Mit Epiphyte: Floral Dialogue startet Artcurial, das führende Auktionshaus Frankreichs in die neue Auktionssaison. Die Ausstellung stellt eine Zusammenarbeit des Auktionshauses mit jungen französischen und internationalen Floristen dar, bei der mit viel Einfallsreichtum die Werke großer Künstler mit großartigen Blumenarrangements kombiniert werden. Die Ausstellung soll dabei nicht nur dann erinnern, das Blumenarrangements eine bedeutende Quelle der Inspiration für Künstler des 16. bis 20. Jahrhunderts waren, sondern auch ihr Publikum aus erfahrenen und neuen Sammlern begeistern.

Und ganz nebenbei bietet Epiphyte: Floral Dialogue Artcurial die Gelegenheit, seine bemerkenswerten Ergebnisse der ersten Jahreshälfte zu feiern: 55 Millionen USD, was einen Anstieg von 27% gegenüber dem Vorjahr bedeutete.

Floraler Dialog zwischen Andy Warhol und dem Floristen Thierry Feret | Abb.: Artcurial Floraler Dialog zwischen Andy Warhol und dem Floristen Thierry Feret | Abb.: Artcurial

Diese Zahlen spiegeln eine gewisse Stärke der kontinentaleuropäischen Auktionshäuser wider, die hauptsächlich auf einen originellen Ansatz und andere Strategien zurückzuführen ist. Wie Nicolas Orlowski, Direktor von Artcurial, in einem Interview mit der Financial Times sagte, läge ihr Geheimnis in ihrer "Kühnheit". Denn obwohl Artcurial weit hinter den Marktführern Sotheby's und Christie's rangiert, hat das Haus offenbar nicht die Absicht, in absehbarer Zeit ebenfalls Auktionen in den maßgeblichen Städten des Kunsthandels, London und New York, abzuhalten.

"Wir sind in einem gesättigten Markt mit kleinen Auktionshäusern, aber wir müssen uns auch dem Duopol von Sotheby's und Christie's stellen", sagt Orlowski. Gäbe es anderswo mehr Perspektiven? Der Direktor von Artcurial hat Möglichkeiten in Monaco und Marrakesch identifiziert, mit letzterem als "eine strategische Plattform für Afrika als Ganzes".

Zusätzlich zu dieser Hellsichtigkeit hat sich Artcurial darauf gestürzt, sich mit viel Dynamik auf spezielle Bereiche zu fokussieren, darunter Memorabilia, urbane Kunst und Möbeldesign von Charlotte Perriand.

Ausblick auf die zweite Jahreshälfte: "Lukretia" von Artemisia Gentileschi wird im Oktober im Dorotheum versteigert. Schätzwert: 500.000-700.000 Euro | Abb.: Dorotheum Ausblick auf die zweite Jahreshälfte: "Lukretia" von Artemisia Gentileschi wird im Oktober im Dorotheum versteigert. Schätzwert: 500.000-700.000 Euro | Abb.: Dorotheum

Das Wiener Auktionshaus Dorotheum hingegen stützt sich auf das, was seine Direktorin Martina Batovic als "Markenerbe" bezeichnet. Mit seiner Gründung im Jahr 1707 zählt es zu den ältesten Auktionshäusern Europas und unterhält mittlerweile auch Dependancen in Deutschland, Italien, Belgien, in der Tschechischen Republik und im Vereinigten Königreich. Trotz seiner Position als traditionelle Institution des Auktionsmarktes, geht das Dorotheum mit der Zeit und wickelt 68% seiner 700 jährlich stattfindenden Auktionen online ab.

Das Ranking des Global Art Market Report von Artprice über die erste Jahreshälfte 2018 sieht das Dorotheum gleich hinter Artcurial auf Platz 10 mit einem Umsatz von 38 Millionen USD.

Ein weiteres Beispiel für die gekonnte Nutzung des Internets ist das in Zürich beheimatete Auktionshaus Koller, dem es damit gelungen ist, starke Präsenz bei einem internationalen Publikum zu zeigen. Neben dekorativer Kunst, Schmuck und Kunst im Allgemeinen, ist bei Koller die Kunst von Schweizer Künstlern stark vertreten. Unter diesen konnten vor allem für Werke des Vater von Alberto Giacomettis Vater Giovanni bereits sehr gute Preise erzielt werden.

"Panorama von Flims" von 1904 ist nu eines von vielen Werken Giovanni Giacomettis, die bei Koller erfolgreich versteigert wurden | Abb.: Koller "Panorama von Flims" von 1904 ist nu eines von vielen Werken Giovanni Giacomettis, die bei Koller erfolgreich versteigert wurden | Abb.: Koller

Für Henrik Hanstein, Chef des Auktionshauses Lempertz in Köln, ist es Ziel des Spiels, an die besten Einlieferungen heranzukommen". Laut Hanstein haben vor allem die kleineren Auktionshäuser von der Zuwendung zum globalen Markt profitiert, aber auch vom freien Markt innerhalb Europas. So kann Lempertz seine Lose in Brüssel mit einer wesentlich geringeren Einfuhrsteuer importieren und versteigern, als es in Deutschland der Fall wäre.

"Le moulin à café" von Georges Braques aus dem Jahr 1942 war das Top-Los der Versteigerung der Sammlung Klaus J. Jacobs 2017 bei Lempertz | Abb.: Lempertz "Le moulin à café" von Georges Braques aus dem Jahr 1942 war das Top-Los der Versteigerung der Sammlung Klaus J. Jacobs 2017 bei Lempertz | Abb.: Lempertz

Jedes der "kleinen" europäischen Auktionshäuser hat also eine eigene Taktik, um auf sich aufmerksam zu machen und den beiden Giganten des Auktionsmarktes die Stirn zu bieten. Die Möglichkeiten des Onlinemarktes erleichtern es zudem, schneller und flexibler handeln zu können, was Auktionshäusern "mit geringerer Fracht" sicherlich zu gute kommt. Dazu noch einmal das Zitat von Henrik Hanstein: "Wir sind Rennboote, keine Ozeanriesen. Wir sind schneller und leichter."

Kommentar