pennTom Penn, fotografiert von Lennart Durehed, der Assistent von Irving Penn war.

Tom Penn ist auf Schwedenbesuch. Sofia Silfverstolpe hat die Gelegenheit zu einem Frühstück mit ihm genutzt. Silfverstolpe schreibt regelmäßig in unserem schwedischen Blog „Form Observateur" , sie ist Kommunikationsmanagerin im Kunstbereich und Spezialistin auf dem Gebiet Design 20. Jahrhundert sowie Silber und Schmuck.

Wie kommt es, dass Irving Penns Fotografien nun bei Åmells Konsthandel in Stockholm ausgestellt werden?
Da meine Mutter Schwedin ist, bin ich viele Male in Schweden gewesen. Über die Jahre bin ich oft an Åmells Konsthandel vorbeigegangen und habe die schönen Gemälde bewundert. Die Idee eine permanente Galerie für Irving Penn in Stockholm zu finden spukte umher und führte dazu, dass ich eines Tages, vor ca. eineinhalb Jahren auf die Türklingel bei Åmells drückte, um mich nach einem möglichen Termin mit Herrn Åmell zu erkundigen. Zu meiner großen Freude kam Verner Åmell schnurstracks aus dem Obergeschoss der Galerie nach unten und wir setzten uns, um uns über Irving Penn und die Fotokunst zu unterhalten. Schnell war klar, dass Åmells sehr großes Interesse hatte. Ein wichtiger Faktor ist, dass es sich um limitierte Auflagen handelt, jedes Bild ist registriert und bildet ein zusammenhängendes Ouevre.

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Chanel Federkopfschmuck, New York, 1994. Foto: Irving Penn / Åmells Konsthandel

Wie stark ist Ihre Verbindung zu Schweden?
Ich habe meine Seele hier. Als Kind reisten wir jeden Sommer zu „my mormors house" (Anm. d. Red.: „mormor" ist die Großmutter mütterlicherseits) an der Westküste. Heute dient Stockholm als mein Tor nach Europa. Ich fange immer hier an und jedes Mal wohne ich im Lydmar. Ein wunderbares Hotel mit junger und lebhafter Atmosphäre und das liebenswürdigste Personal, dass mir je begegnet ist.

Als Sie aufwuchsen, worüber sprachen sie da am Abendbrottisch?
Wir wohnten in einem Haus in Huntington auf Long Island und unsere Gespräche kreisten meist um unsere aktuellen Aktivitäten. Mutter arbeitete mit Skulptur, sie erzählte von ihrer Arbeit und Vater konnte sich auf ein paar seiner Fotografien beziehen. Ich kam dazu mich als Designer auszubilden, wodurch sich der Dialog dann zwischen meiner Mutter und mir sehr viel um handwerkliche Ausrüstung, Schleifbänke und Werkzeug drehte.

Wart ihr viel in den New Yorker Kunstkreisen unterwegs?
Nein, wir waren sehr privat. Wenn wir eine Galerie besuchten, machten wir das außerhalb der üblichen Öffnungszeiten. Wir stürzten uns in kein Vernissagegetümmel und gingen nicht auf Cocktailparties.

In Irving Penns Fotografien wird das Hässliche schön, worin gründet dieses Können?
Demut.

Beschreiben Sie was Sie damit meinen?
Mein Vater war ein sehr besonnener Mann, der die Dinge nicht als hässlich empfand. Im Foto „Iceland Poppy", das drei Mohnblumen in unterschiedlichen Stadien zeigt wird dies ersichtlich. Eine der Blumen ist gerade am Lebensanfang, eine weitere ist mitten drin und eine dritte ist dabei zu sterben. Die junge Blume, deren Knospe gerade aufgeht, ist einfach nur, jene in voller Blüte hinterfragt sich selbst und die sterbende hat ihre Blütenblätter verloren und blickt philosophisch zurück. Die drei Blumen sind wie drei Portraits. Keines ist hässlich, es ist nur das Leben in unterschiedlichen Phasen.

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Haben Sie selbst ein Lieblingswerk in der Ausstellung?
Zum einen sind es die Mohnblüten und dann ist da eines der frühen Modefotografien mit einem großen Hut. Die Qualität ist beachtlich. Der Reichtum an Details in der Schwärze ist enorm, eine solche Schärfe, man kann die Fasern des schwarzen Samtes och sogar Fingerabdrücke in der Mitte des oberen Teils des Hutes ausmachen. Das Foto hat starke skulpturale Effekte und erinnert an eine abstrakte Komposition.

