Wieder einmal öffnet das Wiener Auktionshaus Dorotheum seine Tore und bittet zur Auktionswoche, die am 24. April beginnt. Der Eröffnungstag ist ab 16 Uhr ausschließlich den Werken Alter Meister gewidmet. Am 25. April folgen erlesener Schmuck um 14 Uhr sowie Gemälde des 19. Jahrhunderts um 16 Uhr. Die Antiquitätenauktion mit Möbeln, Skulpturen, Glas und Porzellan rundet die Auktionswoche am 26. April ab 14 Uhr schließlich ab.

Nicht nur Stillleben waren ein fester Bestandteil der Malerei im Goldenen Zeitalter der Niederlande. Auch das genaue Gegenteil, die Darstellung von festlichen Begebenheiten auf dem Lande, erfreuten sich hoher Beliebtheit. Ein Meister dieses Faches war Pieter Brueghel d. Ä. Sein Sohn gleichen Namens kopierte später die Gemälde des Vaters in einem ihm eigenen Stil. Als Vorlage für dieses Werk, das das rege Treiben in einer Bauernstube zur Karnevalszeit darstellt, diente jedoch keine Arbeit des Vaters, sondern des Malers Marten van Cleve (1520-1570).

Keine Nahaufnahme wie Brueghel (bzw. Marten van Cleve) sondern die Vogelperspektive wählte David Vinckboons für seine Darstellung des Kirchweihfest des heiligen Georg, was der typischen Perspektive seines Frühwerks entspricht. Sie ermöglichte es Vinckboons das vielschichtige Treiben in seiner Gesamtheit wiederzugeben. Dennoch verzichtete er nicht auf leuchtende Farben und einen Detailreichtum, mit dem er an der Vorstufe zum Realismus stand.

Venedig war jahrhundertelang die europäische Partylocation schlechthin und darf daher an dieser Stelle nicht fehlen. Karneval herrschte dort gefühlt das ganze Jahr über und ließ die maskierten Narren vergessen, dass in ihrer reichen Handelsrepublik dennoch die Inquisition herrschte. Gemälde, die den venezianischen Karneval zum Thema hatten, entstanden bereits in der frühen Neuzeit, aus ihnen entwickelten sich schließlich die beliebten Veduten der Lagunenstadt.

Die frühen Karnevalsgemälde von Sebastian Vranx und Joseph Heintz d. J. geben beide mehrere festliche Aktivitäten des Karnevals wieder, konzentrieren sich jedoch auf die Caccia ai Tori, eine Stierhatz, die jedes Jahr am Karnevalsdonnerstag auf mehreren Plätzen in Venedig stattfand, bis sie im 19. Jahrhundert verboten wurde.

Eine festliche Begebenheit aus dem antiken Griechenland wählte der polnische Maler Henryk Siemiradzki 1889/90 als Motiv. Dargestellt ist die schöne Hetäre (Konkubine) Phryne, die im 4. Jahrhundert v. Chr. lebte und die bei einer Zeremonie in Eleusis vor versammelten Gästen nackt baden ging. Das auf dieser Begebenheit beruhende Werk war Siemiradzkis berühmteste Arbeit, die vom russischen Zar Alexander III. erworben wurde. Hier liegt sie in einer hochqualitativen Kopie aus Henryk Siemiradzkis Werkstatt vor.

Ein anderes Motiv, das Künstler aus ganz Europa über Jahrhunderte wie Lava nach Italien strömen ließ, und das zwar eine allgemeine Faszination auf sein Publikum ausübte, aber weniger Feststimmung aufkommen ließ, war der Vesuv bei Neapel.

Die eindrucksvollsten Zeugnisse eines Vesuv-Ausbruchs stammen aus den antiken Städten Pompeji und Herculaneum, die gemeinsam mit ihren Einwohnern dem Ausbruch von 79 zum Opfer fielen. Der Vesuv brach bis ins Spätmittelalter immer wieder aus, galt im 16. Jahrhundert jedoch schließlich als erloschen. 1631 stellte er seine Macht jedoch erneut unter Beweis und brach in den folgenden drei Jahrhunderten rund zwanzig Mal aus, zuletzt 1944.

Es gab also genügend Gelegenheiten für Künstler wie Achenbach, Lacroix de Marseille oder den Norweger Johann Christian Clausen Dahl die bedrohliche Schönheit des aktiven Vulkans einzufangen. Die Ausbrüche im 18. und 19. Jahrhundert waren nicht sehr heftig und so stand der Vesuv nicht nur für Künstler als fester Termin bei einem Neapelaufenthalt auf der Agenda. Jeder Tourist konnte den Aufstieg wagen. Unter ihnen war 1787 auch ein gewisser Johann Wolfang von Goethe.

Die Temperatur von vulkanischer Lava variiert weltweit zwischen 500°C und 1200 °C. Sie kühlt an der "frischen Luft" jedoch schnell ab und ist daher als Heizmaterial für Porzellanbrennöfen ungeeignet. Der Glattbrand von Porzellan benötigt nämlich Temperaturen von ca. 1100 °C und 1480 °C, bei einer Brenndauer von mehreren Stunden.

Wie gut, dass es entsprechende Brennöfen gibt, die diese Temperaturen erzeugen können. Drei beeindruckende Beispiele für die hohe Kunstfertigkeit von Porzellanmodelleuren kommen in der Antiquiätenauktion zum Aufruf. Aus Meißner Produktion stammen ein Paar Palastvasen mit plastischem Figuren- und Blumendekor sowie ein vollständiges Ensemble der vier Elementen-Vasen, die Johann Joachim Kändler 1741 entworfen hat. Ein weiteres Beispiel stammt aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Die prachtvolle Deckelvase mit floraler "Weichmalerei" wurde 1890/91 von Ernst Heinecke entworfen.

Wie die drei Lose mit Porzellan, stammt auch das letzte Objekt, das wir Ihnen an dieser Stelle präsentieren möchten, aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es handelt sich um einen seltenen Billardtisch mit passender Queue-Aufsatzvitrine im Stil des Neorokoko. Das außergewöhnliche Ensemble wurde 1880/90 von der Turiner Firma Deagostini angefertigt, die damals zu den führenden Herstellern solchen Spielmobiliars gehörten. Der vorliegende Tisch mit Vitrine ist von musealer Qualität.

Die Ausstellungen zu den Auktionen mit Alten Meistern, Gemälden des 19. Jahrhunderts und Antiquitäten sind ab dem 14. April für interessierte Bescher geöffnet. Der erlesene Schmuck darf bereits seit dem 12. April in Augenschein genommen werden.

Entdecken Sie jetzt die alle Objekte der Auktionswoche im Dorotheum hier bei Barnebys!

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