Sie haben mehrere phantastische Objekte in der kommenden Auktion, die vom 28. April bis 12. Mai in fünf Teilen stattfindet. Was würden Sie selbst als die drei Höhepunkte der Auktion beschreiben?

Zu den Höhepunkten der kommenden Auktion wird sicher der Sonderkatalog zur Parabellum-Sammlung zählen. Deutsche Ordonnanzwaffen haben eine sehr große und internationale Sammlergemeinde, und das große Angebot an seltenen Stücken wird sicher zu reger Beteiligung führen.

HH_A70_Titel_Para4c Die Sammlung Parabellum

Auch wenn der Markt für russische Antiquitäten und Militaria durch die politische Situation momentan beeinträchtigt ist, hoffe ich doch, dass unser sehr gutes Angebot an zarenzeitlichen Orden und die Auswahl an hochwertigen Blankwaffen die russischen Käufer aus der Reserve lockt.

HH_70_LotNo_4054_Orden_vom_Heiligen_Stanislaus_Russland_1910 Orden vom Heiligen Stanislaus, Garnitur der 1. Klasse mit Schwertern, Russland um 1910. Limit: 14 000 EUR.

Unsere Auswahl an chinesischen Waffen und Antiquitäten zählte in den letzten Jahren immer wieder zu den Höhepunkten unserer Auktionen. In der aktuellen Auktion bieten wir neben einem seltenen Dolch aus dem höfischen Umfeld auch eine große Auswahl von Jadearbeiten an. Hier kam es in den letzten Jahren immer wieder zu heißen Bietgefechten und sehr eindrucksvollen Ergebnissen.

ndsk Jadedolch, China, Qing-Dynastie, 18. Jhdt. Limit: 4800 EUR.

HH_70_Jadegefaesse_AChin-202996-94-97 Im Hintergrund: Jadeschnitzerei, Vögel im Kirschbaum, China, Ende 19./Anfang 20. Jhdt. Limit: 2800 EUR. Mitte: Deckelgefäß aus grüner Jade, China, Ende 19./Anfang 20. Jhdt. Limit: 2000 EUR. im Vordergrund: Deckelgefäß aus weißer Jade, China, Ende 19./Anfang 20. Jhdt. Limit: 8000 EUR.

Welche Objekte werden Ihrer Meinung nach bei Sammlern besonderes Aufsehen erregen?

Wir haben natürlich eine Vielzahl interessanter Stücke in unseren Katalogen, aber es gibt ein paar herausragende Objekte, die sicher bei Sammlern auf großes Interesse stoßen und daher besonders großes Potential in der Auktion haben.

Bei den Schusswaffen halte ich Los 434, ein Paar Luxus-Perkussionspistolen von Lebeda in Prag, für besonders interessant. Anton Vinzent Lebeda zählte in der Mitte des 19. Jhs. zu den ersten Büchsenmachern Europas und seine Waffen sind sehr begehrt. Das hier angebotene Pistolenpaar zählt sowohl an Qualität als auch an Erhaltung zu den besten Waffen aus seiner Werkstatt, die ich seit langen auf dem Markt gesehen habe.

HH_70_LotNo_434_Paar_Luxus_Perkussionspistolen_Lebeda Ein Paar Luxus-Perkussionspistolen, Lebeda in Prag um 1840/50. Limit: 7500 EUR.

Eines der Highlights bei den orientalischen Waffen ist Los 2547. Die dicht mit Korallen besetzte silbermontierte Qama (Kurzschwert) ist von herausragender Qualität und ist auch für anspruchsvolle internationale Sammler attraktiv.

Bereits jetzt lässt sich auch schon großes Interesse an dem Trabharnisch, Los 3135, erkennen. Der deutsche Dreiviertelharnisch um 1550-70 ist zwar ein eher einfaches Stück für den Feldgebrauch, seine elegante Form und der hochwertige Helm machen ihn aber zusammen mit dem relativ günstigen Startpreis für viele Sammler sehr begehrenswert.

HH_70_LotNo_3135_Trabharnisch_deutsch_1550_1570 Trabharnisch, deutsch, 1550/1570. Limit: 9000 EUR.

Nicht nur von regionaler Bedeutung, sondern auch für den internationalen Spitzenmarkt geeignet ist der Bayerische Ehrensäbel, Los 4759. In der Zeit der Befreiungskriege als Auszeichnung für besondere Tapferkeit an einen hohen Offizier verliehen, ist der Luxussäbel im damals vorherrschenden französischen Stil extrem prunkvoll gearbeitet und dürfte daher international alle Sammler hochwertiger militärischer Blankwaffen ansprechen.

Silbermontierte und korallenbesetzte Prunk-Qama, Georgien, datiert 1812. Limit: 4000 EUR Silbermontierte und korallenbesetzte Prunk-Qama, Georgien, datiert 1812. Limit: 4000 EUR

Prunkvoller königlich-bayerischer Ehrensäbel für Tapferkeit aus der Regierungszeit König Max I. Joseph (1806 - 1825) Limit: 15 000 EUR. Prunkvoller königlich-bayerischer Ehrensäbel für Tapferkeit aus der Regierungszeit König Max I. Joseph (1806 - 1825) Limit: 15 000 EUR.

