessierte sich vor allem für die zeitgenössische Kunstszene und kannte auch mehrere schwedische Künstler. Über Barnebys war er auf den Künstler Jockum Nordström gestoßen, dessen Arbeiten er besonders hoch einschätzte. Wir sprachen darüber, wie Nordström mit Illustrationen in Zeitungen, Büchern und anderen Medien angefangen hatte. Die Illustration als Bildsprache, als eine Art und Weise sich ausdrücken zu können, die plötzlich auf andere Weise aktuell war vor dem Hintergrund der grauenhaften Hinrichtungen von Menschen, die den künstlerischen Ausdruck benutzen, um ihre Geschichte und ihre Ansichten auszudrücken.

Wie oft hat nicht schon die Kunst Grund zu Konflikten, Erniedrigungen, Verfolgungen gegeben, die auch einen tödlichen Ausgang zur Folge haben konnten? Sowohl für Galeristen, Kunsthändler als auch für die Eigentümer der Werke und allen voran die Künstler. Pablo Picasso, Ai WeiWei, Egon Schiele, Carl Larsson, Hans Vilks, eine unendliche Anzahl von Graffiti- und Straßenkünstlern, homosexuelle Künstler sowie unzählige weibliche Künstler, die in gewissen Teilen dieser Welt heute wie damals an ihrer künstlerischen Tätigkeit gehindert werden, sind nur einige, die gelitten haben oder heute noch leiden.

Ai Weiwei Ai Weiwei

Es reicht zu sehen, wie provoziert eine große Menge von Menschen vom Kubismus, Expressionismus und den Modernisten waren; ihrer Zeit bahnbrechende Richtungen und künstlerische Gruppierungen. Auch heute gibt es reichlich Beispiele von Künstlern, deren Arbeit zunächst für Skandale sorgt und kurze Zeit später, dank aktiver Debatten in der Gesellschaft, von vielen für gut befunden werden.

Egon Schiele: Lesbisches Liebespaar (1914) Egon Schiele: Lesbisches Liebespaar (1914)

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde Schieles Kunst als "entartet" bezeichnet, wie alle anderen Werke des Expressionismus. Künstlern und Kunstschulen wurde schnell die Ausübung ihrer Tätigkeiten verboten, sogar Museen wurden dafür bestraft sog. „widerwärtige" Kunst angekauft zu haben. Nur für die Ausstellung „Entartete Kunst" wurden 650 verbotene Kunstwerke von 32 unterschiedlichen Museen noch einmal gezeigt - mit dem Ziel die Gesellschaft über deren schlechten, provozierenden, gar schädlichen Charakter „aufzuklären".

Kunst soll provozieren, Meinungen und Debatten mit anderen, aber noch wichtiger mit einem selbst, entfachen. Andernfalls ist Kunst recht uninteressant. Viele Dimensionen und unterschiedliche Auffassungen von Motiven, Ausdrücken und Techniken werden oft erst mit der Intellektualisierung von Kunstwerken selbstverständlich und so viel bedeutender als unsere eigenen Gedanken und Vorstellungen. Erst dann verwandelt sich das Werk vom Sinneseindruck zum Kunstwerk.

Sich ausdrücken zu können ist in Europa ein Recht, und eine Pflicht. In manchen Fällen braucht es dafür Mut und in manchen Fällen provoziert es. Wie der amerikanische Kunstsammler während des Abendessens sagte: „Ein Künstler ist mutig, unglaublich mutig. Wenn ich als Betrachter oder Käufer vor einem Kunstwerk stehe und die Eindrücke aufnehme und es beurteile, verwende ich darauf ein paar Minuten, wenn überhaupt. Der Künstler hingegen verwendet ein ganzes Leben darauf etwas zu erschaffen und etwas auszudrücken und genau das habe ich vor mir. Dafür braucht man Mut."

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