black magenta 1 cent

Am 17. Juni um 19 Uhr New Yorker Zeit wird eine ein-Cent Briefmarke Schwarz auf Magenta aus Britisch-Guayana von 1856 in oktogonaler Form und einer Größe von 29 x 26 mm bei Sotheby’s versteigert. Geschätzter Wert 10 – 20 Mio. USD. Ja, stimmt schon, 20 Mio. Dollar. Es sollte gesagt werden, dass es sich hierbei um eine heute einzigartige Marke handelt, die einzige noch erhaltene Marke dieser Ausgabe von 1856 aus Britisch-Guayana. Sozusagen der heilige Gral eines jeden Markensammlers.

Wie die Marke überlebt, wiederentdeckt und von Eigentümer zu Eigentümer wanderte ist eine faszinierende und ergreifende Geschichte, wobei schon die Entstehungsgeschichte der Marke für sich spannend ist. Die Superlative der Marke wurde zunächst durch den Philatelisten Edward Loines Pemberton 1878 festgestellt, der es so ausdrückte: “ONE cent, red, 1856!!! [is] as genuine as anything ever was.” Dieses Statement wurde 13 Jahre spatter durch The Philatelic Record bekräftigt, in dessen Report es heißt: “This is without doubt, in our opinion, the rarest stamp in the world, in its solitary grandeur.”

Die Marke wurde von mehreren Experten untersucht und bewertet: Das Experten Kommitee der Royal Philatelic Society in London erstellt ihr Gutachten am 17 Oktober 1935, welches von Thomas William Hall unterzeichnet wurde, sowie am 17 March 2014 von Christopher Harman. Überdies wurde die Marke auch von Thomas Lera, Inhaber des Winton S. Blount Research Chair des Smithsonian Nationalen Postmuseums am 17. April 2014, untersucht.

Der allererste Empfänger der Marke war Andrew Hunter, der die Marke von 1856 bis 1873 besaß. Danach hatte die Marke 10 weitere Besitzer, was zu mehreren Signaturen und Handstempeln auf der Rückseite geführt hat. Seit 1980 bis dato ist die Marke im Besitz von John E. du Pont. 1923, als die Marke im Besitz von Arthur M. Hind war, wurde sie zum ersten Mal öffentlich ausgestellt auf der London International Stamp Exhibition. Zuletzt wurde sie 1987 im australischen Perth auf der CUP-PEX National Philatelic Exhibition ausgestellt.

Auf der Suche nach der Stadt des Goldes, El Dorado, unternahmen Spanier, Portugiesen, Franzosen, Engländer und Holländer abenteuerliche Reisen durch das schwer zu erschließende, wasserreiche Gebiet, welches heute die Länder Brasilien, Bolivien, Venezuela, Kolumbien und Surinam umfasst. Für drei Jahrhunderte nach Kolumbus kurzem Streifzug in 1498 kämpft also halb Europa um Guiana und dessen reiche Schätze. 1796 fallen die Meisten Siedlungen ursprünglich holländischen Regimes in Britische Hände. 1831 restrukturieren die Briten die Administration der Kolonien, legen Demerara, Essequibo und Berbice als Kronkolonie Britisch-Guayana zusammen mit einer neuen Hauptstadt, die ursprünglich Stabroek hieß, nun neugetauft den Namen Georgetown trägt.

135 Jahre lang ist Britisch-Guayana von zentraler Bedeutung für das Britische Königreich, obwohl das El Dorado nie gefunden wurde. Korrespondenzen wurden in dieser Zeit immer wichtiger. Die ersten organisierten Dampfschiff Postsendungen gehen 1840 raus. Allerdings fehlt es da noch an einem durchdachten System wie die Post innerhalb des Landes verteilt wird. Erste Postämter enstehen, sind aber für Korruption anfällig, da man die Briefe vom Postboten „abkaufen“ muss. 1850 führt der Postbeamte Edward Thomas Dalton ein neues System ein: lokale Zeitpläne, Zugrouten und – eigens gedruckte Briefmarken. Man bezahlt mehr je weiter weg das Ziel des Briefes liegt. Teils sind diese Preistabellen aber unfair proportioniert, finden viele. Mit der Zeit wird ein gewichtbasiertes System entwickelt.

Die lokale Zeitungsdruckerei der Royal Gazette wurde gefragt das Design und den Druck der Briefmarken zu übernehmen, da man nicht auf Lieferungen aus Großbritannien warten wollte. Die ersten Marken orientierten sich an den Etiketten, welche am Ende von Garnspulen zu finden waren, sodass die Marken schnell den Spitznamen „Cottonreels“ (Baumwollspulen) bekamen.

1 cent, 4 cent, 8 cent, 12 cent Marken, alle mit unterschiedlicher Farbkodierung, sodass sie leicht auseinander zu halten waren, wurden mit den Mitteln die zur Verfügung standen, erstellt und in Auflagen um die 1500 Stück pro Variante gedruckt. In den folgenden Jahren explodiert der Bedarf an Briefmarken in die 100 000. Nur Dalton und einzelne authorisierte Kollegen durften die Marken unterzeichnen, um deren Echtheit zu zertifizieren und Fälschungen vorzubeugen.

first postal stamps 1

1 cent stamp damus patimus que vicissim 1852

 

 

 

one cent 1853 1853

 

Waterlow and Sons Limited in Großbritannien übernimmt 1852 die Produktion der Briefmarken und praktisch jedes Jahr entwickelt sich das Design weiter, wird immer aufwändiger. Waterlow and Sons produzieren später auch Briefmarken für andere Regionen, die Marken für British Guiana gehören jedoch zu den ersten, die sie produzierten. Im September 1955 erreicht eine Bestellung von Marken British Guiana, aber sie enthält nur einen Bruchteil der bestellten Anzahl. Somit ist Britisch-Guayana im Januar 1856 wieder dazu gezwungen die Produktion seiner Briefmarken selbst in die Hand zu nehmen.

Diese außergewöhnliche Marke ist schließlich auf einer langen Reise gewesen und hat bis heute überdauert.

Vom 11. bis 12. Juni hält auch Dorotheum eine spannende Briefmarken Auktion!

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