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Crash, zwei LP's, Sprühfarbe/Vinyl-Schallplatte, sign., 1993 dat.; Abb.: Lempertz, Köln

Lempertz setzt preislich neue Maßstäbe, sowohl bei einigen modernen und zeitgenössischen Künstlern wie auch bei Werken für Street Art Künstler. Man darf deshalb extra gespannt sein, wie diese Auktion laufen wird.

Jef Verheyen ist Zero Gruppe Mitglied. Sein Werk Lichtstroom von 1969 gehört dem belgischen Museumsdirektor Willy Van den Bussche und soll mit einem Startpreis von 30000 Euro aufgerufen werden. Ähnliche Werke wurden bislang für ca. ein Drittel dieses Preises aufgerufen, aber die Nachfrage nach Zero Künstlern ist in der letzten Zeit stark angestiegen. Wer mit einem geringen Budget etwas von Verheyen ergattern möchte, sollte sich nicht die Aquarelle und Zeichnungen des Künstlers entgehen lassen, die schon ab 300 Euro zu haben sind. Weitere Namen von Rang in der Auktion sind z.B. Marlene Dumas, David Hockney, Jan Fabre, De Vuyst, und Eugène Leroy. Vor allem aber ist die Sammlung Hedwig Van Impe mit 114 Street Art Werken bemerkenswert.

Die Galeristin aus Sint-Lievens-Houtem entdeckte in den 90er Jahren ua. Cindy Sherman und Robert Longo aber auch die Street Art Künstler John „Crash" Matos und „Daze". Sie zeigte in aufsehenerregenden Ausstellungen Barbara Kruger neben Kenny Scharf. Ihre Galerie Cotthem-Hedwig Van Impe in Knokke wurde damit berühmt. Die Debatten um Graffiti als Vandalismus des öffentlichen Raum hat natürlich viele Facetten, von kostenspieliger Sanierung zu notwendigem Spiegelbild der Gesellschaft und Rückeroberung des von Werbung zugedröhnten Freiraums, gibt es viele verschiedene Meinungen zu und Varianten der kryptischen Zeichen, aufgesprühten Zeichen. Andere Formen von Street Art werden immer auch beliebter und die einstige Rebellion verschmilzt immer mehr mit Verbindungen zu Design und Luxus. Die kommerziellen und nicht ortsgebunden Kunstwerke dieser Kategorie werden häufig als unechte Street Art bezeichnet. Dennoch gibt es aber auch einen immer breiteren Konsens, dass es weniger um Aufstand als um das Spiel mit den Zeichen gehen muss, um das Spiel mit dem Raum und den Oberflächen.

Mit einer höher als üblichen Taxierung sorgt Lempertz implizit für ein Überdenken der Qualität von Street Art, welche häufig wenn überhaupt preislich eher zurückhaltend bewertet wurde, da es sich nicht selten um Editionen handelt. Hier zeigt sich wie konsequent Lempertz handelt: Einer der ettlichen Warholdrucke ist vielleicht technisch gesehen gar nicht so weit entfernt von den Herstellungsweisen der Street Art Künstler und wird dennoch für viele Millionen Dollar gehandelt. Die Auktion führt auch einen von David Hockney bemalten BMW, ein Werk, das Art Pop und Industriedesign miteinander vereint, gleichwohl wird auch ein von Kenny Scharf 1997 bemalter Ford Galaxie 500, taxiert auf 35 000 Euro geboten. Diese Werke erzählen gleichzeitig ein Stück industrielle Kulturgeschichte und reflektieren indirekt die Stadt als den Raum, in dem sich der Mensch permanent mit dem Maschinellen auseinandersetzen muss.

 

 

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