Die Arbeit besteht aus drei mit Steingut gefüllten Gräben, die wieder mit Erde bedeckt wurden. Die gefüllten Erdlöcher liegen in einem Dreieck, im Abstand von je 100 m voneinander. Vergraben wurden Repliken einer Vase, die Ai Weiwei in einem Tempel aus dem 14. Jahrhundert vor 9 Jahren gefunden hatte, bei der Arbeit an „Ghost Gu Coming Down The Mountain". Die originale Vase wurde 2005 bei Christie's für $27,7 Mio. verkauft, was damals einen Auktionsrekord im Bereich asiatischer Kunstwerke darstellte. Die Idee ist, dass in ferner Zukunft unsere Nachfahren oder welche Lebewesen auch immer dann zu Gange sind, diese Arbeit finden werden.

 

Man denkt unweigerlich an den Spruch „Wer anderen eine Grube gräbt...", obwohl das physisch - weil zugeschüttet -  nun nicht mehr möglich und sprichwörtlich unwahrscheinlich ist. Aber die Phantasie wird angeregt. ...

Der Polnische Künstler Pawel Althamer, der diese sechste Ausgabe des Skulpturen Park Projektes in Targowek organisiert, kennt das Arbeiterviertel gut, da er selbst hier aufgewachsen ist. Der Park ist wichtig für die Revitalisierung dieser Gegend von Warschau geworden, da die lokale Anwohnerschaft angesprochen wird. Seit der Gründung 2009 agiert der Park als eine Art pädagogische und sozio-politische Brücke zu anderen kulturellen und bürokratischen Einrichtungen der Stadt. Mit den Jahren haben prominente Künstler wie Olafur Eliasson, Susan Philipsz, Monika Sosnowska und Rirkrit Tiravanija Werke für den Park geschaffen.

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Ai's Spezialität ist es, mittels eines Gegenstandes generelle Fragen aufzuwerfen. So auch dieses Mal: Nicht nur die Geschichte des Gegenstandes steht im Vordergrund; Ai fragt auch warum wir bestimmte Artefakte mit einem Fetisch versehen und wie das mit der komplexen, Geschichte eines Gegenstandes zusammenpasst, die oft in kolonialer Raub- und Approbationslogistik eingekapselt ist.

 

Wie produziert jemand der sich nicht vom Fleck bewegen darf ein platzspezifisches Werk? Mit Hilfe der Berliner Galerie des Künstlers haben der Kurator Cichocki und Althamer Fotos, Karten und Videomaterial vom Park und Nachrichten der Anwohner an den Künstler weitergleitet und das Werk über diese Korrespondenz mit Hilfe von Anweisungen aus der Ferne erstellt.

 

Tragisch ist, dass dieses Grabwerk, dass Fragen über unser Vermächtnis an die Zukunft und unser Verhältnis zu Geschichte aufwirft, auch einen makaberen Beigeschmack bekommen hat mit dem plötzlichen Tod der 26-jährigen kuratorischen Assistentin Bogna Olszewska.

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