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Der Pool ist zum Benutzen gedacht, aber dafür braucht der Besucher erst einmal einen Schlüssel um die Verdeckung aufzuschließen, den man beim MAK Center for Art and Architecture in Los Angeles erhalten kann. Gefunden wird der Pool nur mit Hilfe von GPS Koordinaten. Keine Straße, kein Schild, kein Zaun, kein Pfad. Man muss „einfach" drüber solpern. Direkt ist man irritiert: Warum denn so ein Schwachsinn, wer braucht denn bitte einen Pool in der Wüste? Wie frech werden Künstler eigentlich noch? Warum muss den etwas so absurd unzugänglich sein, und warum unterstützt MAK eine solche Geldverschwendung? Je abgelegener und je abwegiger, desto besser die Kunst. So könnte man, will man etwas zynisch sein, die Bewertung von zeitgenössischer Kunst heute zusammenfassen.

Wenn man sich aber mal kurz in Palm Springs umsieht wird schnell klar, dass Barsuglias Pool in Punkto Wasserverschwendung wirklich nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Es ist auch keine herkömmliche Landart: Ikonische Land Art Werke wie Spiral Jetty oder Lightning Field spielen mit dem Vorhandenen und handeln von langen Reisen. Sie zeugen von und rufen im Betrachter einen meditativen Umgang mit der Landschaft hervor. „Social Pool" stellt eine klare gesellschaftskritische Frage: Wieviel Aufwand betreiben wir, um ein Luxusgut zu erreichen?

Als Wohlstandsmarker gehören Pools oft schon zur Standardeinrichtung für Besserbetuchte, egal ob sie benutzt werden oder nicht. Die teils doch etwas absurde Verschwendung die wir uns im Alltag erlauben, wird in Anbetracht des völlig fehlplatzierten Pools deutlich und der Betrachter/Benutzer muss sich fragen inwiefern diese Dekadenz noch haltbar ist.

Indem keine Reservierungen des Pools vorgenommen und auch keine vorab Auskünfte über die Verfügbarkeit des Schlüssels gemacht werden, fordert Barsuglia die Service- und Komfortmentalität heraus. Erst vor Ort im MAK erfährt man ob der Schlüssel gerade da ist. Man kann dann direkt losfahren und hat 24 Std. Zeit um sich auf die Suche nach dem Pool zu machen und den Schlüssel wieder zurück zu bringen - eine auf den Kopf gestellte Publikumsarbeit nach dem Mantra "Luxus musst du dir erarbeiten".

Das Werk darf als Pilgerstätte gesehen werden: Der Besucher, der sein Auto 1-3 km weit entfernt stehen lässt, darf, durch Dünen und Hitze watend, ein Gallone Wasser mitschleppen, als „Opfergabe", um den Pool bei Laune zu halten.

Es ist wohl leider nicht zu erwarten das ganz Palm Springs zu Barsuglias Pool wandern wird und dort die Erleuchtung erhält, die ihr Verhältnis zu Luxusgütern mit Umweltbewusstsein paart. Zu erwarten ist, dass nur schon umweltbewusste Kunstinteressenten die Mühe auf sich nehmen werden. Aber ihre Abenteuer und der Pool als Mahnmal werden hoffentlich in die öffentliche Debatte zur Ressourcenknappheit einfließen.

 

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