Lempertz, Köln 

Förmlich aus den Händen gerissen wurden den Auktionatoren des Kölner Auktionshauses Lempertz am 16. November die rund 240 Objekte einer ganz besonderen Versteigerung. Das älteste Auktionshaus der Welt, das sich noch immer in Familienbesitz befindet, hatte die Ehre, Teile der Sammlung des verstorbenen Kaffeeunternehmers Klaus J. Jacobs anbieten zu dürfen. Das Interesse war gewaltig und am Ende des Tages hieß es "ausverkauft"!

Links: MATTHÄUS II BAUR - Augsburger Kranenkanne, um 1698 Rechts: CARL LUDWIG JESSEN - Friesische Familie beim Kaffeetrinken, 1897 Links: MATTHÄUS II BAUR - Augsburger Kranenkanne, um 1698
Rechts: CARL LUDWIG JESSEN - Friesische Familie beim Kaffeetrinken, 1897

Eine erstklassige Preissteigerung erfuhr dabei eine Augsburger Kranenkanne von 1698, die mit einem Endpreis von 136.400 Euro ihren oberen Schätzpreis mehr als verdoppelte. Auch einen Weltrekord hatte die Versteigerung zu bieten: Das 1897 entstandene Gemälde Friesische Familie beim Kaffeetrinken von Carl Ludwig Jessen erzielte 99.200 Euro (Schätzpreis: 12.000-14.000 Euro), was der höchste Preis ist, der jemals für ein Werk des norddeutschen Künstlers auf einer Auktion gezahlt wurde.

GEORGES BRAQUE - Le moulin à café, 1942 GEORGES BRAQUE - Le moulin à café, 1942

Weitere Gemälde und Zeichnungen der Sammlung Klaus J. Jacobs kamen am 1. Dezember in der Auktion mit Moderner Kunst zum Aufruf. Allen voran Georges Braques Le moulin à café von 1942, das einem Bieter 1,09 Millionen Euro (inkl. Aufgeld) wert war.

Grisebach, Berlin

Der höchste deutsche Auktionszuschlag 2017 erfolgte am 3. Juni im Auktionshaus Grisebach in Berlin. Max Beckmann war der Maler der Stunde. Sein Werk Tiergarten im Winter von 1937 löste ein langes Bietergefecht auf und ging am Ende für 1,8 Millionen Euro (inkl. Aufgeld) an eine nordamerikanische Privatsammlung.

MAX BECKMANN Links: Tiergarten im Winter, 1937 Rechts: Braunes Meer mit Möwen, 1941 MAX BECKMANN
Links: Tiergarten im Winter, 1937
Rechts: Braunes Meer mit Möwen, 1941

Nachdem ebenfalls im Juni bei Christie's in New York der bislang höchste Preis für ein Werk Beckmanns bezahlt worden war, stand der Maler auch bei Grisebach weiterhin hoch im Kurs und konnte in der Herbstauktion einen weiteren Millionenpreis für sich verbuchen. Braunes Meer mit Möwen von 1941 wechselte für 1.465.000 Millionen Euro (inkl. Aufgeld) den Besitzer.

Koller, Zürich

Den Beweis, dass Alte Meister nach wie vor gefragt sind, lieferte das Zürcher Auktionshaus Koller in seiner Auktionswoche für alte Kunst vom 18. bis 22. September. Das Interesse der Bieter war hoch, vor allem "für qualitativ hochwertige Objekte aus Privatsammlungen", wie der Präsident des Auktionshauses Cyril Koller betont.

Eines der vielen Stücke, die im Sechstelligen Bereich den Besitzer wechselten, war Violinspieler mit Weinglas, das der von Caravaggio inspirierte niederländische  Maler Dirck van Baburen 1623 auf eine Leinwand gezaubert hatte. Geschätzt worden war das lebhafte Werk auf 60.000-80.000 CHF. Der Zuschlag erfolgt dann jedoch erst 595.000 CHF (inkl. Aufgeld) - ein hervorragendes Ergebnis!

