HH_69_LotNo_2429_Ottoman_silver_mounted_khanjar_Mid_9500

Herr Weis, was sind die Höhepunkte der 69. Auktion bei Hermann Historica?

Eine Auktion mit einem so breiten Angebot hat natürlich zahlreiche Höhepunkte. Nicht alles ist bei dem stets sehr dynamischen Marktgeschehen vorhersehbar, auch ich werde immer wieder von Ergebnissen überrascht.

Im Bereich der Alten Waffen ist traditionell der Markt für orientalische Waffen aus dem Osmanischen Reich, Persien und Indien stark umkämpft. Gerade die hochwertigen Luxuswaffen wie Dolche mit Jadegriffen können hier teils sehr gute Preise erzielen. Der starke Markt für Chinesische Antiquitäten wird auch in diesen Bereich unserer Auktion sicher für einige Überraschungen sorgen. Als bedeutendstes Stück im Bereich alte Waffen bieten wir einen Lederbespannten Schild aus der Trabantengarde des Salzburger Erzbischofs Wolf-Dietrich von Raitenau an. Von diesen Schilden sind Weltweit in Museen noch ca. 100 Exemplare erhalten, der von uns angebotene zählt aber sicher zu den schönsten und am besten erhaltenen Exemplaren und ist daher ohne Zweifel von höchster musealer Qualität. Bei einem Startpreis von 25.000 Euros hoffe ich auf rege Bieterbeteiligung.

Die Schusswaffenauktion beginnt am ersten Tag mit einer Gruppe extrem hochwertiger Radschlosswaffen, die sicher einen interessanten Auftakt geben. Bei den Orden und Auszeichnungen bieten wir einige frühe, hohe Verleihungsstufen aus altem Italienischen Adelsbesitz an, die von höchster Seltenheit sind.

Im Bereich der Militaria sind derzeit Objekte aus der Zeit des ersten Weltkrieges sehr gefragt. Interessant sind hier besonders zwei Uniformteile aus dem persönlichen Besitz Kaiser Franz Josephs I. von Österreich.

HH_69_LotNo_0042_Double_barrel_wheellock_puffer_35000

Haben Sie ein Lieblingsobjekt in dieser Auktion?

Zu meinen Lieblingsstücken zählt das 1608 in Den Haag entstandene Lehrbuch „The Exercise of Armes". Die seltene englischsprachige Ausgabe dieses militärhistorischen Standardwerks ist mit 117 großformatigen Kupferstichen von Jacob de Gehen illustriert. Diese zeigen die komplizierte Abfolge der Befehle und Manöver für Schützen, Musketiere und Pikeniere, die im frühen 17. Jh. komplizierte Manöver in geschlossener Formation ausüben konnten.

Ich habe gesehen, dass ein kugelsicheres Schild, das ca. 7,56 kg wiegt und aus Dresden stammt auktioniert wird. Können Sie uns mehr über dieses Objekt und seine Provenienz verraten?

Die genaue Provenienz dieses Schildes ist leider nicht überliefert. Da es sich aber um ein sehr hochwertiges Objekt handelt, das anhand stilistischer Kriterien mit großer Wahrscheinlichkeit aus Sachsen stammt, ist es gut möglich, dass es ursprünglich aus den Beständen der Dresdner Rüstkammer stammt. Im 19. Und 20. Jh. wurden aus dieser großen Sammlung bei verschiedenen Gelegenheiten Teile der Bestände verkauft und sind heute in Museen und Privatsammlungen in aller Welt zu finden.

Interessant an diesem Stück ist die Kombination eines schweren kugelfesten Schildes für den Feldgebrauch, mit vergoldeten Zierauflagen, die man so eher auf Paradestücken erwartet. Der Schild gehörte sicher einmal einer höherstehenden Persönlichkeit, der großen Wert auf seine prachtvolle Erscheinung auf dem Schlachtfeld legte.