Historisch bedeutsam ist auch Los 4440, ein silberner Ehren-Lorbeerkranz, der für den Mexikanischen Präsidenten Portfirio Diaz (1830 – 1915) gefertigt wurde. Ein interessantes Objekt aus der bewegten Geschichte Mexikos im 19. Jahrhundert.

HH_70_LotNo_4440_Jose_de_la_Cruz_Porfirio_Diaz_Mori_silver_laurel_wreath José de la Cruz Porfirio Diaz Mori - silberner Lorbeerkranz als Zeichen der Präsidentenwürde. Limit: 12 000 EUR.

Ein weiterer Punkt, der für viele Sammler interessant ist, ist die Provenienz des Objekts. Wie verhält es sich mit der Provenienz des römischen Bronzehelms Typ Hagenau , dem geschlossenen Maximilianischen Helm für einen Riefelharnisch und dem bedeutenden prunkvollen Degen für russische Offiziere der Garde Infanterie?

Die Provenienzen einzelner Stücke auf dem Kunstmarkt sind leider nicht immer lückenlos nachvollziehbar. Häufig geht dieses Wissen beim Wechsel von einem Sammler an den nächsten im Laufe der Zeit verloren. Von dem römischen Bronzehelm wissen wir, dass er sich seit 50 Jahren in den Niederlanden in Privatbesitz befand und nun erstmalig auf den Markt gelangt.

HH_70_LotNo_3557_Römischer_Bronzehelm_Typ_Hagenau Römischer Bronzehelm Typ Hagenau, 1. Hälfte 1. Jhdt. Limit: 25 000 EUR.

Der Maximilianische Helm befand sich lange in einer US-Amerikanischen Sammlung, davor in der bekannten Deutschen Sammlung des Konsuls Hans Leiden, die 1934 in Köln versteigert wurde.

HH_70_Maximilian_Helmet_Saxon_Sword_Crossbow_A-202518-4430-1969 Maximilianischer Helm für einen Riefelharnisch, süddeutsch um 1530, Limit 30.000 EUR (hier abgebildet mit sächsischem Schwert und Armbrust)

Zur Herkunft des Russischen Degens gibt es leider keine Aufzeichnungen, er stammt jetzt aus einer deutschen Sammlung internationaler Blankwaffen.

Degen für russische Offiziere der Garde-Infanterie mit Klinge aus der Regierungszeit von Katharina I. (1684 - 1727), Russland, Mitte 18. Jhdt. Limit 25.000 EUR Degen für russische Offiziere der Garde-Infanterie mit Klinge aus der Regierungszeit von Katharina I. (1684 - 1727), Russland, Mitte 18. Jhdt. Limit 25.000 EUR

Sie haben soeben schon internationale Käufer angesprochen. In der Auktion finden wir auch Objekte mit Ursprung aus u.a. Peru, Japan, China und Russland. Locken diese Objekte vor allem ausländische Käufer oder welches Klientel haben Sie?

Sie sprechen hier natürlich eine Gruppe von sehr unterschiedlichen Märkten an. Wir arbeiten sehr international und verkaufen an Museen, Sammler und Händler aus aller Welt. Ca. 70% der versteigerten Objekte gehen an Käufer außerhalb Deutschlands.

Der Markt für russische Waffen, Militaria und Antiquitäten wird seit dem Fall des Eisernen Vorhangs ganz deutlich von russischen Käufern dominiert. Das Preisniveau liegt deutlich über dem vergleichbarer Objekte aus anderen europäischen Ländern. Der Markt hat sich aber in den letzten Jahren bereits deutlich abgekühlt, die Spannungen und Sanktionen des Ukraine-Konflikts haben diese Entwicklung noch verstärkt.

HH_70_History_Monuments_Byzantine_Enamels_203995_03_K1 Prunkvolle Ausgabe "Geschichte und Monumente der byzantinischen Emaillekunst", Nikodim Pavlovich Kondakov (1844 - 1925), datiert 1892 . Limit: 11 000 EUR.

HH_70_History_Monuments_Byzantine_Enamels_Diadem_203995_09_H (Bild2) Prunkvolle Ausgabe "Geschichte und Monumente der byzantinischen Emaillekunst", Nikodim Pavlovich Kondakov (1844 - 1925), datiert 1892 . Limit: 11 000 EUR.

Ähnlich verhält es sich bei chinesischen Objekten, auch hier stammt die Nachfrage hauptsächlich aus China oder von Exilchinesen in aller Welt. Japanische Käufer spielen hingegen bei Waffen aus Japan für unser Haus eine nachrangige Rolle. Bei ethnologischen Waffen und Objekten aus Afrika, Südamerika und Asien finden wir unsere Käufer vornehmlich in Europa und den USA. Orientalische Waffen aus der Türkei, Persien oder Indien erfreuen sich hingegen auch einer starken Nachfrage aus der Region ihrer Entstehung, wie in der Türkei und auf der arabischen Halbinsel.

HH_70_Tibetan_vajra_hammer_202294-93 Gold- und silbertauschierter Vajra-Hammer, Tibet, 15. Jhdt. Limit: 9 000 EUR.

Hier geht es zum gesamten Auktionskatalog auf Barnebys!

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