Links: Geschenkkovsh des Zaren Alexei I., 1667/68 Rechts: DIRCK VAN BABUREN - Violinspieler mit Weinglas, 1623 Links: Geschenkkovsh des Zaren Alexei I., 1667/68
Rechts: DIRCK VAN BABUREN - Violinspieler mit Weinglas, 1623

Das Auktionshaus Koller hat sich zu einem echten Spezialisten für Schweizer Künstler wie Albert Anker, Cuno Amiet und die Giacomettis entwickelt. Die Auktionswoche für alte Kunst erreichte jedoch auch seltenes Silber aus dem fernen Russland. Der teilvergoldete Kovsh war 1667/68 ein Geschenk des Zaren Alexei I. an einen treuen Untertan gewesen. Die seltenen Silberschalen sind heutzutage fast nur noch im Museum zu finden. Da verwundert es nicht, dass das vorliegende Stück mit einem Endpreis von 164.900 CHF (inkl.Aufgeld) weit mehr als verdoppelte.

Dorotheum, Wien

Das höchste Auktionsergebnis des Jahres 2017 in Österreich wurde im Wiener Dorotheum erzielt. Mit einem Endpreis von 2.345.000 Euro (inkl.Aufgeld) konnte sich am 21. November ein Bieter im Auktionssaal gegen mehrere Bieter am Telefon schließlich durchsetzen. Bei dem begehrten Werk handelt es sich um die Zeichnung Liegende Frau, die Egon Schiele 1917 mit der ihm typischen Linienführung zu Papier gebracht hatte.

Links: EGON SCHIELE - Liegende Frau, 1917 Rechts: EMILIO VEDOVA - Tensione, 1959 Links: EGON SCHIELE - Liegende Frau, 1917
Rechts: EMILIO VEDOVA - Tensione, 1959

Auch einen Weltrekord gab es in diesem Jahr im Dorotheum. In der Auktion mit Zeitgenössischer Kunst am 31. Mai kam Tensione von Emilio Vedova mit einem Schätzpreis von 150.000-200.000 Euro zum Aufruf. Der erfolgreiche Bieter durfte das Gemälde von 1959 schließlich für 792.500 Euro (inkl. Aufgeld) mit nach Hause nehmen.

Kein Weltrekord aber dafür etwas fürs Herz und historisch äußerst interessant war die Versteigerung des Verlobungsportraits der österreichern Kaiserin Elisabeth am 27. April. Das großartige Objekt wechselte für 1,54 Millionen Euro (inkl. Aufgeld) den Besitzer. Es war der bislang höchste Preis, der im Dorotheum für ein Gemälde des 19. Jahrhunderts bezahlt wurde.

CARL THEODOR VON PILOTY und FRANZ ADAM - Kaiserin Elisabeth als Braut zu Pferd in Possenhofen 1853 CARL THEODOR VON PILOTY und FRANZ ADAM - Kaiserin Elisabeth als Braut zu Pferd in Possenhofen 1853

Auktionshaus im Kinsky, Wien

Verweilen wir noch ein wenig in der österreichischen Hauptstadt und spazieren zum Palais Kinsky hinüber. Auch dort konnte man sich im Juni über einen Preisrekord freuen. Auslöser dafür war die Versteigerung des zwischen 1911 und 1914 gemalten Bildes Schwertlilien des Wiener Werkstätte-Künstlers Koloman Moser. Das Bild, das in Mosers eigenem Garten entstanden war, ging mit einer Schätzung von 250.000-500.000 Euro an den Start. Der Weltrekordpreis lag schließlich bei 604.800 Euro.

KOLOMAN MOSER - Schwertlilien, 1911/14 KOLOMAN MOSER - Schwertlilien, 1911/14

Catawiki, Assen

Zwei ungewöhnliche Rekordpreise wurden 2017 im niederländischen Onlineauktionshaus Catawiki erzielt. Am 1. Februar wurde ein LEGO-Stein für 18.498 Euro versteigert. Natürlich handelte es sich dabei um keinen gewöhnlichen LEGO-Stein. Das Exemplar aus 14-karätigem Gold wurde 1980 als Geschenk an einen Geschäftspartner übergeben.

Links: Panini-Stickeralbum mit Autogramm von Pelé zur Fußball-WM 1970 Rechts: Goldener LEGO-Stein, um 1980 Links: Panini-Stickeralbum mit Autogramm von Pelé zur Fußball-WM 1970
Rechts: Goldener LEGO-Stein, um 1980

Bereits Ende März war Catawiki noch immer auf Rekordjagd. Dieses Mal war es ein Panini-Stickerheft zur Fußball-WM 1970, das für Furore sorgte. Das Heft, das über alle 271 Sticker sowie ein Autogramm des damaligen Weltmeisters Pelé verfügt, war einem leidenschaftlichen Sammler 12.038 Euro wert.

40 Millionen bei Auktionen in aller Welt erzielte Preise finden Sie in unserer Datenbank.

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