image1 Anna-Karin Laurell, Geschäftsführerin bei Bukowskis

Was genau wird kommenden Herbst bei Bukowskis passieren?

Wir freuen uns viele herausragende schwedische Arbeiten präsentieren zu dürfen. Darunter ein fantastisches Aquarell von Andreas Zorn und ein spannendes Werk von Otto G. Carlsund. In Kürze werden wir noch weitere interessante Arbeiten von berühmten und älteren schwedischen Künstlern bekannt geben, die wir die Ehre haben, vermitteln zu dürfen. Ebenso erfreut sind wir darüber, Andreas Rydén als neuen Chef-Experten der Kunstabteilung begrüßen zu können, was auch von seiner Frau Lena Rydén angestrengt worden war.

image2 Andreas Zorn, „Kapprodd“, Aquarell, 1886. Schätzpreis: ca. 836.805-1.046.006 EUR. Diesen Herbst bei Bukowskis Internationalem Verkauf.

image3 Otto G. Carlsund, „Andra maskinen (Gröna maskinen)“, Öl und Lackfarbe auf Holz, 1926. Schätzpreis: ca. 836.805-1.046.006 EUR. Diesen Herbst bei Bukowskis Verkauf Moderner Kunst.

Sie sind jetzt seit genau einem Jahr bei Bukowskis. Inwiefern hat sich in dieser Zeit Ihr Blick auf das Unternehmen verändert?

Am Anfang dachte ich, dass es eine bestimmte Art von Kunde ist, der zu Bukowskis kommt. Es hat sich aber herausgestellt, dass es die unterschiedlichsten Leute sind und gar nicht so eingeschränkt wie ich zunächst dachte. Ich war nicht darauf vorbereitet, dass das Interesse an Kunst, Design und Antiquitäten so groß sein würde. Da gibt es so viele Menschen, auch junge Leute, die hierher kommen, um sich umzuschauen oder die Auktionen besuchen – auch wenn sie nichts kaufen.

Was können Sie sonst noch berichten?

Ich bin seit einem Jahr hier – also eine Herbst- und eine Frühjahr-Saison. Darüber wird im Auktionsjahr am meisten berichtet. Ich würde aber gerne betonen, dass die Geschäfte das ganze Jahr über laufen. Tatsächlich an jedem Tag in der Woche. Bukowskis hat seinen Flagship-Store in der Arsenalgatan im Zentrum von Stockholm, doch die größten Umsätze stammen von den Online-Auktionen. Da hat es ein enormes Wachstum gegeben, auf das wir sehr stolz sind. In den Zeitungen steht, dass dieser Fernhandel um 15% gestiegen ist. Wir bei Bukowskis können jedoch ein Wachstum von 32% verbuchen. Dieser enorme Anstieg ist damit zu erklären, dass viele Kunden lieber online kaufen möchten. Mit anderen Worten: Nicht wir sind es, die über das Internet verkaufen möchten. Es sind die Kunden, die ihr Kaufverhalten verändert haben und unsere Online-Bemühungen sind lediglich die Antwort auf die Wünsche der Kunden.

Wie unterschiedlich betrachten Sie die klassischen und die Online-Auktionen?

Die klassischen Auktionen erfahren eine schrittweise Veränderung. Im letzten Jahr waren die Live-Auktionen, was die Umsätze betrifft, noch auf einer Stufe mit den Online-Auktionen. In diesem Jahr haben die Online-Auktionen die Führung übernommen, auch wenn die Spitzenobjekte, das heißt solche mit hohem Prestige in Schweden wie auch auf internationaler Ebene, noch immer Höchstpreise bei den Live-Auktionen in Stockholm erzielen. Dennoch wird dieser Vorgang im kommenden Herbst einige Änderungen erfahren. Um das in Zahlen auszudrücken, müssen wir aber erst das Geschäftsjahr 2015 abschließen. Die Veränderungen, was Klassische vs. Online-Auktionen betrifft, haben bereits stattgefunden. Es liegt nicht in unserer Absicht, die Live-Auktionen zu erweitern. Sie sind gut so wie sie sind, sowohl was die Anzahl der Interessenten betrifft, als auch bei den Ausstellungsveranstaltungen.

Wird es weiterhin Ausstellungskataloge geben?

Nein, wir werden den gedruckten Katalog diesen Herbst aufgeben. Stattdessen wird es eine erweiterte Version unseres Online-Kataloges geben. Dieser wird Teil unserer digitalen Initiative sein, wenn wir am 1. Oktober unsere neue Website an den Start bringen. Beginnend in diesem Herbst wird es zwar keine gedruckten Kataloge mehr geben, allerdings werden wir weiterhin gedruckte Special-Editions zu verschiedenen Anlässen herausgeben. Im Gegensatz zum gedruckten Katalog wird der Online-Katalog mehr Bilder beinhalten und auch bewegliche Medien. Die Gestaltung wird ebenfalls eine andere sein. Unsere Hoffnung ist, dass wir damit unsere Kunden zufrieden stellen können – mit einem Katalog, der einfacher zu lesen und zu erreichen ist und zudem mehr Informationen enthält. Viele Kunden sind verständlicherweise nicht vor Ort und können die Objekte nicht live in Augenschein nehmen. Deswegen ist eine detaillierte Beschreibung der Objekte und ihres Erhaltungszustandes im Zusammenspiel mit Fotos und Videos von so großer Bedeutung. Dies ist der erste Schritt auf dem Weg der digitalen Entwicklung.

