Ernesto Bertarelli Ernesto Bertarelli

Die Liste ist alphabetisch sortiert, da es nicht darum geht nach irgendwelchen spitzfindigen Details Ränge zu vergeben, sondern eine Art Qualitätsstempel zu vergeben. Sammler gibt es schließlich wie Sand am mehr. Besondere Sammlungen aber eben nur wenige. Die meisten kennen den in London ansässigen Charles Saatchi oder die Sainsbury Familie mit dem Supermarktimperium, Damien Hirst oder Francesca von Habsburg, letztere eine Erbin mit geschichtsträchtigem Namen. Aber die List enthält auch viele Namen von Personen, die fern von aller medialer Öffentlichkeit sammeln.
Die Liste repräsentiert Sammler aus aller Welt, wobei beachtenswert ist, dass den meisten Sammlern ein Interesse an zeitgenössischer Kunst attestiert wird. Ob sehr allgemein ohne Herkunftspräferenz sowie neben dem Sammeln anderen Perioden und Kunstrichtungen oder als Spezialinteresse auf ein Land oder ein Jahrzehnt genau spezialisiert – keine andere Kunstperiode scheint so wichtig für diese Sammler zu sein.

Unter den wenigen, bei denen der Vermerk „contemporary art" fehlt sind z.B. die Banker Hélène und Michel Alexandre David-Weill, die sich zwischen New York und Frankreich auf französische Malerei des 17., 18. und 19. Jahrhunderts spezialisiert haben. Für die selbe Periode, allerdings für Zeichnungen statt für Malerei interessieren sich auch Véronique und Louis-Antoine Prat (Paris, Erbe aus Manufaktur).

Weitere in den USA ansässige Sammler mit vorrangigem Interesse für frühere Kunstperioden sind Anne und Kenneth C.Griffin (Chicago, Hedge fund), die nach Post-Impressionisten Ausschau halten, während Edward „Ned" Johnson III (Boston, Finance) für amerikanische Gemälde, Möbel und dekorative Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts sowie asiatische Kunst und Keramik schwärmt. Barbara und Jon Landau (New York, Entertainment) sind an Renaissance Malerei und Skulptur sowie französischen und englischen Malern des 19. Jahrhunderts interessiert. Die Angehörigen des Kosmetikimperioums EstÉe Lauder, Jo Carole und Ronald S. Lauder (New York, Wainscott, Washington D.C., Palm Beach, Paris), sowie Leonard Lauder (New York) verfolgen auch ganz genaue Interessen, während Jo Carole und Ronald sich auf Kunst aus dem späten 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhunder, vorallem aus Deutschland und Österreich konzentrieren und zudem dekorative Kunst, Rüstungen und Waffen, alte Meister, Antiquitäten und Kunst aus dem Mittelalter kaufen, konzentriert sich Leonard ausschließlich auf Kubismus.

Myriam und Guy Ullens Myriam und Guy Ullens

Weitere Sammler, die vorallem Kunst aus dem deutschsprachigen Raum sammeln sind der Werner Merzbacher (Zürich, Pelzhandel und Finanzen), dem es vor allem der Fauvismus und der deutsche Expressionismus angetan haben. So auch Christian Bührle, der alte Meister und deutsche Expressionisten sowie schweizer Kunst und in Teilen moderne und zeitgenössische Kunst sammelt.
Das größte Interesse für speziell deutsche Künstler wird – oh Wunder – in der Sparte zeitgenössische Kunst deutlich: der Herausgeber Benedikt Taschen (Los Angeles, Berlin) sucht amerikanische, britische und eben deutsche zeitgenössische Kunst. Auch Christine und Andrew Hall (Westport, Connecticut, Warenhandel) und Uli Knecht (Stuttgart, Mode design und Einzelhandel), Sylvia und Ulrich Ströher (Darmstadt, Immobilien, Finanz, Private Equity), Agnes und Karlheinz Essle (Wien und Losterneuburg, Einzelhandel Baumarkt) und die Grässlin Familie (Sankt Georgen, Produzent) (konzentrieren sich auch ausschließlich auf zeitgenössische deutsche Künstler. Bei Christian Bührle (Zürich, Technologie).
Interessent ist weiter dass es einige bedeutende Sammler für asiatische und lateinamerikanische Kunst in der List gibt. Während Nasser David Khalili (London, Immobilien und Investment) islamische Kunst, swedische Textilien, Spanische damazenische Metallarbeiten, Lackarbeiten aus aller Welt sowie japanische Kunst der Meiji Periode anhäuft, genügt es Lawrence J. Ellison (Woodside, Kalifornien, Software) Europäische Kunst aus dem späten 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert sowie japanische Kunst von Antik bis zum frühen 20. Jahrhundert nach zu jagen. Bei Cindy und Howard Rachofsky (Dallas, Investments) ist das Interesse noch etwas spezialisierter: zeitgenössische und Nachkriegskunst aus den USA und Europa sowie aus Japan soll es sein. Chinesisches Porzellan interessiert den Computer Hardware Unternehmer Frank Huang in Taipei während der Autohändler Yang Bin in Beijing an moderner und zeitgenössischer chinesischer Kunst interessiert ist. Chinesische Skulpturen haben es, alten Meistern, moderner und zeitgenössischer Kunst auch dem Paar Debra und Leon Black aus New York angetan. Qiao Zhibing (Shanghai, Entertainment), Budi Tek (Shanghai/Jakarta, Nahrungsmittelvertrieb), Wang Wie und Liu Yiqian (Shanghai, Investment) sowie Thomas Shao (Beijing, Verlag) sind auch, wenn auch nicht unbedingt ausschließlich, an Kunst aus dem eigenen Land interessiert. Desweiteren interessiert chinesische Kunst von Antik bis aktuell auch die Sammler Blema und Arnold Steinberg (Montreal, Universitätsleitung) und Uli Sigg (Mauensee in der Schweiz, Medien).

