Die Geschichte des preußischen Porzellans beginnt vor der Gründung der berühmten Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin im Jahr 1763. Bereits 12 Jahre zuvor eröffnete der Unternehmer Wilhelm Kaspar Wegely (1714 - 1764) mit Unterstützung König Friedrich II. (1712 1786) ein solchen Unternehmen in der preußischen Hauptstadt.

Bereits sechs Jahre später musste Wegely seine Manufaktur wieder schließen. Gleich zu Beginn des Siebenjährigen Krieges (1756-63) hatte Preußen Sachsen besetzt und damit auch die Oberhoheit über die dortige Manufaktur in Meißen erlangt. Friedrich II. bestellte sein Porzellan nun in dem Traditionsunternehmen.

Die Wegelysche Porzellanmanufaktur wurde 1761 vom Händler und Unternehmer Johann Ernst Gotzkowsky (1710 - 1775) übernommen. Gotzkowsky tat dies auf Wunsch Friedrich II., für den er bereits als Kunsthändler gearbeitet hatte. Zwei Jahre später ging Gotzkowsky, der sich als Kriegsgewinnler verspekuliert hatte, bankrott und der König kaufte ihm die Manufaktur ab - die Geburtsstunde der KPM Berlin.

Im 18. Jahrhundert lag der Fokus der KPM vor allem auf Speiseservicen für den preußischen Hof sowie auf figürlichem Porzellan. Die verwendeten Formen stammten zum Teil noch aus der Zeit unter Wegely.

Um 1800 kamen die klaren Linien des Klassizismus in Mode und hielten auch in der Königlichen Porzellan-Manufaktur Einzug. Für Entwürfe in diesem sehr architektonischen Stil, der auf Elemente der griechischen Antike zurückgriff, engagierte die Manufaktur u.a. den Baumeister und Stadtplaner Karl Friedrich Schinkel (1781 - 1841).

In dieser Epoche war die Manufaktur besonders berühmt für ihre Vasen mit Vedutenmalerei. Die Bilder auf den oft partiell vergoldeten Vasen zeigen Ansichten aus der Hauptstadt oder dem nahe gelegenen Potsdam und seiner hinreißend gestalteten Gartenlandschaft, die ein wichtiger Rückzugsort der preußischen Herrscher war, seit Friedrich II. dort 1745 sein berühmtes Sommerschlösschen Sanssouci bauen ließ.

Zur Zeit des Klassizismus bildeten Friedrich Wilhelm III. (1770 - 1840) und Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776 - 1810) das preußische Königspaar. Ihre harmonische Ehe, der neun Kinder entsprangen, wurde zum Inbegriff des Familienlebens. u unsterblichen Ruhm brachte es die legendäre Luise, als sie 1807 in Tilsit auf Napoleon traf und versuchte, für Preußen zu vermitteln.

Luise starb bereits 1810 im Alter von nur 34 Jahren (was nicht minder zu ihrem Kultstatus beitrug). Der nun verwitwete König war untröstlich und gab daraufhin beim neu ernannten Hofmaler Wilhelm Ternite (1786 - 1871) posthume Portraits Luises in Auftrag. Um einen lebensnahen Effekt zu erzielen, wurden die Lieblingskleider der verstorbenen Königin (Luise war stets sehr modebewusst gewesen) auf Puppen gezogen.

Das in der Auktion vorliegende posthume Portrait Königin Luises ist von einem klassizistischen Aedikularahmen umgeben, der nach einem Entwurf Karl Friedrich Schinkels angefertigt wurde.

Die Preußen-Auktion von Lempertz findet am 21. April in Berlin statt. 361 Lose mit Porzellan, Kunst, Silber und Memorabilia rund um das Preußische Königshaus kommen ab 14 Uhr zum Aufruf. Weitere Highlights sind dabei vier Werke des Malers Heinrich Zille, der das Arbeiterleben in Berlin dokumentierte.

Vorbesichtigungen sind vom 13.-20. April täglich von 11-17 Uhr möglich. Oder Sie schauen sich alle Lose der Auktion gleich hier an.

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