Design, der aufgehende Stern am Auktionshimmel

Im Laufe der Jahre hat sich Design einen Platz in Auktionshäusern auf der ganzen Welt erobert.

Bei Sammlern ist Design bereits seit langer Zeit begehrt, aber erreicht es durch Ausstellungen und Messen ein völlig neues Publikum.

blog-1.php Stand der Galerie Hervouet bei der PAD Paris 2016 
Foto: Courtesy of the Gallery

Obwohl die Zeitgenössische Kunst noch immer der unbestrittene Anführer bei Auktionen ist, wird Design heute für die Öffentlichkeit immer zugänglicher. Für einen Kunstliebhaber ist es einfacher (und billiger) einen Stuhl von Eames zu erwerben, als ein Gemälde von Basquiat!

Und die Auktionshäuser sind sich dessen vollkommen bewusst. Ob bei regulären oder themenbezogenen Versteigerungen - Design hat mittlerweile einen festen Platz in den Terminkalendern der großen Häuser.

So hat sich beispielsweise Piasa (ein französisches Auktionshaus mit Sitz in Paris) dafür entschieden, seinen Fokus fast ausschließlich auf Designauktionen mit Objekten und Möbeln der 1940er bis 1970er Jahre zu legen. Große Namen, wie Oscar Niemeyer, Joaquim Tenreiro oder Gio Ponti, sind oft in seinen Katalogen zu finden.

blog-2.php Das Auktionshaus Piasa veranstaltet Design-Vorbesichtigungen auf 700 qm in der Rue du Bac in Paris © PIASA

Die Auktion „Design Selected“, die Piasa am 2. Juni 2016 abhielt, erzielte eine Gesamtsumme von mehr als 1,2 Millionen Euro (inklusive Steuern). Den höchsten Preis erreichte ein Möbelstück von Roger Fatus. Der Zuschlag für dieses Unikat, dessen Schätzpreis bei 20.000 bis 30.000 Euro lag, erfolgte bei 138.800 Euro.

Artcurial ist ein weiteres Auktionshaus, das eine ganze Abteilung dem Design widmet. Im Mai 2016 erreichte seine Versteigerung von skandinavischem Design und Design allgemein, mit 138 verkauften Losen, eine Gesamtsumme von 3.010.975 Euro.

blog-2.php Seltene Deckenlampe aus Messing von Car-Axel Acking, ca. 1940, verkauft für 108.400 Euro (Schätzpreis: 30.000-40.000 Euro) © Artcurial

Auch neuere Häuser stürzen sich in das Design-Abenteuer. Im letzten Monat verkaufte Fauve Paris „Agneau“ (1997) von François-Xavier Lalanne für 102.500 Euro, welches zuvor auf 30.000 bis 50.000 Euro geschätzt worden war.

Ein internationaler Trend

Diesen Erfolg für Design-Objekte kann man nicht nur in Paris beobachten, sondern auf der ganzen Welt. Ist für Profis auch nach wie vor der Milan Furniture Fair die oberste Referenz, helfen andere Veranstaltungen, wie DMY International Design Festival Berlin, 100% Design in London oder D’Days in Paris, dabei, die „Botschaft“ weiter zu verbreiten.

In London zeugt der Standortwechsel des Design Museum in Kensington vom wachsenden öffentlichen Interesse.

Heutzutage vermischen sogar Antiquitätenhändler alte und moderne Stücke in ihren Galerien. Einige Händler widmen sich sogar ausschließlich dem Design des 20. Jahrhunderts.

blog-3.php Galerie Pouenat in Paris © Galerie Pouenat

Nicht nur bei diesen dem Design gewidmeten Veranstaltungen stammen die Käufer aus der ganzen Welt. War Design vor einige Jahren noch das Vorrecht der skandinavischen Länder, steht es heute bei Amerikanern hoch im Kurs.

Peter Kjeldgaard, Direktor für Design im dänischen Auktionshaus Bruun Rasmussen, erklärt: „Das Interesse ist global, doch die Mehrzahl der Käufer stammt aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Belgien Frankreich und den Niederlanden. […] Aber es waren die Japaner, die diesen Trend losgetreten haben. Sie begeistern sich vor allem für Stücke von Finn Juhl und Niels Vodder.“

blog-4.php Peter Kjeldgaard, Direktor der Design-Abteilung bei Bruun Rasmussen

Dann fügt er noch hinzu, dass er ein wenig sorgt sei, hinsichtlich der Zukunft des kulturellen Erbes Dänemarks: „Etwa 99% der Objekte gehen ins Ausland, was bei uns eine große Besorgnis hervorruft.“

Heute gehören die großen Namen des skandinavischen Designs zu den populärsten der Welt. Arne Jacobsen, Alvar Aalto, Verner Panton, Borge Morgensen, Hans J. Wegner, Poul Henningsen usw. sind unter den Vorläufern, die Meilensteine in der Designgeschichte gelegt haben. Ihre Popularität steigt mit jeder Auktion weiter an.

blog-3.php Set mit acht 'Seagull' Stühlen, entworfen von Arne Jacobsen (1902-1971), ca. 1969, for Fritz Hansen, zu kaufen bei Lofty für 9.000 USD

Tipps für den Kauf

Design ist von der Auktionsindustrie besonders gut aufgenommen worden. Auktionen machen es möglich, ein Objekt zum richtigen Preis zu erwerben, weit entfernt von den hohen Preisen des primären Marktes.

Design bei einer Auktion zu erwerben gibt ein Gefühl der Sicherheit, welches durch die Expertise der Auktionshäuser entsteht. Tatsächlich sind Authentifizierung und Herkunftsermittlung die beiden Herzstücke eines jeden Designkaufes, da viele Fälschungen auf dem Markt zirkulieren.

Holen Sie vor der Versteigerung weitere Erkundigungen über das Objekt ein. Rufen Sie das Auktionshaus an, um nähere Informationen zu erhalten. Fragen Sie auch dem Zustandsbericht (ein Dokument, das detailliert den Erhaltungszustand des Objektes beschreibt) und besuchen Sie die Vorbesichtigung, die in der Regel einige Tage vor der Auktion stattfindet.

blog-5.php Design-Ausstellung von Piasa in Paris © PIASA

Und erkundigen Sie sich auch nach den logistischen Gegebenheiten. Informieren Sie sich über die Lagerungs- und Transportkonditionen, die vom Auktionshaus angeboten werden, da der Transport großer Möbelstücke nicht immer leicht zu managen ist.

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