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Imponierendes Wachstum
Die zwei führenden Auktionshäuser der Welt erhöhten ihren Umsatz mit 18% (Sotheby's) und 17% (Christie's) im Jahr 2014 und verzeichneten einen Preisrekord nach dem anderen. Im Bereich der Nachkriegskunst und zeitgenössischen Kunst wuchs der Anteil um satte 34% im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig haben die leitenden Direktoren beider Häuser, mehr oder weniger freiwillig ihre Posten verlassen, und der Druck auf die Leitung mehr Geld zu verdienen und Erträge zu steigern wächst.

Die Erfolge lassen sich zu einem Großteil auf die größere Präsenz im Netz zurückführen. International ist man spät dran gewesen, sich dem Online-Verhalten der Umwelt anzupassen. Skandinavische Häuser lagen da weit vorne. Als man sich endlich dem globalen Markt widmete, war die Entwicklung geradezu dramatisch.

Sotheby's konnte 2014 einen Käuferzuwachs von an die 25% und 20% neue Online-Bieter verzeichnen. Gleichzeitig zeigt die britische Branchenorganisation IMRG, dass Großbritannien im vergangenen Jahr einen historischen Meilenstein erreichte, als der Online-Handel mit 14% anstieg und zum ersten Mal einen Umsatz von 100 Mrd. Pfund erreichte. Der Online-Handel steht für 24% des gesamten Einzelhandels im Land, was ein starker Indiz für ein deutliches Verhaltensmuster bei sowohl Konsumenten als auch Unternehmen ist.

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Das wichtigste Schaufenster
In Anbetracht der Tatsache, dass jeder vierte Pfund im world wide web ausgegeben wird, ist es nun für die meisten Unternehmen undenkbar kein Schaufenster im Netz zu besitzen. Die Läden auf der New Bond Street sind hochmotiviert das Netz zumindest zum Zweck der Markenbildung zu nutzen. Andere Akteure der Auktionsbranche konzentrieren sich ausschließlich auf ihre Webpräsenz. In Schweden wurde gemessen, dass 8 von 10 im Alter von 16-25 Jahren ihre Käufe, egal um was es sich handelt, im Netz beginnen. Den Menschen in ihrer Suche und ihrem Kaufverhalten zu begegnen als auch ein wohlfunktionierendes Schaufenster zu besitzen ist so entscheidend geworden, dass man nicht mehr „ob" sondern nur noch „wann" fragen kann.

Rekordjahr trotz falschbeurteiltem Markt
Obwohl 2014 ein Rekordjahr war, gibt es weiterhin große Wachstumsmöglichkeiten in einem der am wenigsten entwickelten und konservativsten Branchen. Barnebys stellt fest, dass der Markt für Kunst, Design, Antiquitäten und Sammlergegenstände wie Wein, Veteranautos und Uhren aus zweiter Hand stark unterschätzt wird. Die Branche wird üblicherweise auf 50 Mrd. Euro geschätzt.

Diese Zahl erscheint sehr niedrig berechnet. Barnebys kann nun vollkommen neue, sensationeller Zahlen für diese Branche präsentieren. Allein das Angebot der 510 Auktionshäuser, die im Januar diesen Jahres an Barnebys angeschlossen waren, birgt einen Gesamtwert von 10 Mrd. Euro, was einen Ansatz für Hochrechnungen bietet, wie viel der gesamte Markt eigentlich wert ist. Und das bevor die Auktionssaison überhaupt richtig in Gang gekommen ist.
Das Problem ist, dass die Zahlen in den meisten Berichten der Auktionsbranche seit vielen Jahren nur Fine Art, das heißt das höhere Segment der Qualitätsgegenstände und Kunst berücksichtigen, da Information zu den anderen Bereichen fehlen.

Der Trend hält an
Im letzten Jahr konnte man von vielen neuen Rekorden lesen. Im Bereich Schmuck konnte Sotheby's für 2014 die höchsten Zahlen aller Zeiten für Schmuckauktionen verkünden. Und das zum dritten Jahr in Folge. Insgesamt wurden 3900 Schmuckstücke im Jahr 2014 für 603 Mio. Dollar versteigert, was man mit etwas mehr als 533 Mio. Euro übersetzen kann. Ein Rekord in der Geschichte des Auktionshauses. Knapp ein Viertel der Verkäufe wurden im Internet entschieden, als 77 Juwelen mehr als 1 Mio. Dollar erzielten. Eine weitere Kategorie, die alle bisherigen Rekorde geschlagen zu haben scheint, ist die der Uhren. Barnebys kann das gesteigerte Interesse an Uhren bezeugen, es handelt sich um eine der meistgesuchten und –besuchten Kategorien auf all unseren Seiten. Allen voran sind Armbanduhren aller Art beliebt, besonders von Rolex, Omega und Patek Philippe.

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2015 legt vor
Sotheby's eröffnet das Jahr mit einem Contemporary Sales, von dem man sagt es sei der stärkste aller Zeiten. Zu den Top-Objekten gehören ein Selbstportrait von Francis Bacon, ein abstraktes Gemälde von Gerhard Richter und das berühmte Fontanawerk Concetto Spaziale, Attese, dass aus der großartigen Sammlung der Schweden Anna-Stina Malmborg-Höglund und Gunnar Höglund stammt. Auf diesen Sale werden weitere bei Christie's, Phillips und Bonhams folgen.

Russische Kälte, Indische Wärme
Die Frage ist nun, ob es für den Markt möglich ist, sich weiterhin auf diesem Niveau zu halten. Trotz vorsichtiger Schritte wegen einer möglichen Abkühlung, blicken viele doch sehr optimistisch in die Zukunft und sehen vor allem Chancen in einer erhöhten Präsenz in neuen Märkten in Indien, im nahen Osten und Nordafrika. Der starke Dollar der USa, eine allgemein bessere Finanzsitution, eine erhöhte Nachfrage an Luxusartikeln wie Kunst, Design und Antiquitäten, als auch die Rolle der USA als Zahnrad im Weltmarkt für Auktionen werden als Faktoren gesehen, die das Jahresresultat stark beeinflussen werden.

In China wächst die Ober- und Mittelschicht, dennoch möchten viele die Entwicklung abwarten. Vielleicht begrenzen ein starker Dollar und strikte Gesetze die Einnahmen aus der Superwirtschaftsmacht. Auch die unruhige Situation in Russland und Umgebung beeinflusst direkt wie russische Auktionen ausgehen werden. Mein Gefühl sagt mir, dass wir trotz starker russischer und ukrainischer Käufer, die außerhalb der Landesgrenzen leben, eine ziemlich starke Achterbahnfahrt hinlegen werden. Es wird eher eine Frage eines veränderten Fokus, als einer anderen finanziellen Lage sein.

Wir werden bald sehen, wohin die Reise geht, ob die extreme Kurve weiter nach oben steigt, oder ob die Investoren vom Spielfeld fliehen, um in attraktiverer Kontexten fündig zu werden. Am Angebot sollte es zumindest nicht liegen. Ich kann bezeugen, dass das entsprechende Angebot der großen Auktionshäuser in London, denen ich in der vergangenen Woche einen Besuch abstattete, sehr vielversprechend war. Es ist bei Sotheby's geradezu ein Stärkebeweis des Hauses.

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