Bowie und die Online-Revolution

2016 war ein Jahr, in dem wir uns von so manchem großen Künstler verabschieden mussten. Einer davon war David Bowie, der am 10. Januar den Kampf gegen den Krebs verlor. Bowie lebte und vermittelte seinen Kunstsinn nicht nur auf der Bühne. Seine Kostüme und Musikvideos waren eigene Kunstwerke. Außerdem war der Sänger auch Kunstsammler und Schriftsteller.

blog.php Die Bowie/Collector-Auktion bei Sotheby's London im November 2016.

Anfang November wurde David Bowies Beitrag zur Kunst in der Bowie/Collector-Auktion bei Sotheby’s versteigert. Niemand hatte voraussagen können, wie hervorragend das Ergebnis sein würde, aber nach dem ersten Teil der Auktion, die Bowies persönliche Kunstsammlung umfasste, wurde klar, dass Geschichte geschrieben werden würde.
47 Werke, 11 Rekorde für britische Künstler, Bieter aus 46 Ländern und 100% verkaufte Lose mit sich verdoppelnden hohen Schätzwerten erzielten ein Ergisnis von ca. 287 Millionen Euro.

JEAN-MICHEL BASQUIAT - Air Power, 1984 Schätzpreis: 2.500.000-3.500.000 GBP Zuschlagspreis: 7.039.000 GBP Jean-Michel Basquiat - Air Power, 1984
Schätzpreis: ca. 3.000.000-4.000.000 EUR
Zuschlagspreis: 8,3 Millionen EUR

Die Provenienz der Objekte war 2016 bei Sotheby’s das maßgebliche Kriterium, aber auch eine Revolution spielte eine wichtige Rolle. Das Auktionshaus berichtete von den unglaublichen Zahlen, die es mit seinen Online-Innovationen erzielt hatte. 2016 gaben Online Only-Bieter bei Sotheby’s 155 Millionen USD (ca. 148.000.000 EUR) aus. 19% aller bei Sotheby’s verkauften Objekte, kamen online unter den Hammer. Und es ist erwiesen, dass das Internet der beste Weg ist, neue Käufer zu gewinnen, da 52% der Online-Bieter bei Sotheby’s 2016 Neukunden waren.

Kunst mit Trump

Die Veränderungen, die es 2016 in der politischen Landschaft gegeben hat, dürften wohl niemandem entgangen sein. Die Kunstwelt reagierte darauf, indem sie politische Schwergewichte neu erfand. Und vermutlich wurde niemand so häufig in einer Skulptur, einem Straßenkunstwerk oder einer Zeichnung eingefangen wie Donald Trump.
Ilma Gores kontroverses Donald Trump-Werk Make America Great Again geriet überall auf der Welt in die Schlagzeilen und wurde bekanntermaßen in den USA zensiert.

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Nach Gores Darstellung von Trump wurde schnell klar, dass der hüllenlose Präsidentschaftskandidat zum echten Hit in der Kunstszene wurde. The Emperor Has No Balls - eine Skulptur des Künstlers Joshua „Ginger“ Monroe aus einer Reihe von fünf Werken.

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Zu der Zeit, als die Statue in Seattle, New York, San Francisco, Cleveland und Los Angeles errichtet wurde, sagte eine Sprecher zum Rolling Stone: „Wie begannen darüber nachzudenken, wie im Laufe der Geschichte immer wieder Diktatoren und Tyrannen durch Statuen gedacht worden war.“

„Gehen Sie in irgendeinen großen Park in Amerika und Sie werden dort auf einen weißen General mit einem Schwert stoßen.“

Der Künstler Saint Hoax hat den damaligen Beinahe-Präsidenten sowohl als Drag Queen als auch als ein Stück Fleisch dargestellt, ganz zu schweigen von den unzähligen Street Art-Werken, die während des Wahlkampfes auftauchten.

blog-2.php Foto: Lushsux

Eine wollen wir aber nicht vergessen: Trumps Gegnerin Hillary Clinton. Im August stellte der Street Art-Künstler Lushsux fest, dass sein Instagram-Account gelöscht worden war, nachdem er dort ein Foto seiner neuesten Arbeit geteilt hatte: Hillary Clinton, spärlich bekleidet in einem Badeanzug, bestehend aus der amerikanischen Flagge.

