anders pettersonWas besonders attraktiv ist in Bezug auf die Art Dubai, ist die kleinere Zahl (93 Galerien) im Vergleich zu größeren Kunstmessen. Die Messe schafft auch eine gute Balance zwischen lokalen, regionalen und internationalen Ausstellern, was für eine andere Atmosphäre sorgt, als beim Großteil der internationalen Kunstmessen, die sehr darum bemüht sind ein „globales" Format anzunehmen. Zu häufig sieht man die gleiche Auswahl an Galerien mit den gleichen Künstlern, egal ob man sich nun in London, New York, Hong Kong, Sao Paolo oder Singapur aufhält. Dieses Format ist meiner Meinung nach für zwei oder drei der führenden Messen nachhaltig, zunehmend aber eine überholte Strategie für kleinere, regionale Messen. Sich regional und lokal zu fokussieren ist überhaupt nicht falsch. Tatsächlich ist dies genau der Charakter, den diese Messen stärken sollten, falls Sie internationale Sammler und Käufer anziehen möchten. Ohne diesen Fokus sehe ich wenig Gründe noch zu Kunstmessen zu reisen. Unsere Untersuchungen zeigen auch, dass immer mehr Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit die auf Messen angebotenen Kunstwerke vorab im Netz begutachten und kaufen.

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Art Dubai ist in dieser Hinsicht anders: Die Messe hat es geschafft, sich eine eigene Nische zu formen, was ein positives Zeichen für die Entwicklung des Kunstmarkts im Nahen Osten ist. Seit der Gründung der Messe 2007, ein Jahr nachdem Christie's sich dazu entschieden hatte seine erste Auktion in Dubai abzuhalten, hat Dubai es geschafft eine zunehmende Vielfalt im Ökosystem der Kunst im Zentrum der konfliktgeschüttelten und von geo-politischer Unsicherheit geprägten Region aufzubauen. Die Messe beweist, dass Dubai nicht nur von Kommerz und Konsum geprägt ist, wie es die meisten diesen Staat wahrnehmen. Tatsächlich wird Dubai immer mehr das Ziel und Zuhause vieler regionaler Künstler und Galerien. Ein sehr ermunterndes Zeichen dieses neuen Ökosystems ist das Auftauchen neuer Initiativen wie Alserkal Avenue: eine ehemalige Marmorfabrikanlage in der Nachbarschaft von Al Quoz Dubai, die umgebaut wurde und nun schon 20 Kunstgalerien und Kulturorganisationen beherbergt und aktuell weiter ausgebaut wird, um doppelt so groß zu werden. Das ist in der Tat ein sehr gutes Zeichen für diese Stadt.

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Wie sehr spiegeln sich diese positiven Entwicklungen auf dem Auktionsmarkt im Nahen Osten? Christie's ist ein Pionier und loyaler Agent in der Region gewesen. Die seit 2006 alle zwei Jahre stattfindenden Auktionen sind eine Art Lackmustest für den Zustand des Kunstmarkts der Region geworden. Eine weitere positive Entwicklung ist die Erneuerung von Sotheby's Interesse an regelmäßigen Auktionen in Doha nach einer drei-jährigen Auszeit. Nach einem exorbitanten Anstieg des Auktionsmarktes im Nahen Osten zwischen Oktober 2006 und März 2008, der von Spekulationen und unterschiedslosem Kaufverhalten angefeuert worden war, schien der Kunstmarkt 2009 zunehmend ein flüchtiges Ereignis zu werden. Schlüsselfiguren des Kunstmarktes zeigten jedoch Beharrlichkeit und Ausdauer, darunter Christie's und Art Dubai, was dem Markt erlaubte sich durch die launische Periode von 2009 bis 2012 zu kämpfen. 2013 fing der moderne und zeitgenössische Kunstmarkt im Nahen Osten an sich zu erholen, mit einem Auktionsumsatzzuwachs von 86% im Vergleich zum Vorjahr und weiteren 22% Umsatzzuwachs 2014. Der kürzlich von Christie's abgehaltene Sale verzeichnete weitere 8% Zuwachs im Vergleich zu 12 Monaten zuvor. Insgesamt kann man also konstatieren, dass der Kunstmarkt im Nahen Osten seinen positiven Trend fortsetzt, besonders in Bezug auf zeitgenössische Kunst, bei der der Umsatzzuwachs bei 25,8 % im Vergleich zu März 2014 lag. Die Auktionspreise stiegen in den letzten 12 Monaten durchschnittlich um 78,2%.

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Dieses Jahr wird ein wichtiges Jahr für den Markt im Nahen Osten, er muss zeigen, das ser eine einzigartige Stimme in einem zunehmend wettbewerbsfähigen, globalen Kunsthandel besitzt. Blickt man aber auf die Geschehnisse des letzten Monats sieht es vielversprechend aus.

ArtTactic Bericht: "Middle East: Modern & Contemporary Art Auction Analysis – March 2015"

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