Es geht nicht mehr länger um Kunst sondern um Marken. Wenn man die aktuelle internationale Auktionssaison zusammenfasst so kann man wieder einmal konstatieren, dass der Markt für zeitgenössische Kunst brodelt. Wenn man den schwedischen Auktionsmarkt einrechnet wird deutlich wie sehr dieser der internationalen Entwicklung folgt. Quartalsberichte werden genauso häufig von Kunstweltaktören sowie von Anzug tragenden Vorstandsvorsitzenden der Unternehmen an der Börse eingereicht. Kunstberater empfehlen Kunst nach der Preisentwicklung und nicht nach künstlerischem Schaffen oder Innovation. Tatsächlich ist die Kunstwelt seit der Hochrenaissance in Florenz nicht mehr so von Geld gesteuert worden wie aktuell.

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Ist der Kunstmarkt gedopt? Oder handelt es sich einfach nur um rekordgroßes Kunstinteresse in Kombination mit wirtschaftlichen Muskeln welche die Preise für zeitgenössische Kunst hochstemmen?

Das Gefährlichste ist, dass das Interesse der Allgemeinheit nicht mehr länger von der Kunst herrührt. Die Faszination für ein Kunstwerk und einen Künstler scheint nicht mehr länger darin zu liegen, was wir sehen und erleben sondern zu welchen Preisen etwas gekauft wird und von wem. Ich habe vor dieser Entwicklung zu verschiedenen Gelegenheiten gewarnt, aber nun muss ich noch einmal die Stimme erheben. Der Markt für zeitgenössische Kunst ist eine Blase und das Zerplatzen ist in greifbarer Nähe. Der Rückschlag wird nicht gerade mild ablaufen, sondern vielmehr gravierende, gar tödliche Folgen haben. Nicht zuletzt für mehrere der bislang gepriesenen Künstler.

 Aber ich kann Sie trösten, dass wir noch nicht richtig dort sind. Es sind weiterhin zu viele Gelder und zu starke Kräfte im Umlauf und vor allem hat der globalisierte Kunstmarkt immer eine „überhitzte“ Szene irgendwo in der Welt mit Käufern, die die Preise in den anderen Märkten hochtreiben.

Wenn Sotheby’s, Christie’s und Phillips ihre zeitgenössischen Auktionen zusammenrechnen, ist Kunst für 1,6 Milliarden Dollar unter den Hammer gekommen. Und das passierte innerhalb weniger Tagen. Das ist die höchste Summe aller Zeiten für eine bestimmte Kategorie von Auktionen.

Heute ist es mehr Standard als Ausnahme, dass Werke der am höchsten gewerteten Künstler Andy Warhol, Francis Bacon und Gerhard Richter Preise im zweistelligen Millionen Bereich erzielen. Aber auch relativ unbewanderte Namen kommen für hunderte von Tausend Euro oder ein paar Millionen unter den Hammer. Im gesamten vergangenen Jahr verzeichneten Aktionen mit älterer Malerei weltweit 1,4 Milliarden Dollar Umsatz, sofern die verschiedenen Berichte stimmen. Das heißt, dass hier weniger Umsatz zusammenkam, als für zeitgenössische Kunst in einer einzigen Woche.

Wo ist da die Logik?

In einem Artikel von Scott Reyburn i New York Times erzählt Wendy Goldsmith, eine in London basierte Kunstberaterin und frühere Chefin für Malerei des 19. Jahrhunderts bei Christie’s ihre Version der Entwicklung.

- Old Masters sind einfach nicht sexy. Das Angebot von richtig guten Werken ist begrenzt. Es kommen nur weniger exzellente Werke auf den Markt. Außerdem sind es nicht die jungen Kunsthändler, die sich für den Verkauf älterer Malerei interessieren und es gibt nicht die gleichen wirtschaftlichen Vorteile wie beim Kauf von zeitgenössischer Kunst, berichtet Wendy Goldsmith.

Auch wenn eine ganze Reihe neuer Preisrekorde für ältere Malerei aufkamen, nicht zuletzt im private sales und internationalen Kunsthandel. Im Zuge des immer transparenter werdenden Kunsthandels, wird es leichter Werte an bisherigen Richtpreisen und der Produktion des Künstlers zu orientieren. Preisvergleiche bedürfen keines weiteren Wissens, solange man nicht das Kunstwerk in dessen wirklichem Zusammenhang mit einrechnet.

Der Rückschlag wird weh tun, sobald immer mehr Akteure Kenntnisse einforden, anstatt auf Spekulation zu pochen, die auf Herdentrieb beruht, welcher sich seinerseits auf das Handeln einiger weniger Akteure am Kunstmarkt stützt. Aber das ist genau der Moment, in dem die Kunst und der Kunstmarkt in Frage gesetzt werden und Wissen plötzlich wieder sexy ist.

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