Die iranische Künstlerin Arena Farghadeni wird freigelassen

Kunst, die sich auf die westliche Politik bezog, war nicht die einzige Schlagzeile in diesem Jahr. Die iranische Künstlerin Atena Farghadeni, die im Juni 2015 für eine satirische Karikatur der iranischen Regierung zu einer Haftstrafe von 12 Jahren und 9 Monaten verurteilt worden war, wurde am 3. Mai freigelassen.

Arena Farghadeni Foto via Global Voices Arena Farghadeni
Foto via Global Voices

Im August 2014 war Farghadeni für die Schaffung einer Karikatur, die iranische Regierungsbeamte als Affen und Ziegen darstellt, verhaftet worden. Farghadeni schuf das Stück aus Protest gegen zwei Gesetze, die die Ächtung freiwilliger Sterilisation und Beschränkungen für den Zugang zur Empfängnisverhütung beinhalteten.

Im Juni 2015 befand ein Teheraner Gerichtshof die Künstlerin für schuldig für die „Verbreitung von Propaganda gegen das System", „Beleidigung von Abgeordneten" und dass sie eine Bedrohung für die nationale Sicherheit darstellte. Vom letzten Anklagepunkt wurde sie freigesprochen.

Farghadani plant, im Iran zu bleiben und ihr künstlerisches Schaffen fortzusetzen.

Picasso macht es schon wieder

Ohne Picasso zu erwähnen kann keine Liste mit Rekordergebnissen kann jemals vollständig sein, denn der spanische Künstler dominiert nach wie vor die Kunstwelt des 21. Jahrhunderts. 2015 war sein Werk Les Femmes d’Alger das teuerste Kunstwerk, das jemals in einer Auktion verkauft wurde. Es wechselte bei Christie’s für ca. 172 Millionen Euro den Besitzer.

blog-3.php Amedeo Modiglianis "Jeanne Hébuterne (au foulard)" und Pablo Picassos "Femme assise"

In diesem Jahr war es sein 1909 gemaltes Werk Femme Assise, das bei Chistie’s Londoner Auktion impressionistischer und moderner Kunst für ca. 61 Millionen Euro versteigert wurde, was den Rekord für eine kubistische Arbeit bedeutete. Es war zudem der höchste Preis, der in den letzten fünf Jahren bei einer Auktion in London gezahlt wurde.

Kahlo herrscht über alle

Jenseits des großen Teiches war die Eröffnung der New Yorker Kunstwoche mit Werken des 20. Jahrhunderts ein riesiger Erfolg. Die Woche erreichte ein Gesamtergebnis von ca. 539 Millionen Euro. Das führende Haus war Christie’s, sowohl was die Zahlen betraf als auch im Hinblick auf lateinamerikanische Kunst.

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Frida Kahlos Dos Desnudos en el Bosque kam für ca. 7,7 Millionen Euro bei Christie’s unter den Hammer. Dies war nicht nur ein Weltrekord für ein Werk von Kahlo, sondern auch der höchste Auktionspreis für ein Werk eines lateinamerikanischen Künstlers.

Zwei neuentdeckte Werke von Albrecht Dürer in Deutschland und Frankreich

Radierung von Albrecht Dürer, die auf einem Flohmarkt in Frankreich entdeckt wurde. Foto: Staatsgalerie Stuttgart Radierung von Albrecht Dürer, die auf einem Flohmarkt in Frankreich entdeckt wurde.
Foto: Staatsgalerie Stuttgart

Im Juni wurde auf einem Flohmarkt in Frankreich eine lange verloren geglaubte Radierung der Nürnberger Künstlers Albrecht Dürer entdeckt. Nur einen Monat später stießen zwei Kunststudenten beim Durchsehen einer Sammlung von 5000 Kunstwerken, die dem Kunsthaus Kleve in Nordrhein-Westfalen gespendet worden war, auf einen 10 x 15 cm großen Holzschnitt von der Hand des großem Renaissancekünstlers. Ein doppelter Dürer sozusagen.

Gestohlener van Gogh nach 14 Jahren in Italien wieder aufgetaucht

blog-7.php Vincent van Gogh - Meer bei Scheveningen, 1882

Zwei Gemälde wurden 2002 aus dem Van Gogh-Museum in Amsterdam gestohlen. Ihre Spur führte die Polizei zur italienischen Mafia. Die Diebe waren mit Hilfe einer Leiter über das Dach des Museums eingebrochen. Wie sie es schafften Meer bei Scheveningen (1882) und Die Gemeinde verlässt die reformierte Kirche in Nuenen (1884) zu entwenden, obwohl das Sicherheitssystem funktionierte und zwei Wachleute anwesend waren, bleibt ein Geheimnis.

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