Karl Otto Lagerfeld kam als Sohn das Glücksklee-Kondensmilch-Fabrikanten Otto Lagerfeld und dessen Frau Elisabeth, geb. Bahlmann in Hamburg zur Welt. Sein Geburtsjahr blieb lange Zeit ein Rätsel, er selbst gab es mal mit 1938, mal mit 1935 an. Letztendlich konnte jedoch 1933 „ermittelt“ werden.

Karl Lagerfeld (vordere Reihe, dritter von links) mit seiner Schulklasse in Bad Bramstedt 1948 | Abb.: Kieler Nachrichten Karl Lagerfeld (vordere Reihe, dritter von links) mit seiner Schulklasse in Bad Bramstedt 1948 | Abb.: Kieler Nachrichten

Karl Lagerfelds Kindheit, die er gemeinsam mit einer älteren Schwester verbrachte, verlief wohl behütet. Den massiven Bombardierungen, die Hamburg im Zweiten Weltkrieg trafen, ging die Fabrikantenfamilie auf ihrem unweit der Hansestadt gelegenen Gut Bissenmoor bei Bad Bramstedt aus dem Weg.

Im Alter von knapp 20 Jahren zog Karl Lagerfeld, der seit frühester Kindheit davon überzeugt war, eines Tages auf der ganzen Welt berühmt zu sein, nach Paris, wo er an einer Privatschule und am Lycée Montaigne studierte, bevor er als Illustrator erste Schritte in die Modewelt unternahm.

Karl Lagerfeld und Yves Saint Laurent bei der Verleihung des International Woolmark Prize 1954 Karl Lagerfeld und Yves Saint Laurent bei der Verleihung des International Woolmark Prize 1954
"Claudia sagt, sie hätte bei Yves Saint Laurent die Eleganz entdeckt. Ich kann verstehen, dass dieser Modeschöpfer für sie interessant ist: Da weiß sie endlich, wie sie aussehen wird, wenn sie so alt ist wie ihre Mutter Gudrun."

1954 gewann Lagerfeld in der Kategorie „Mantel“ den renommierten International Woolmark Prize und wurde daraufhin im Modehaus von Pierre Balmain eingestellt, wo er eine Schneiderlehre absolvierte. Übrigens nahm auch Yves Saint Laurent an jenem Wettbewerb teil, jedoch in der Kategorie „Abendkleid“. Nachdem die beiden jungen Talente der Modebranche zunächst noch eine Freundschaft gepflegt hatten, entwickelte sich mit dem Jahren eine gewisse Rivalität.

Helmut Newton, Portrait of Karl Lagerfeld in Paris, 1976 | Abb.: Swann Auction Galleries Helmut Newton, Portrait of Karl Lagerfeld in Paris, 1976 | Abb.: Swann Auction Galleries

Von 1958 bis 1963 arbeitete Karl Lagerfeld als Künstlerischer Direktor beim Modeschöpfer Jean Patou, von 1963 bis 1978 in der gleichen Position bei Chloé. Nebenbei arbeitete er zudem freiberuflich für verschiedene Unternehmen und begann auch unter seinem eigenen Namen, Mode zu kreieren. 1965 kam es zu einem Vertrag mit der italienischen Modemarke Fendi, für die er bis zu seinem Tod jedes Jahr zwei Kollektionen entwarf.

"Im 18. Jahrhundert, wenn Sie da Geld hatten, konnten Sie noch was Schönes kaufen. Heute, wenn Sie viel haben, können Sie vor allem was Grauenhaftes kaufen."

Links: Kleid von Karl Lagerfeld für Chloé, ca. 1975/78 | Abb.: Artcurial || Rechts: Helmut Newton, Karl Lagerfeld's 1st Chanel Haute Couture, Hollywood, 1983 | Abb.: Phillips Links: Kleid von Karl Lagerfeld für Chloé, ca. 1975/78 | Abb.: Artcurial || Rechts: Helmut Newton, Karl Lagerfeld's 1st Chanel Haute Couture, Hollywood, 1983 | Abb.: Phillips

1983 war schließlich das entscheidende Jahr - sowohl für Karl Lagerfeld, als auch für das Modehaus Chanel, das den damals 50-jährigen, als Künstlerischen Direktor einstellte. Zunächst im Bereich Haute-Couture, ein Jahr später auch für die Prêt-à-Porter-Kollektionen.

