blog1 Simon de Pury in der Austellung der Lambert Collection, Oktober 2015
Foto: Luke MacGregor für Bloomberg

Die Auktion erzielte mit 14,9 Millionen Pfund ein gutes Ergebnis. Lediglich 11% der Lose fanden keinen neuen Besitzer. Diese war die erste Auktion, die von Simon de Pury geleitet wurde, seit er 2012 das Auktionshaus Phillips verließ.

Im November 2004 führte Simon de Pury durch eine Auktion mit Fotografien aus der Lambert Collection (Veronica's Revenge), welche eine Gesamtsumme von 12,5 Millionen USD erzielte, was den Weltrekord für eine Fotografie-Auktion bedeutete.

Dieses Selbstportrait von Cindy Sherman Untitled (# 276),1993, verkauft für 212.500 GBP, war Teil des Erfolges der Auktion im Oktober 2015.

blog2 Cindy Sherman (geb. 1954) Untitled (#276), 1993
Schätzpreis: 80.000-120.000 GBP
Erzielter Preis: 212.500 GBP
Foto mit freundlicher Genehmigung von Christie’s und De Pury

Tomas Schüttes Bronzeskulptur Wicht (2006) begeisterte die Massen, als sie für das Vierfache ihres Schätzpreises verkauft wurde.

blog3 Thomas Schütte (geb. 1954), Wicht (2006)
Schätzpreis: 120.000-180.000 GBP
Erzielter Preis: 464.500 GBP
Foto mit freundlicher Genehmigung von Christie’s und De Pury

Das teuerste Objekt war Christopher Wools großes gemustertes Gemälde Untitled (1995), das für 4,9 Millionen GBP verkauft wurde.

blog4 Christopher Wool (geb. 1955), Untitled (1995)
Schätzpreis: 3.000.000-5.000.000 GBP
Erzielter Preis: 4.898.500 GBP
Foto mit freundlicher Genehmigung von Christie’s und De Pury

Im Anschluss an diese Auktion, bei der Online-Bieter eine große Rolle spielten, hatte Barnebys die Gelegenheit, Simon de Pury zu treffen und mit ihm über seine Beziehung zur Kunst und der digitalen Welt zu sprechen.

blog5 Simon de Pury
Foto: Richard Grassie

Welche Einstellung haben Sie zu den neuen Strategien bezüglich des Online-Marktes und wie fügen diese sich in Ihre Karriere ein?

[...] Was mich am Kunstmarkt besonders interessiert, ist zu analysieren, inwiefern die technologische Revolution einen Einschnitt für den tatsächlichen Markt bedeutet.

Alle Märkte haben sich durch das Internet verändert, wobei der Kunstmarkt derjenige ist, der sich den Veränderungen am meisten widersetzt. Es ist alles eine Frage der Zeit. Ich denke nicht, dass wir uns dem dauerhaft verschließen können. [...]

[...] Der Kunstmarkt gleicht einer Pyramide. An der Spitze dieser Pyramide stehen die wenigen Leute, die bereit sind, für ein Kunstwerk mehr als 100.000 USD auszugeben. Für diese Spitze ist das Internet noch nicht von entscheidender Bedeutung und die altbewerten Vorgehensweisen werden dort noch immer bevorzugt. Am Fuß der Pyramide steht eBay, welches schon frühzeitig eine Lösung für die Liebhaber von Second Hand-Waren gefunden hat, die Kunst gerne online kaufen möchten. Für Objekte mit einem Wert zwischen 1000 USD und 2 Millionen USD muss ein effizienterer Weg gefunden werden, um sie zu diesen Preisen zu verkaufen. Das Internet erscheint ideal dafür.

Bei diesem Preisniveau ist es wichtig, dass man die Möglichkeit hat, ein Objekt, an dem man Interesse hat, physisch in Augenschein zu nehmen. Vor den Zeiten des Internets wäre niemand auf die Idee gekommen, Auktionen mit hochwertiger Kunst abzuhalten, zu der man im Vorfeld nur Zugang durch einen Katalog hatte. Aus demselben Grund glaube ich nicht an „Online Only"-Verkäufe. Wir unterstützen eine gemischte Lösung ohne physische Kataloge, aber mit physischen Ausstellungen. [...]

Wie sehen Sie die Entwicklung des Internets in der heutigen Welt?

Ich denke, es gibt einen kompletten Teil des Kunstmarktes, für den das Internet zukünftig die wichtigste Rolle spielen wird. Im Hinblick darauf werden wir in den nächsten zwei drei Jahren eine enorme Entwicklung verfolgen können.

