baydu
Mehtap Baydu, eat me meet me, photo from performance, 2010.
 
Was macht der eigene Körper, wie sieht er aus und was passiert spontan mit dem Publikum, wie verhält sich unser Körper zu bestimmten Materialien? Am Freitag hat im Berliner Kunstraum Berlinartprojects die Ausstellung "The Tale of Shahmaran" der Künstlerin Mehtap Baydu, kuratiert von  Didem Yazici, eröffnet. Obwohl Baydu mit einer Vielzahl von Materialen arbeitet, liegt das Augenmerk dieser Ausstellung besonders auf Performance als Handlung und dem dabei durch Baydu erstellten Kosmos. In einer Gradwanderung zwischen kulturellen Traditionen und dem, was wir als Menschen alle gemeinsam haben und worin sich jeder wieder finden kann, nimmt sie Rollen an, welche als globales Stereotyp funktionieren könnten, wäre da nicht ein kleines Detail, welches auf einen kulturellen Kontext deutet.

Hybride Charaktere, hybride Fiktion wird mit sozio-kulturell kodierten Zutaten des Alltags vermischt: Kleidung, Essen, Redewendungen, der eigene Körper. Damit beginnt eine Reise, die an geographische und semantische Kontexte anknüpft. Baydu sucht einen feministischen Erzählmodus und fordert patriarchalische Strukturen, soziale Normen, Einwanderungsbestimmungen heraus. Ihr Material-und Medienmix zwischen Performance, Fotografie, Video, Installation, skulpturalen Objekten kommuniziert gleichzeitig den eigenen künstlerischen Prozess und portraitiert die Geschichten anderer.

reden ist silber

Reden ist Silber 2010

Shahmaran ist das Hybrid aus der kurdischen Mythologie, welches für Baydu die Verkörperung von sowohl einer Frau, eines Unbekannten, einer Liebhabers, einer Randgestalt, eines Anderen, eine kontinuierliche, unabgeschlossene, ständig sich ändernde Personifizierung darstellt. Ihren Arbeiten liegt generell ein Interesse für das Element des Forschens im Tun und der Möglichkeit sich ausdrücken zu können zu Grunde. Es sind sowohl soziale und moralische Kontexte, die unser Reden bedingen und welche Baydus Werke ansprechen, aber es geht auch um Redefreiheit als grundlegendes Menschenrecht.

Baydu- perfromance

Performance von Mehtap Baydu

Mehtap Baydu (geb. 1972in Bingöl, Turkei) lebt und arbeitet in Kassel und Berlin. Sie hat an der Kunsthochschule Kassel und an der Hacettepe Universtity studiert und war von 2010-2011 in Kassel Masterstudentin von Prof. Dorotheee von Windheim. Baydus Arbeiten waren zuletzt unter anderem in folgenden Ausstellungen zu sehen: alèm mar in Montes Carlos, Brasilien, SILENCE im Künstlerhaus Stuttgart (2014), HEUTE HIER - bugün burada in KLIESTPARK, Berlin, Nev Nesil: Kafa Kağıdı, Galeri Nev, Ankara, Turkey, THE UNANSWERED QUESTION. ISKELE2 kuratiert von Rene Block (2013), TURKISH ART NEW AND SUPERB im Tanas Berlin, HIER und JETZT im KulturBahnhof-Südflügel (2012), Kassel, Spaziergang in der Kunsthalle Fridericianum, Kassel, TURKISH ART NEW AND SUPERB im Tanas Berlin, Examen-Ausstellung in der documenta-Halle in Kassel 2010 und Schnitt/Menge at Kunstverein Weiden (2009).

 

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