Stockholms Auktionsverk lädt zu einer der stärksten klassischen Auktionen seit langem ein. Mit mehreren imponierenden Sammlungen, welche mit Inventar des Lehnsbesitzes Biby angeführt werden, rechnet die schwedische Auktionsbranche mit einer Revanch für das älteste Auktionshaus der Welt. Den höchsten Endpreis erwartet man jedoch für Anders Zorns Reflexer (Reflektionen). Es handelt sich um ein Gemälde, dass dem schwedischen Auktionspublikum die Augen für das künstlerische Schaffen Zorns öffnete, als es zu einem ganz neuen Preisniveau für diesen Künstler Anfang der achtzig Jahre verkauft wurde, als Benny Andersson von ABBA das Werk kaufte, um es in sein Haus auf Djurgården in Stockholm zu hängen.

Anders-Zorn_Reflexer_Stockholms-Auktionsverk_Benny-AnderssonMit einem Startpreis bei 1,3 - 1,6 Mio. Euro kann Anders Zorns Reflexer von der Insel Dalarö im Jahr 1889 eines der teuersten Gemälde dieser Auktionssaison werden.

In den achtziger Jahren wurde die Öffentlichkeit auf Benny Anderssons Kunstinteresse aufmerksam, als er Anders Zorns Ölgemälde Reflexer får 860.000 SEK beim Stockholmer Auktionshaus Bukowskis unter den Hammer rief. Der Kauf wurde von starken Applausen begleitet im Auktionssaal und nach der sensationellen Preisnotation wurden auch andere Gemälde von Zorn für dieses neue Preisniveau gehandelt.

Allerdings war es 100 Jahre zuvor in den 1880er Jahren, dass ein rebellischer Künstler mit, wenn nicht Hybris, so doch ungewöhnlich starkem Selbstvertrauen, alles in Einklang brachte. Im Frühjahr 1880 erzielt Zorn seinen großen Durchbruch, als er sein Aquarell I sorg (in Trauer) malt, was zur Paradenummer in der Schülerausstellung der Akademie avanciert. In den nächsten Jahren kommt der Künstler mehrere Male zu unterschiedlichen Situationen auf das Motiv zurück. Trotz großen Geschicks, ist er etwas schluderig in seinen frühen Aquarellen. Aber in der Mitte des Jahrzehnts erreicht seine Malerei ungeahnte Höhen, welche in der schwedischen Kunstgeschichte seither wenn nur selten durch andere in vergleichbarer Weise erreicht wurden. Ein Können, dass die Betrachter – bis heute – verstummen lässt. Aber Anders Zorn wollte weiter, er wollte sich entwickeln und erforschte somit die Unterschiede och Schwierigkeiten in der Meisterschaft des Malens mit Ölfarbe. Ein in vielerlei Hinsicht schwieriger Prozess, da hier die Direktheit und Transparenz weniger ausgeprägt ist. Es bedarf einer ganz anderen Technik, eines anderen Pinselstrichs und anderen Farbtönen. Das blendende Licht und die unterschiedlichen Wellen erhalten einen gesättigteren Charakter.

Aber Zorn  beherrscht diese Technik, wie alles andere. Nach ein paar Jahren des Experimentierens mit Licht, Wasser und dem gesunden Nackten in einer selbstverständlichen Symbiose schafft er bekannte Kunstwerke wie Sommar (Sommer) 1887, Une première (Ein Erstes) 1888 und Ute (Draußen) im selben Jahr und zeigt Nacktheit, welche damals nicht ganz so selbstverständlich war, wie wir es heute vielleicht glauben möchten.

Nein, der Künstler forderte nicht nur sein eigenes Können als Maler heraus sondern provozierte auch in der Motivwahl. Er wollte an die hingebungsvollsten Szenen der Natur herankommen, wobei die Leinwände nicht nur ein Freiluftbild beinhalten sollten, sondern sowohl dem Künstler als auch dem Betrachter eine Geschichte schenken sollten. Ein Inhalt, statt nur ein Bild – darin war Zorn einzigartig.

Man muss bedenken, dass die Gemälde mit Zorns nackten Körpern, oft blühende Frauenmodelle im Freien, erst in den versteckten Sommerwinkeln des Schärengartens, aber mit der Zeit auch stehend auf persischen Teppichen zwischen kostbaren antiken Möbeln im Wohnzimmer, war äußerst herausfordernd für eine Zeit als Nacktheit kaum in der Gesellschaft Akzeptanz fand, welche die angestrebte Zielgruppe zum Kauf der Werke war.

Die etwas bleiche, etwas pastellfarbene Farbsetzung im Gemälde passt vollkommen zu der Art und Weise, in der der Künstler die Farben benutzt. Die nackten Modelle balancieren auf unregelmäßigem Grund aus Sand und rutschigen Steinen. Ihre Arme sind nach oben gestreckt um die hastigen Bewegungen des Körpers abzufangen und der Blick ist intensiv auf das Wasser gerichtet, um einen Weg zu finden, sich in tiefere Wasser vorzuwagen. Es ist ein später Nachmittag, schon fast die ersten Stunden des Abends. Die Sonne und die Luft wärmen noch aber das Wasser und der weiche Wind kühlen den Körper der jungen Frau. Man kan das Schilf praktisch rascheln hören, das sich in der Nachmittagsbriese biegt, aber ansonsten ist es still umherum. Keine Boote, keine Menschen. Nichteinmal Tiere. Es ist eine private Erinnerung, die sich da vor unseren Augen abspielt und an der wir teilnehmen dürfen. Ein kurzer Moment, der eine Fortsetzung hat.   

Anders-Zorn_oljemålning_Zorngården_jubileumsutställning _Barnebys

Rechts im Bild hängt das aktuelle Gemälde zum Zeitpunkt der vor Kurzem im Zornmuseum durchgeführten Jubiläumsausstellung ”Anders och Emma Zorn 150 år (Anders und Emma Zorn 150 Jahre).

Das aktuelle Gemälde wird als eines von Zorns vorrangingen Werken gehandelt. Der Aufrufpreis liegt bei 12-15 000 000 SEK ( 1,3 – 1,6 Mio. Euro) und sollte überstiegen werden, wenn man bedenkt, dass dieses Gemälde als nichts anderes als ein Meisterwerk gezählt werden kann, dass von Schwedens vielleicht besten Künstler aller Zeiten gemalt wurde.

Das einzige, was dagegen sprechen könnte, ist eventuell die ungesunde Fixierung unserer Zeit auf den nackten Frauenkörper, als etwas herablassendes und ausgesetztes aus der Perspektive der Gleichberechtigung der Geschlechter. In diesem Fall wäre dieser Blick jedoch, um es mit modernen Worten auszudrücken, krank. Statt wirklich das Motiv und Kunstwerk für das zu sehen, was es ist, nämlich das selbstverständlichste, was die Natur und ein Sommertag im Schärengarten zu bieten hat – ein Nachmittagsbad, wenn der Sommer am großartigsten ist, von einem Meister verewigt.

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