Das 1913 von Coco Chanel gegründete Modehaus, das in seinen ersten Jahrzehnte der Inbegriff für moderne und revolutionäre Damenmode gewesen war, hatte mittlerweile etwas Staub angesetzt. Karl Lagerfeld setzte dem ein Ende, fegte kräftig durch und verpasste Chanel damit ein neues Image, zu dem sich nicht nur ältere Damen, sondern auch junge Frauen hingezogen fühlten, und das der Grundstock für das heutige Milliardenunternehmen werden sollte.

Links: Chanel Haute Couture Printemps - Eté 1994 Karl Lagerfeld | Abb.: Cornette de Saint Cyr || Rechts: Chanel Automne-Hiver 1985-1986, Karl Lagerfeld | Abb.: Sotheby's Links: Chanel Haute Couture Printemps - Eté 1994 Karl Lagerfeld | Abb.: Cornette de Saint Cyr || Rechts: Chanel Automne-Hiver 1985-1986, Karl Lagerfeld | Abb.: Sotheby's

Der Name Chanel ist mittlerweile ein Inbegriff für Mode und Accessoires im obersten Preissegment geworden und rangiert immer ein wenig höher auf der Skala der Exklusivität und Begehrlichkeit als alle anderen Modehäuser.

"Ich weiß nicht, ob ich einen besonderen Blick auf die Dinge habe und ob sich dieser in meinen Fotografien zeigt. Wie sollte ich das auch wissen? Ich habe noch nie durch anderer Leute Augen gesehen."

Vladimir Sichov, Karl Lagerfeld | Abb.: DESA Unicum Vladimir Sichov, Karl Lagerfeld | Abb.: DESA Unicum

1987 entdeckte Karl Lagerfeld mit der Fotografie ein neues Betätigungsfeld für sich. Sein Œuvre erstreckte sich von der Mode- und Aktfotografie bis zu Werbekampagnen. 2013 brachte er mit Moderne Mythologie einen Bildband heraus, in dem er die Ideale des bukolischen Lebens der griechischen Antike aufgriff.

In "Moderne Mythologie" setzte Karl Lagerfeld den griechischen Mythos um Daphnis und Chloe in Szene In "Moderne Mythologie" setzte Karl Lagerfeld den griechischen Mythos um Daphnis und Chloe in Szene

Die Aufnahmen zu dem Bildband entstanden in der Natur Südfrankreichs und erzählten den griechischen Mythos, des tragisch verliebten Paares Daphnis und Chloe. Die männliche „Hauptrolle“ in den Aufnahmen erhielt Model Baptiste Giabiconi, den Lagerfeld als seine Muse bezeichnete.

"Ich kenne sie [Heidi Klum] nicht. Auch Claudia kennt die nicht. Die war nie in Paris, die kennen wir nicht. "

Seine bedeutendste Muse entdeckte Karl Lagerfeld etwa zeitgleich mit der Fotografie: Claudia Schiffer. Nachdem diese im Alter von 17 Jahren in einer Düsseldorfer Disco entdeckt worden war, ging sie nach Paris und lief dort bereits 1988 für Chanel über den Laufsteg. Der Rest ist Modegeschichte. Bis zum Tod Lagerfelds verband ihn und Claudia Schiffer eine berufliche und persönliche Freundschaft.

Karl Lagerfeld, Claudia Schiffer en Chanel, 1994 | Abb.: Yann Le Mouel Karl Lagerfeld, Claudia Schiffer en Chanel, 1994 | Abb.: Yann Le Mouel
"Wer gestresst ist, macht etwas falsch. Den amüsiert seine Arbeit nicht."

Zweifelsohne war Karl Lagerfeld ein Workaholic, dem seine Arbeit allerdings Spaß machte und sich nicht von ihr zermürben ließ. Seine Devise bei Chanel lautete von Anfang an: Alles muss ausschließlich von mir stammen, es kommt nur darauf an, was mir gefällt. Eine Einstellung, mit der er kaum jemals daneben gegriffen hat.

Karl Lagerfeld in seiner Wohnung in Paris | Abb.: Architectural Digest Karl Lagerfeld in seiner Wohnung in Paris | Abb.: Architectural Digest

Doch woher kam all diese Kreativität? Einerseits muss sie Karl Lagerfeld im Blut gelegen haben, andererseits verdankte er sie bestimmt seiner großen Belesenheit und Allgemeinbildung. Mehr als 300.000 Bücher reihen sich in den Regalen und stapeln sich auf den Tischen seiner Häuser und Wohnungen in Paris, Monaco, Rom, Biarritz, New York und Vermont.

"Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren."

Das Leben an der Spitze kann schnell einsam werden. Das Leben als Workaholic auch. War Karl Lagerfeld einsam? Vermutlich nicht. Vielmehr nutzte er seine Position, um sich wirklich nur mit den Leuten zu umgeben, die ihn auch wirklich interessierten - egal, ob zwei oder vierbeinig.

2011/2012 eroberte eine Birma-Katze namens Choupette das Herz des Modeschöpfers, der ihr fortan ein luxuriöses Leben an seiner Seite ermöglichte. Zudem „arbeitete“ die Stubentigerin als Model und wurde Lagerfelds Muse für seine eigenen Kollektionen. Choupettes Fans können sich auf diversen Social Media-Kanälen über das Leben der Katze auf dem Laufenden halten.

Karl Lagerfeld und Choupette | Abb.: Facebook/@MademoiselleChoupetteLagerfeld Karl Lagerfeld und Choupette | Abb.: Facebook/@MademoiselleChoupetteLagerfeld

Das einschneidende Erlebnis, das ihn, nach eigener Aussage, dazu bewegt hat, sein Leben allein zu verbringen, war der Tod seines Lebensgefährten Jacques de Bascher im Jahr 1989. Mehr als 15 Jahre war Bascher an der Seite Karl Lagerfelds gewesen - allerdings ohne die Wohnung miteinander zu teilen.

"Ich brauche, wie Sie sehen, nur einen schwarzen Anzug, ein weißes Hemd, einen schwarzen Schlips. Das ist meine Maskerade des Lebens. Ich bin ein Scherenschnitt. Ich habe mich mittlerweile an mich gewöhnt."

Fächer von Karl Lagerfeld Paris | Abb.: Leslie Hindman Auctioneers Fächer von Karl Lagerfeld Paris | Abb.: Leslie Hindman Auctioneers

Zweifelsohne war Karl Lagerfeld eine Ikone, der sein Image pflegte, dabei aber auch immer über sich selbst lachen konnte. Seine über Jahrzehnte beständigen Erkennungsmerkmale waren der Zopf im Nacken und die Sonnenbrille. In den 1980er , vor allem aber in den 1990er Jahren, als er mit Gewichtsproblemen zu kämpfen hatte, war ein Fächer sein ständiger Begleiter.

Die Wende kam im Jahr 2000, als sich Lagerfeld mit seiner Figur außerstande sah, die schmal geschnittenen Anzüge von Dior Homme tragen zu können. Mithilfe einer Diät verlor er innerhalb von gut einem Jahr mehr als 40 kg. Zu seinen bisherigen Markenzeichen (der Fächer wurde allerdings ad acta gelegt) kamen nun ein hoher Vatermörderkragen und Autofahrer-Handschuhe hinzu.

Steiff Teddy "Karl Lagerfeld" | Abb.: Artcurial Steiff Teddy "Karl Lagerfeld" | Abb.: Artcurial

Karl Lagerfeld verstarb am 19. Februar 2019 in einem Krankenhaus in Neuilly-sur-Seine bei Paris an den Folgen einer Bauchspeicheldrüsenkrebserkrankung im Alter von 85 Jahren. Bereits im Januar hatte seine Abwesenheit bei der Chanel Runway Show auf der Pariser Fashion Week für Spekulationen über seinen möglicherweise besorgniserregenden Gesundheitszustand.

Karl Lagerfeld bei der Chanel Haute Couture Show Printemps-Été 2017 im Grand Palais in Paris | Abb.: The 6 Millionen Dollar Story Karl Lagerfeld bei der Chanel Haute Couture Show Printemps-Été 2017 im Grand Palais in Paris | Abb.: The 6 Millionen Dollar Story

Karl Lagerfelds Tod hinterlässt nicht nur ein kaum aufzufüllende Lücke in der Modewelt. Ebenso ist die Welt um eine Ikone ärmer, die mit Nonchalance beobachten und kommentieren konnte, dabei aber niemals vergaß, sich selbst mit einem feinen Sinn für Humor zu betrachten.