Die Werke von Irma Stern, die Bonhams am 1. Oktober auktioniert, sind von hervorragender Qualität und geben einen guten Überblick über die unterschiedlichen Phasen der Künstlerin; exotische Landschaften und satte Stillleben mit Farb- und Rhythmusexperimenten reflektieren ihre unterschiedlichen Aufenthaltsorte, sowie ihre Ausbildung bei Max Pechstein in Berlin.

Die Grande Dame Südafrikanischer Kunst, eine der meistbegehrten Künstlerinnen unserer Zeit Irma Stern hatte deutsche jüdische Eltern und wurde in Schweizer-Reneke in Transvaal geboren. 1900 musste Stern mit ansehen wie ihr Vater und Onkel auf Grund für ihre Boer-Sympathie verhaftet und in ein Konzentrationslager interniert wurden. 1901 kehrte die Familie nach Deutschland zurück und pendelte ab da regelmäßig nach Südafrika.

Während ihres gesamten Lebens reiste Stern beständig im afrikanischen Kontinent und sammelte viele Artefakte, die Einfluss auf ihre künstlerische Arbeit hatten. In den 1940er Jahren beginnt Stern sich von stark ethnographischen Themen zu distanzieren und bezeichnet sich in der Folge als Modernistin. Werke aus dieser Periode sind heute besonder viel wert.

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Irma Stern, Stillife with African Woman in Zanzibar (Stillleben mit Afrikanischer Frau in Sansibar) (£800,000-1.2 Mio.), Lot 44.
Jacob Epstein war über die Maßen froh, als Stern nach London kam. Er attestierte ihr außergewöhnliches Talent, meinte niemand Lebendes könnte Blumen so malen wie sie, nicht einmal Renoir hatte es gekonnt.

Nur Werke, die Stern selbst als besonders gelungen ansah, wurden mit einem handgefertigten „Sansibar Rahmen" aus Hartholz ausgestellt. Ein Beispiel eines solchen Favoriten ist Lot 45, 'Sansibar Garden' (£200,000-300,000). Die Üppigkeit der tropischen Vegetation steht in starkem Kontrast zu den kühlen, geordneten Szenen aus ihrem Garden in Kapstadt.

zanzibar-gardenIrma Stern, 'Zanzibar Garden' (Sansibar Garten) (£200,000-300,000). Lot 45

Ihre Reisen durch Afrika während des zweiten Weltkriegs lieferten einerseits Sujets für neue Werke, gleichzeitig versuchte sie auch Alternativen gegenüber Europa zu finden, dessen Pforten verschlossen waren. Obwohl sie sehr produktiv während dieser Zeit war, zeigen die Nachkriegswerke lot 60 'The Entrance to the Grand Canal, Venice' 1948 (£400,000-600,000) and lot 61 'Fishing Boats, Amalfi' 1953 (£70,000-100,000) doch, welche Energie Irma Stern aus ihrer Rückkehr nach Europa schlöpfen konnte. Venedigs Architektur, Licht und Wasser hatten, wie auch schon auf viele andere große Künstler vor ihr eine magische, Leidenschaft freisetzende, Wirkung.

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