Wie schätzen Sie die Atmosphäre in den Auktionssälen ein – im Gegensatz zu den neuen Technologien (Live Auktion)?

Ich denke, es ist wichtig, die Stimmung in einem Auktionsaal richtig zu vermitteln. Sobald ein gewisses Preisniveau überschritten ist, werden die meisten der Verkäufe in den großen Auktionen über Telefongebote abgewickelt. Verfolgt man eine Auktion via Telefon, bekommt man noch ein wenig von der Atmosphäre mit. [...]

Es gibt nichts besseres, als selbst im Auktionsaal anwesend zu sein. Aber ich denke, wenn mehr an der Übertragung dieser Auktionen gearbeitet wird, wird auch die Stimmung im Saal demjenigen besser übermittelt werden, der die Auktion auf dem iPhone, iPad etc. verfolgt. Je besser man die Atmosphäre vermittelt, desto mehr ermutigt man die Menschen, von überall aus an den Verkäufen teilzunehmen.

Was denken Sie über den Rückgang der gedruckten Kataloge und Verkäufe?

Das ist eine Frage der Übung [...] und eine Frage der Zeit. Ich denke, wir können diesen Prozess noch beschleunigen, indem wir die besten Informationen nur noch ins Internet stellen und es so attraktiv wie möglich gestalten.

Bis vor Kurzem war der gedruckte Katalog das beste Verkaufsinstrument. Heute sind es Tablets und Smartphones. Dazu müssen wir uns neue Strategien überlegen, mit denen wir die Leute dazu bringen, nach Kunst mittels dieser neuen Medien zu stöbern.

Was halten Sie von Auktionsplattformen wie invaluable, the salesroom, etc.?

Sie bieten Ihren Nutzern, die Interesse an Auktionen haben, neue Möglichkeiten. Für einen Sammler ist es am wichtigsten, dass er das, wonach er sucht, überall kaufen kann. Je früher wir ein System entwickeln, das das berücksichtigt, desto besser.

Was ist ihre Meinung bezüglich der Transparenz des Kunstmarktes?

Ich glaube an die Transparenz des Kunstmarktes. Letztendlich profitiert jeder davon. [...] Heutzutage, kann jeder, der schnellen Zugang zu Datenbänken hat, ganze Listen mit Kunstwerken und Preisen einsehen.

Ich glaube, dieser schnelle Zugriff auf Informationen ist eine gute Sache. Soweit hat wohl noch niemand eine geeignete Lösung gefunden, wie man die klassische und die technologische Seite am Besten miteinander verbinden könnte.

Sie haben in Ihrer Jugend überlegt Künstler zu werden. Wie betrachten Sie die heutige Rolle der Künstler im Zusammenspiel mit den neuen Technologien?

Ich bin der Ansicht, dass die neuen Technologien den Künstlern fantastische Möglichkeiten bieten, um sich selbst auszudrücken. Die digitale Kommunikation dient ihnen als neues Medium. Parallel dazu gibt es eine „Back to Basics"-Bewegung, mit ihrem Revival von Keramik, Textilien und all den anderen traditionellen Praktiken. Das Neue hilft, das Alte zu entdecken. [...] Was von wirklicher Bedeutung ist, das sind die Qualität und die Gefühle, die die Kunstwerke vermitteln können.

Für Ihren Oktober-Verkauf stellen Sie die Objekte in einem Raum aus, der wie der eines Kunstsammlers aussieht. Weshalb ist diese Art der Ausstellung selbst eine Kunstperformance?

Wenn sich jemand dazu entschließt, eine Vorbesichtigung zu besuchen, dann sollte dies unter den besten Voraussetzungen geschehen. Vor allem, wenn es sich um die unterschiedlichsten Objekte aus verschiedenen Zeiten und unterschiedlicher Herkunft handelt. Es ist sinnvoll zu zeigen, wie diese Objekte zusammenpassen könnten.

Viele Leute sind unsicher ein Objekt zu kaufen, das außerhalb Ihres Wissenshorizontes oder Interesses liegt. Kunst- und Designsammler hingegen sind sehr an einer möglichst großen Vielfalt an Objekten interessiert. Es ist der Wunsch, über bestimmte Epochen hinauszugehen und letztendlich ein Interesse an ungewöhnlichen Kunstwerken und vergleichendem Gegenüberstellen. [...]

Interview von Astrid Rosetti

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