Sigmar Polke Sigmar Polke

Letzte Woche war ich zu Besuch in London und nutzte die Gelegenheit um eine Ausstellung zum deutschen Künstler Sigmar Polke im Tate Modern zu sehen. Die erste Retrospektive ihrer Art, die fünf Jahrzehnte eines ungewöhnlich breiten und vielseitigen künstlerischen Ausdruckvermögens zusammenbringt: Malerei, Zeichnungen, Fotografie, Film und Skulptur, Notitzbücher, Diaprojektionen und Fotokopien sind u.a. die Medien, mit denen Polke arbeitete.

Noch spannender sind aber die Materialien, die er verwendete: Meteorstaub, Gold, Luftpolsterfolie, Schneckensaft, Kartoffeln, Russ oder gar Uranium. Es ist wirklich nicht einfach Polke in eine Kategorie zu stecken. Damit geht die Ausstellung "Alibis: Sigmar Polke 1963–2010" auch etwas weiter als bisherige Ausstellungen, die sich auf seine Zusammenarbeit mit Gerhard Richter und Konrad Lueg konzentrierten.

Sigmar Polke (1941 - 2010) Girlfriends (Freundinnen) 1965/66 © 2013 Estate of Sigmar Polke / ARS, New York / VG Bild-Kunst, Bonn. Bild von Tate Modern. Sigmar Polke (1941 - 2010)
Girlfriends (Freundinnen) 1965/66
© 2013 Estate of Sigmar Polke / ARS, New York / VG Bild-Kunst, Bonn. Bild von Tate Modern.

Wer war Sigmar Polke?

Sigmar Polke wurde 1941 in Oels, Niederschlesien geboren und verstarb 2010 in Köln. Die Werke des deutschen Maler und Fotografen zählen zur Strömung des postmodernen Realismus oder Kapitalistischen Realismus - eine Bewegung, die er zusammen mit Gerhard Richter und Konrad Lueg 1963 in Düsseldorf gründete. In einer stark ironischen Haltung nahmen sie Elemente des Pop Art in ihre Kunstwerke auf.

Polke verwendete alltägliche und massenproduzierte Objekte in seinen Werken, malte auf billigen Oberflächen, wie Wellpappe oder Textil und druckte mit Offset-Drucktechniken. Er malte vergrößerte Bilder von Magazinen und Zeitungen auf Leinwänden, vermischte kunstgeschichtliche Motive mit kommerziellem Bildmaterial. Die in vielen Werken vorherrschende Printrasterästhetik sorgt für einen starken Wiedererkennungswert.

Polkes Kindheit war von Flucht geprägt, zunächst 1945 aus Niederschlesien und 1953 aus Thüringen über West-Berlin nach Willich bei Mönchengladbach. Er absolvierte eine Glasmaler Lehre und studierte anschließend bei Otto Götz und Gerhard Hoehme an der Kunstakademie in Düsseldorf bis 1967.

An der ersten Ausstellung mit Richter und Lueg 1963 war auch Manfred Kuttner beteiligt. Seine erste Einzelausstellung hatte Polke 1966 in der Galerie René Block in Berlin. In den Jahren 1970 bis 1971 und 1977 – 1991 lehrte er an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. In den 70er und 80er Jahren reiste er auch viel und arbeitete vermehrt mit Photographie. Bilder, die er in Pakistan und Afghanistan gemacht hatte bildeten später die Grundlage für weitere Gemälde. Seine Arbeiten wurden bei der Documenta 5 (1972), 6 (1977) und 7 (1982) in Kassel gezeigt.

Dieses und kommendes Jahr laufen auch Ausstellungen um MoMA in New York, bei Christie's und im Museum Ludwig in Köln.

Ein paar weitere Eindrücke von der Ausstellung im Tate Modern!

polke 2 Season’s Hottest Trend, 2003, Geschmischte Textilien, Privatsammlung , X49033. Aus einer Serie von Werken in denen diverse Textilien schnörkellos zusammengestickt wurden, um die Absurditäten der Modewelt zu spiegeln.

bild sp 1 Britta’s Pig ist eines der ersten Werke Polkes für das er 1990 eine Leinwand digital mit einem Photo bedruckte, welches dann mit blauer und rosa Akrylfarbe übermalt wurde. Das Bild, das für eine Ausstellung in Amsterdam geschaffen wurde, zeigte ursprünglich eine rustikale Szene niederländischer Bauern. Mit ähnlichen Farbverläufen spielte er auch in späteren Arbeiten, in denen es ihm darum ging ein Gefühl für Uranium, die Atombombe, den Kalten Krieg zu reflektieren.

Finden Sie hier Sigmar Polke Arbeiten, die aktuell bei Barnebys gelistet sind!

Noch mehr zum Nachlass Polkes!

- Pontus Silfverstolpe

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