 

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Irving Penn startete seine Karriere als Modefotograf für Vogue. Fashion Photograph (Jean Patchett) (A), New York, 1949. Foto: Irving Penn / diveintofashion.files.wordpress.com

Gibt es immer einen Auftraggeber hinter jedem Bild?
Nein, es sind sowohl kommerzielle als auch künstlerische Bilder. Die Stilllebenbilder bestehen aus Gegenständen, die wir zu Hause hatten. Es waren Gegenstände, die Vater dokumentieren wollte. Dann gibt es die poetischen Nacktaufnahmen. Alexandra Beller wurde gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, nackt zu posieren. Das mache ich gerne gab sie zur Antwort. Vater fand sie äußerst hübsch. Dahingegen machte Vater nie private Familienbilder, ich glaube er fotografierte mich ein Mal und das war am Ende der 8. Klasse, das ist das einzige Foto, das existiert.

 

Hatte Irving Penn irgendeinen Lieblingskünstler?
Es ist wahr, dass er ein großer Kunstliebhaber war, aber ich würde nicht sagen, dass er eine Art Top-zehn Liste hatte. Stattdessen aber eine umfassende Kunstbibliothek, welche nicht nur die klassischen Künstler anführte sonder auch viele Überraschungen bot. Vater war sehr belesen und verwendete einen großen Teil seiner Freizeit aufs studieren. Wenn er jemanden portraitieren sollte, wollte er gut vorbereitet sein und sich in Leben und Arbeit dieses Menschen hineinversetzen. Nach einer Fotosession führte er gerne die Gespräche fort, um die/den Portraitierte/n besser kennenzulernen.

 

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Anstatt Muttermale zu verstecken, hebt Irving Penn sie hervor. Ingmar Bergman, Stockholm 1964, Foto: Irving Penn / Åmells Konsthandel

Stimmt es dass alle negative von Irving Penn zerstört sind?
Ja. Es war sehr schwer und bewegend diesen Entschluss zu fassen. Das passierte ein paar Jahre vor dem Ableben meines Vaters und trifft sowohl auf die Negative als auch auf bestimmte Bilder zu, die er nicht für die Nachwelt aufbewahren wollte. Der Hauptgrund ist die Möglichkeit Irving Penns Künstlertum zu schützen, was sich komplett richtig anfühlt, da er selbst davon besessen war, dass die Bilder in seiner Weise entwickelt wurden. Es bedeutet, dass jede Kopie einzigartig ist und nicht in einer neuen Auflage entwickelt werden kann.

 

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Gisele, New York, 1999. Foto: Irving Penn / Åmells Konsthandel

Womit arbeitet die Irving Penn Foundation?
Wir arbeiten daran Wissen über Irving Penn und seine Kunst zu vermitteln und stellen sicher, dass die Werke, die übrig sind in permanenten Sammlungen und größeren Institutionen auf der ganzen Welt landen. Wir produzieren Bücher zu unterschiedlichen Ausstellungen und fungieren als eine zuverlässige und wertsichernde Informationsquelle um Irving Penns Leben und sein künstlerisches Werk. Jede Fotografie hat eine Registrierungsnummer, und wir bemühen uns diese bei jedem Verkauf zu verfolgen. Das Team der Irving Penn Foundation ist fantastisch und die meisten sind zu Lebzeiten meines Vaters angestellt worden, aber ich habe auch neues Personal angestellt, zu letzt letztes Jahr. Derzeit sind wir viele.

 

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Hell´s Angels, San Francisco, 1967. Foto: Irving Penn / Åmells Konsthandel

Erzählen Sie mit über die Sammlung im Moderna Museet?
Es ist eine Spende an das Moderna Museet in Schweden zum Gedenken an meine Mutter Lisa Fonssagrives-Penn. Die Sammlung beinhaltet 100 Fotografien, die mein Vater von Hand verlesen hat. Sämtliche Kategorien wie Stillleben, Portrait, Landschaft und Modefotografie, gleichermaßen wie auch ein paar Skulpturen und Aquarelle, die meine Mutter hergestellt hat. Nicht allzu lange her wurde die Sammlung in Malmö ausgestellt, um dann weiter nach Tallinn zu reisen.

In welcher weise unterscheidet sich Fotografie von anderen Kunstformen?
Fotografie ist ein vielseitiges Medium mit großen Möglichkeiten mehrere unterschiedliche Ebenen und Gefühle hervorzukehren. Es ist auch ein Wegmacher für andere Kunstformen, sowohl für Stillleben als auch für Skulptur, die ein Foto einfangen kann.

Schönheit kann oberflächlich sein, gibt es eine Gefahr darin?
Ich habe mir angewöhnt nicht an der Stelle meines Vaters zu antworten. Er hatte immer etwas tiefes zu sagen.

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Miles Davis Hand on Trumpet, New York, 1986. Foto: Irving Penn / Åmells Konsthandel.

Was machen Sie gerne an einem freien Sonntag?
Das hängt zu einem hohen Grad davon ab, wo ich mich in der Welt befinde. Wenn ich in New York bin, mag ich es im Garten in Huntington zu sein und in meinem Studio zu arbeiten.

 

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Die Ausstellung Irving Penn Timeless Moments läuft bei Åmells Konsthandel vom 6 bis 26. September.

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