HH_69_LotNo_3044_Raitenau_Shield_25000_3043_Hand_Shield_12000 - Kopie

HH_69_LotNo_3093_Etched_cuirass_Medici_10000 - Kopie

 

 

 

Sie führen ja immer wieder sagenhafte Objekte mit aristokratischer Provenienz in ihrem Haus. Welche Gegenstände sind in dieser Auktion von besonders spannender Provenienz?

In dieser Auktion bieten wir zum Beispiel ein paar hochwertige Steinschlosspistolen aus der Gewehrkammer der Russischen Zarin Elisabeth Petrovna (1709 – 1762) an. Nicht von aristokratischer Provenienz, aber dennoch sehr interessant ist auch das persönliche Fotoalbum des berühmten Deutschen Fliegerasses Ernst Udet, das 160 Aufnahmen aus seiner Dienstzeit im ersten Weltkrieg zeigt.

Vorauf sind Sie persönlich besonders stolz in Bezug auf die kommende Auktion?

Am ehesten auf einen seltenen doppelläufigen Radschlosspuffer um 1580, den wir mit 35.000 Euro taxiert haben. Ich habe die Auflösung einer großen privaten Schusswaffensammlung seit langer Zeit betreut und konnte dieses besondere Stück erst nach über zehn Jahren vertrauensvoller Zusammenarbeit von den Eigentümern erhalten.

Welches Objekt hat Sie oder einen Ihrer Kollegen besonders überrascht?

Eine unscheinbare französische Tabatiere um 1780. In der Dose aus vergoldetem Messing befand sich ein gut verstecktes Geheimfach mit einer hochwertig auf Emaille gemalten erotischen Miniatur.

Wie sind Sie Experte für Arms und Armour geworden?

Seit frühester Jugend bin ich Sammler und habe schon als Student viel Zeit auf Kunstmessen und Auktionen verbracht. Nachdem ich anfänglich Jura studierte, wurde in mir schnell der Wunsch groß, in einem Auktionshaus arbeiten zu wollen. Daher nahm ich noch das Studium der Kunstgeschichte auf und war nach meinem Abschluss zunächst als Experte für moderne Kunst tätig. Als sich 2001 die Möglichkeit bot zu Hermann-Historica zu wechseln, hatte ich den Vorteil, dass ich aus meiner langjährigen Erfahrung als Sammler schöpfen konnte und bereits einiges an Fachwissen über den Kunstmarkt sowie im Bereich Kunsthandwerk und alte Waffen mitbrachte.

Haben Sie Tipps für neue Sammler von Historica?

Die Möglichkeiten für einen Neueinstieg junger Sammler sind zurzeit besonders günstig. Die Preise haben sich in vielen Bereichen in den 10 – 20 Jahren leicht rezessiv wenn nicht sogar deutlich rückläufig entwickelt. Dies gilt insbesondere für die Objekte in den unteren und mittleren Preisklassen. Wir haben heute einen Käufermarkt, bei dem ein großes Angebot auf einen begrenzten Markt trifft. Junge Sammler können also auch mit moderatem finanziellen Einsatz durchaus an schöne Stücke gelangen.

Wer sich den Einstieg in ein Sammelgebiet überlegt sollte aber zunächst in Wissen investieren. Die ersten Ausgaben sollten vor allem in eine gute Fachbibliothek fließen, hier sollte man neben den gängigen Standardwerken auch alte Auktionskataloge der führenden Häuser zusammentragen um sich einen Überblick über das Angebot und das Preisgefüge auf dem Markt machen zu können.

Wertvolle Kontakte für junge Sammler sind auch immer die Experten der Auktionshäuser. Ich selbst beantworte, solange es meine Zeit zulässt, auch immer gerne fachliche Fragen, die sich nicht auf unsere Auktionen beziehen.

 

HH_69_LotNo_2768_Chinese_belt_buckle_1400_Jade_Objects

HH_69_LotNo_2550_Persian_gold_inlaid_cut_set_25000

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle Bilder Hermann Historica oHG 2014

 

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