Die Kunst Latein-Americas wird natürlich auch am ehesten in der Region gesammelt, wie z.B. von Betty und Isaac Rudman in der domenikanischen Republik (Import und Heimeinrichtungsfertigung) die ein spezielles Interesse an vor-kolumbianischer Kunst haben oder Ricard Akagawa in Sao Paulo (Reiseagentur) der zeitgenössische lateinamerikanische Kunst kauf. Beachtenswert ist aber auch das Interesse von Ella Fontanals-Cisneros (Madrid/Gstaad, Investment, Immobilien, Telekommunikation) für Architectur und historische geometrische Abstraktion aus Lateinamerika. Auch afrikanische Kunst findet bedeutende Sammler: Raymond J. McGuire (New York, Finanzen), Michael Ovitz (Los Angeles, Technologie und Investment), Toby und Joey Tanenbaum (Toronto und Naples, Immobilien und Hydroelektrizität) sowie Jochen Zeitz (Kapstadt, Investment), haben Kunst aus Ländern dieses in der westlichen Welt wenig beachteten Kontinents aus unterschiedlichen Perioden zu ihrem Steckenpferd gemacht.

Marieke und Pieter Sanders Marieke und Pieter Sanders

Alte Meister sammeln vor allem Eric de Rothschild (Paris und Pauillac, Banking), David Thomson (Toronto, Medien), Leonid Mikhelson (Moskau, Gas Firma), Prince Hans-Adam II von und zu Liechtenstein (Vaduz, Erbe), Rose-Marie und Eijk van Otterloo (Naples Florida, Investment Fund), Barney Ebsworth (Seattle, Kreuzfahrtschiffe und Luxusreisen), Joseph Safra (New York, Sao Paulo, Geneva, Banking), Paul Allen (Seattle, Computer Software und Sport Franchise), Philip S. Niarchos (Sankt Moritz, Schifffahrt und Finanzen), Fayez Sarofim (Houston, Investmentberatung), Marianne und Alan Schwartz (Birmingham, Rechtpraxis) sowie Carlos Slim Helú (Mexico City, Telekommunikation, Finanzen und Einzelhandel). Dieses Marktsegment wird also hauptsächlich von in den USA lebenden Sammlern bestimmt.

In Deutschland und der Schweiz ansässige Sammler zeitgenössischer Kunst, die sich auf der Liste wiederfinden lassen dürften auch teils bekannt sein, da ihre Sammlungen in imponierenden Bauten für die Öffentlichkeit zugänglich sind: Um die Sammlung von Christian Boros in Berlin zu sehen, muss man sich Monate vorher in die Warteliste für einen Besuch eintragen. Einfacher ist es mit der Sammlung von Udo Brandhorst in München, wo ein Cy Twombly neben dem nächsten Warhol hängt. Man sollte aber vielleicht auch hellhörig werden, wenn man die Namen Ingvild Goetz (München, Erbe), Julia Stoschek (Düsseldorf, Automobilindrustrie), Jutta und Siegfried Weishaupt (Laupheim, Brennstofftechnologie), Ellen und Michael Ringier (Zürich, Verlag), Laurence Graff (Gstaad, Schmuck), Christiane Schaufler-Münch und Peter Schaufler (Sindelfingen, Industrie), Barbara und Axel Haubrok (Berlin, Consulting), Esther Grether (Basel, Pharma- und Kostmetikvertrieb), Maja Oeri und Hans Bodenmann (Basel, Erbe) oder Alison und Peter W. Klein (Eberdingen-Nussdorf, Immobilien) hört. Letztgenannte sammeln auch Kunst der Aboriginals.

Besonders hervorzuheben sind zum Abschluss noch zwei Sammlungen in den USA: Barbara Lee in Cambridge, Massachusetts (Investment) sammelt ausschließlich zeitgenössische Kunst von Frauen. Margaret Munzer Loeb und Daniel S. Loeb in New York (Hedge fond) sammeln Nachkriegskunst und zeitgenössiche Kunst mit besonderem Augenmerk auf feministische Tendenzen.
Die gesamte Liste aller Namen finden Sie hier!

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