Sehen Sie eine Gefahr in der Geschwindigkeit, mit der die Online-Auktionen vonstatten gehen? Haben Sie die nötige Zeit, die Kataloge sorgfältig vorzubereiten?

Unsere Basis ist die Kompetenz der gesamten Firma. Wir haben eine lange Tradition, was Qualität und Wissen betrifft – und es ist auch kein kleines Unternehmen mehr. Wir haben 170 Mitarbeiter in Stockholm, Malmö, Göteborg und Helsinki. Wir schätzen die richtigen Werte und selbstverständlich ist es auch nur eine kurzlebige Ware, mit der wir es zu tun haben. Darüber hinaus haben wir immer wieder Spezialisten, die Stichproben im Katalog vornehmen. Glücklicherweise haben sie Freude daran, den Auktionsmarkt zu verfolgen, weshalb es ganz natürlich erscheint. Es ist unglaublich aufregend, so vielen Spezialisten zu begegnen, die eine Leidenschaft für die Objekte haben. Die Leidenschaft ist schließlich eine Grundvoraussetzung dafür, ein guter Spezialist zu werden.

Welches Wissen aus Ihren früheren Jobs hilft Ihnen nun in Ihrer Rolle als Geschäftsführerin bei Bukowskis?

Ich habe während meiner gesamten Karriere mit der Führungsebene zusammengearbeitet und ich bringe Erfahrung aus unterschiedlichen Bereichen mit. Ich habe in der Welt der Banken gearbeitet, bei einem Versicherungsunternehmen und einem Mobilfunk-Anbieter. Alle diese Firmen hatten gemeinsam, dass Sie im Service-Bereich auf kundenorientiertes Handeln fokussiert waren. Diese Kenntnis im Kundenservice ist es, die ich nun bei Bukowskis zum Einsatz bringen kann.

Warum glauben Sie, haben Sie den Job bekommen?

Mit dieser Frage müssen Sie sich an diejenigen wenden, die mich eingestellt haben.

Welche Herausforderungen wird Bukowskis in Zukunft meistern müssen?

Klar und einfach zu arbeiten. Es ist falsch zu denken, dass die Kunden schon Bescheid wissen, wenn es um Provisionen und Auktionsregeln geht. Wir müssen sehr engagiert am Kundenservice arbeiten und unsere Bemühungen auf der Ebene erhöhen. Das ist die Herausforderung. Wir sehen einen dahin gehenden Trend, dass die Kunden Geschäfte und Online-Shops auf die gleiche Art betrachten. Daher ist das Rückgaberecht, welches wir bereits früher in diesem Jahr eingeführt haben und das ab dem 1. September uneingeschränkt gelten wird, ein Durchbruch in der Auktionswelt. Ich begrüße ihn. Natürlich sollte es ebenso einfach sein, etwas bei einer Auktion zu kaufen, wie es in einem Geschäft der Fall ist.

Worin liegen die Stärken von Bukowskis?

Das gesammelte Wissen, welches dem Unternehmen zur Verfügung steht, bildet den Kern. Bukowskis ist ein Unternehmen mit gutem Ruf, bei dem viele bekannte und zuverlässige Experten arbeiten. Sie sind der Dreh- und Angelpunkt. Unser ganzer Einsatz für das Kunsthandwerk ist einfach unschlagbar.

Worin liegen Bukowskis Schwächen?

Was ich bereits erwähnt habe. Wir müssen Erreichbarkeit schaffen und auf Transparenz hinarbeiten. Und vor allem wiederlegen, das Auktionen zu kompliziert sind, zu vornehm und ernst. Wobei wir die Tradition beibehalten wollen. Als ich im vergangenen Sommer mit einer Freundin an der Westküste spazieren ging, erzählte sie mir, dass sie ein jahrhundertealtes Gebäude in Südschweden verkauft hätten. Das persönliche Inventar verkaufte sie über Lauritz, Skandinaviens größtem Online-Auktionshaus . Warum sie mich nicht angerufen hätte, fragte ich sie überrascht. Sie antwortete, dass es eben keine besonderen Sachen gewesen wären. Und das ist genau das Denken, von dem wir weg wollen. Die schlimmste Antwort, die man einem Kunden geben kann, ist die, dass man ihm nicht helfen kann, seine Objekte zu verkaufen. Ein Kunde sollte sich darüber niemals Sorgen machen müssen.

Gibt es etwas in der Welt der Kunst, das Sie überrascht hat?

Es gibt dort soviel Leidenschaft. Wenn ein einzelnes Kunstwerk ausgestellt werden soll, kann das schon ein kleines Drama heraufbeschwören. Es ist eine Art der Verbundenheit, wie ich sie vorher noch nicht erlebt habe. In meinem vorherigen Job musste ich meine Mitarbeiter dauernd motivieren. Darüber brauche ich jetzt nicht mehr nachzudenken. Im Gegenteil. Manchmal habe ich das Gefühl, den Eifer ein wenig dämpfen zu müssen und dem einen oder anderen klar machen zu müssen, dass es nicht um Leben und Tod geht. Es ist aber auf jeden Fall von Vorteil mit motivierten Mitarbeitern zusammenzuarbeiten. Und Freude bereitet es mir an jedem Tag.

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Sofia Silfverstolpe

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