Marguerite Hoffman Marguerite Hoffman

Zum Auftakt stellte Jasper Sharp, Kurator für moderne und zeitgenössische Kunst im Kunsthistorischen Museum in Wien, die Hauptfragen vor, die die Gesprächsreihe Frieze Masters beschreiben sollten. Es ginge darum unergiebige kunsthistorische Kategorien nach Medium, Technik und landesspezifischer Herkunft aufzubrechen und zu den eigentlichen Überlegungen, die den Künstler während der Schaffung seines Kunstwerkes steuerten, zurückzufinden. Desweiteres konstatierte Sharp, dass es wichtig sei herauszufiltern, was auf der einen Seite Das Ziel von Kunsthistorikern und auf der anderen Seite das Ziel von Kunstmessen wie Frieze sowie privaten Sammlern ist, wenn man bestimmen will, was man sammeln sollte.

Danny Katz Danny Katz

Pijbes, der in den letzten Jahren auf vielen Bühnen gestanden hat, um Vorlesungen über die gesellschaftliche Rolle von Museen zu geben und auch regelmäßig für eine Vielzahl von Zeitschriften und Zeitungen schreibt, sowie in TV Sendungen teilnimmt, vertiefte sich in eine spannende Unterhaltung mit den beiden Sammlern. Die in Dallas lebende Sammlerin und Philanthropin Marguerite Hoffmann ist Kunsthistorikerin und prominente Förderin der Harvard University und fungierte so in Bezug auf die Themengebiete der Gesprächsreihe als Brücke zwischen Kunsthistorikern auf der einen und Sammlern auf der anderen Seite. Bisher beherbergt ihre Sammlung hauptsächlich Werke zeitgenössischer Künstler, neuerdings hat Sie aber auch begonnen mittelalterliche Manuskripte zu sammeln.
Dahingegen ist der in London ansässige Danny Katz ein alter Hase auf dem Gebiet der alten Meister; nicht nur Sammler, handelt er seit 1968 mit diesem geschichtsträchtigen Genre und hat sich über die Jahre den Ruf erarbeitet ein ganz besonderes „Auge" zu haben.

Hoffman beschreibt wie sie und ihr Mann einfach drauf los gesammelt haben, sowohl privat aber auch mit anderen Familien zusammen, um die Gemeinschaft in der sie in Dallas leben, kulturell zu bereichern. Damit ging ihre Sammlung in alle möglichen, scheinbar unvereinbare Richtungen. Dahingegen kann Katz' Haltung zum Sammeln eher als rationell betrachtet werden, Beschlüsse sind stark von technischen Fragen und musealer Qualität bestimmt.

Letztendlich sind beide passionierte Sammler, die einem grundlegenden Bedürfnis nachzugehen scheinen, während auch eine große Menge Fachwissen zur Anwendung kommt. Eine starke Parallele zwischen Hoffmans und Katz' divergierenden Geschmäckern ist ein Interesse an Werken die auch leicht unangenehme Gefühle hervorrufen, die zu Diskussion anregen und auf unerklärliche Weise herausfordernd auf den Betrachter wirken. Neue Ideen sind weniger wichtig als faszinierende Hintergrundgeschichten und beeindruckenden Techniken. Käufe passieren, weil sie passieren müssen, ob auf den ersten Blick oder erst mit der Zeit. Eine lauwarme Entscheidung gibt es nicht. Für Hoffman macht es keinen Sinn Werke aus Wohltätigkeit oder auf Grund politischer Überzeugungen zu kaufen, sie meint, die Werke müssen die Sammlung als Ganzes bereichern, gar aufwühlen können.

Danny Katz beschreibt, dass er beim Sammeln in jungen Jahren die Werke zum Zeitpunkt des Kaufes nicht als Teil einer Sammlung gesehen hat, vorrangig war immer das Werk zu besitzen, was er teils später auch bereute, da er sich nicht immer leisten konnte. Was er heutzutage verkauft und was er behält, kann Katz nicht leicht beantworten. Manche Werke sind mehrere Jahrzehnte in der Sammlung geblieben, andere Werke, die er sehr gern hat, kann er sich vorstellen zu verkaufen, da sie nicht gut in die Sammlung passen.

Gleichzeitig spielt für Katz heute das Präsentieren der Sammlung gegenüber der Öffentlichkeit eine zweitrangige Rolle. Leihgaben an Museen werden natürlich ständig gemacht, gleichzeitig vermisst er die Werke für die Dauer dieser Leihgaben. Statt Ruhm steht heute eher das private Vergnügen. im Vordergrund. Wertesteigerungen waren für Katz nie wirklich wichtig.

Sowohl Hoffman als auch Katz sind sich über die Jahre immer sicherer mit ihrem Geschmack geworden und vertrauen meist aufs Bauchgefühl. Dennoch sind beide auch vorsichtiger geworden, was sie Sammeln, da es teils auf Dauer auch für andere Menschen späterer Generationen Sinn haben sollen, so Hoffman; gleichzeitig hat Katz nicht bestimmt was mit seiner Sammlung passieren wird, wenn er einmal nicht mehr da ist.

Hoffman betont, dass es beim Sammeln nicht nur darum geht von Werken zu fordern sondern auch zu verstehen, was und wie viel die Werke von uns fordern.

Sehen Sie das gesamte Gespräch auf Englisch hier!

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