In Amerika kann alles passieren, wenn man Hollywoodfilmen glauben schenken möchte. Vielleicht ist es aber wirklich wahr. Kürzlich wurde eine Geschichte publik, die in puncto Unwahrscheinlichkeit kaum zu überbieten ist: In den USA sicherte ein Schrotthändler mit einem auf dem Flohmarkt erstandenen Metallei im Wert von 9.400 Euro seine Rente...

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Wie es der unglaubliche Zufall wollte, war das Ei „etwas“ wertvoller als anfangs gedacht… Das Ei entpuppte sich als eines der acht vermissten Fabergé-Eier. Nachdem dies festgestellt worden war, betrug der Preisanstieg 2470% und das neue Preisschild benötigte ein paar Zählchen mehr: 23.225.000 Euro!

Der Mann hatte das Ei zwar auf dem Flohmarkt gefunden, aber da es mit Juwelen und Edelsteinen besetzt ist, war auch schon zum damaligen Zeitpunkt der Preis von 9.400 Euro relativ hoch. Als er das Ei weiterverkaufen wollte, wurde er unsicher, da viele meinten, er verlange einen Wucherpreis. Aus diesem Grund ließ er das Ei von professioneller Seite schätzen, nachdem er Bilder ähnlicher Eier der Marke Fabergé in einem Buch entdeckt hatte. Es stellte sich heraus, dass auch dieses Ei ein echtes, von Carl Fabergé und seiner Werkstatt hergestelltes Ei ist.

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Das Ei, welches der Zarin Maria Fjodorowna 1887 zu Ostern geschenkt worden war, enthält eine Uhr von Vacheron Constantin. Das letzte Mal, dass das Ei öffentlich gesehen wurde, war auf einer Ausstellung in Sankt Petersburg im März 1902. Was zwischen 1922 und 1964 mit dem Ei geschah, ist ungewiss. Man weiß nur, dass es auf einer Auktion in New York im Jahr 1964 verkauft wurde.

Die Fabergé-Eier, die als absolute Meisterwerke der Goldschmiedekunst bewertet werden, wurden zwischen 1885 und 1917 hergestellt. Dieses Ei ist eine frühe Produktion und wurde 1887 unter der Leitung des finnischen Goldschmiedes August Holmström bei Fabergé hergestellt.

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Insgesamt gibt es nicht weniger als 57 juwelenbesetzte Eier, die im Auftrag der russischen Zaren Alexander III. und Nikolaus II. als jährliches Ostergeschenk für die Zarinnen Maria Fjodorowna und Alexandra Fjorodowna von Fabergé produziert wurden. Das erste Ei wurde 1885 auf Wunsch von Alexander III. hergestellt, der es seiner Gemahlin Maria Fjodorowna schenkte. Die Zarin war so entzückt von dem Ei, dass Alexander Carl Fabergé zum Hoflieferanten ernannte. Jedes Ostern sollten er und seine Mitarbeiter ein neues, völlig einzigartiges Ei mit einer Überraschung darin präsentieren. Nikolaus II. übernahm diese Tradition und fuhr damit fort, die einzigartigen Ostergeschenke sowohl seiner Frau Alexandra Fjodorowna als auch der verwitweten Zarin zu schenken.

Fabergéägg_nyupptäckt-av-skrothandlare_detaljbild-från-1902

Insgesamt wurden also 57 Eier in all den Jahren produziert. Das einzige Ei, von dem man weiß, dass es Russland mitsamt seiner ursprünglichen Besitzerin verlassen hat, war das Ei, welches Maria Fjodorowna 1918 mitnahm, als sie aus Russland flüchtete. Die restlichen Eier wurden während der russischen Revolution teils vergessen, manche wurden auch gestohlen. In den 1930er Jahren verkaufte Josef Stalin 14 Eier auf einer westlichen Auktion zum regelrechten Spottpreis - wenn man die damaligen Preise in heutige Relationen setzt - um den Staatshaushalt aufzubessern. Heute sind noch 21 Eier in Moskau im Kremel Museum ausgestellt. 2004 überschlugen sich die Schlagzeilen, als der russische Gas- und Ölmilliardär Wiktor Wekselberg neun Eier aus der Fabergésammlung der Verlegerfamilie Forbes kaufte. Die neun Eier sollten ursprünglich in einer Auktion versteigert werden. Ihr Verkauf wurde jedoch nie per Hammerschlag besiegelt, vielmehr wurden sie privat an Wiktor Wekselberg für eine beträchtlige Summe verkauft. Der Milliardär befand allerdings, dass sie Eier im Grunde unbezahlbar seien und beschrieb sie als einen der feinsten, je dagewesenen Kulturschätze Russlands. Gegenüber der BBC fasste er seine Verehrung mit den Worten "the religious, spiritual and emotional content captured by these Fabergé eggs touches upon the soul of the Russian people" zusammen.

Wartski-Bangor_fabergé

Weitere Eier befinden sich u.a. im Virginia Museum of Fine Arts, im New Orleans Museum of Art oder in Privatbesitz, während acht Eier bisher ein ungewisses Dasein fristeten. Nun sind nur noch sieben Eier auf dieser Liste. Das achte Ei gehörte - wie wir oben erfahren haben - vor kurzem einem Schrotthändler. Nun hat der seit 1865 tätige walisische Antik- und Juwelenhändler Wartski  das Ei angekauft. Wartski kann mit einem Spezialisierungsprofil für Objekte von Fabergé aufwarten. Das Unternehmen hat das Ei für rund 23.225.000 Euro an einen anonymen Sammler vermittelt.

Halten Sie also stets die Augen auf, denn sieben weitere Fabergé-Eier werden noch immer vermisst. Und man weiß ja nie, wo sie wieder auftauchen könnten...

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