Rembrandt_fransk-konsttjuv_barnebys

Menschen werden für unterschiedliche Dinge berühmt. An den Franzosen Patrick Vialeneix wird man sich sicherlich erinnern, weil er das System gleich zwei Mal austrickste. Wir kennen das aus Filmen aber eine solche Geschichte ist in der Wirklichkeit schon seltener. Alles fing damit an, dass Vialaneix als 13-jähriger sich komplett in ein Gemälde von Rembrandt verliebte, welches im örtlichen Museum, Le Musée Municipal Art Et Histoire in Draguignan hing. Er sah das bild zum ersten Mal während eines Museumsbesuchs mit seiner Mutter. Er hat dieses Ereignis selbst so beschrieben, dass er den Eindruck hatte sich beim Betrachten des Gemäldes L’enfant à la bulle de savon (Kind mit Seifenblase)im Spiegel zu sehen. Der französische Teenager wurde ganz besessen vom Bild und konnte an nichts anderes mehr denken.

Als er 15 war arbeitete er als Alarmanlageninstallatör und traf so wieder auf das Werk. Zu diesem Zeitpunkt entschied sich der Junge das Bild, welches er nun schon seit längerem begehrte, zu stehlen. Er verfasste eine genaues Verzeichnis des Sicherheitssystems des Museums. Kurz vor Schließung des Museums, als die lautstarke Feier des französischen Nationaltages 1999 anfing, kroch er in einen Schrank und wartete. Um Mitternacht zwischen dem 13. und 14. Juli, als der Lärmpegel am höchsten war und Helikopter und Feuerwerk den Himmel füllten, öffnete er die Glasvitrine, die das Werk gegen Beschädigung und, ja genau, Diebstahl schützen sollte.

Der Diebstahl dauerte nur wenige Sekunden und der Dieb schaffte es hinaus genau bevor der Alarm einsetzte. Als die Polizei kam, war der Dieb über alle Berge und die Vitrine leer. Zuhause angekommen nahm er ein Polaroidbild von sich und dem Gemälde, wonach er es in Luftpolsterfolie und eine dicke Decke einschlug und unter seinem Bett aufbewahrte. Neben dem Bett stellte er eine Staffelei auf, auf welche er das Werk stellen konnte, wenn er dessen Schönheit genießen wollte.

Aber die einfache, unangetastete Liebesbeziehung wurde auf die Probe gestellt. Als Patrick Vialaneix sich ein paar Monate später verliebte, wählte er sein Geheimnis für sich zu behalten, was allerdings mit der Zeit sehr anstrengend wurde. Der Kunstdieb wurde von heftigen Angstgefühlen geplagt, dass das Bild in irgendeiner Weise Schaden nehmen könnte. Er beschreibt, wie er schrittweise nicht mehr nur der Wächter sondern auch die Geisel dieses Werkes wurde.

Er ging in Therapie und zog mit seiner Familie mehrere Male um, unter anderem nach einem Einbruch bei dem die Diebe nur die Stereoanlage der Familie stahlen. Dennoch verriet er nicht sein Geheimnis. Schließlich wurde Vialaneix so deprimiert dass er sich einem alten Freund aus der Kindheit anvertraute, der versprach ihm zu helfen. Der Freund organisierte ein Treffen in Nizza mit zwei Männern die sich als Versicherungsagenten vorstellten. Vialaneix gab ihnen das Gemälde, welches auf 4 Mio. Euro geschätzt wird, im Gegenzug für einen Check von 40 000 Euro. Die Versicherungsagenten waren allerdings Schwindler, wie sich kurz darauf herausstellte. Ein paar Tage nach der Transaktion las Herr Vialianix in der Zeitung, dass die beide verhaftet worden waren, nachdem sie versucht hatten, einen gestohlenen Rembrandt auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen.

patrick-vialaneix-en-avril-dernier-peu-de-temps-apres-les_1842264_800x400Monsieur Vialaneix konnte seine erste Liebe einfach nicht vergessen

Als ihm klar wurde, dass er für sein Handeln zur Rechenschaft gezogen würde, gab er schließlich in Tränen und mit Bedauern alles gegenüber seiner Frau und seinem Therapeuten zu. Während ihn seine Frau tröstete, beendete der Therapeut umgehend die Behandlung (vielleicht fühlte auch er sich etwas therapiebedürftig nach diesen Neuigkeiten). Der Kunstdieb packte seine Reisetasche und stellte sich der Polizei, bereit eine längere Haftstrafe auf sich zu nehmen. Aber die Polizei schickte ihn nach Hause. Das Verbrechen war verjährt und er konnte sich zurücklehnen und Buch- sowie Filmangebote für seine einzigartige Geschichte erwarten.

Fransk-konsttjuv_rembrandt_barnebysSo schrieb ein französischer Alarminstallatör Geschichte ...

Jeanine Bussières, leitender Intendent am Museum erzählte ARTnew, dass sie sehr froh sei das Werk zurück im Museum zu haben und dass sie auch dankbar dafür war, dass es gut behandelt wurde. Nichtsdestotrotz ist sie auch unruhig, dass Leute von dieser Geschichte inspiriert werden und ähnliche Diebstähle durchführen könnten. In gewisser Weise war es in diesem Fall die Liebe, die den Jungen zu einem Dieb machte. Ein wirklicher Grund, wenn man so will.

Eine angemessene Strafe wäre vielleicht ein sozialer Dienst als Museumswächter. Oder vielleicht doch nicht. Aber wie man es auch dreht und wendet, so kann man dennoch ein „Ende gut alles gut“ Fazit ziehen, oder zumindest es hoffen.

Auf Barnebys finden Sie derzeit 15 Treffer zum Suchbegriff Rembrandt !

Kommentar