Während der TEFAF in Maastricht wird in jedem Jahr der renommierteste Bericht über den Kunst-, Design- und Antiquitätenmarkt veröffentlicht. In diesem Jahr wurde dieser Bericht von einem neuen Autorin verfasst. Professor Rachel A. J. Pownall verwendete erstmals Daten von Artnet sowie umfangreiche Informationen von verschiedenen Finanzämtern aus aller Welt. Dies führte zu einem Bericht, der die Steigerung des gesamten Kunstmarktes belegen, trotz der sehr differenzierten Zahlen gegenüber dem Vorjahresbericht.

Gerhard Richters "Eisberg" wurde für 17,7 Million GBP bei Sotheby's verkauft. Photo: Courtesy Tristan Fewings / Getty Images for Sotheby's Gerhard Richters "Eisberg" wurde für 17,7 Million GBP bei Sotheby's verkauft. Photo: Courtesy Tristan Fewings / Getty Images for Sotheby's

Der Markt wächst trotz politischer Unruhen

Sie stellt fest, dass sich der Markt für Kunst, Design und Antiquitäten im Vergleich zum Vorjahr um 1,7% verbessert hat, der Umsatz stieg von 44 Milliarden USD auf 45 Milliarden USD. Ein nachvollziehbarer Anstieg, nachdem das letzte Jahr ein Übergangsjahr war, das von großen Umbrüchen wie dem Brexit und der US-Präsidentschaftswahl gekennzeichnet war.

Der Handel nimmt zu, Auktionen verlieren Marktanteile

Schon seit langem sage ich, dass die Händler ein Comeback erleben würden, nachdem es in den letzten Jahren die Auktionshäuser waren, die den Löwenanteil vom Markt bekommen hatten. Jetzt wendet sich das Blatt zugunsten der Händler.

Seit 2015 sind die Gewinne aus Auktionen im Vergleich zum Kunst- und Antiquitätenhandel deutlich gesunken. Der Auktionsmarkt erlebte einen Einbruch von ca. 22 Milliarden USD auf ca. 17 Milliarden USD - ein Rückgang von 19%. Gleichzeitig konnte der Handel einen Anstieg von etwa 20% verzeichnen, von knapp 23 Milliarden USD (2015) auf etwa 28 Milliarden USD (2016). Das bedeutet, dass der Handel 62,5% des Marktes ausmacht. Man muss im Hinterkopf behalten, dass Christie's und Sotheby's, die weltweit führenden Auktionshäuser, einen äußerst großen Teil des Umsatzes der Kunstauktionen weltweit darstellen. Im vergangenen Jahr haben sich ihre deutlich niedrigeren Umsätze auf den gesamten Markt negativ ausgewirkt.

Die USA führen den Markt an

Nach wie vor stammt aus den USA der größte Anteil an Käufern, trotz ihrer steigenden Zahl in den asiatischen Ländern. Der US-Marktanteil des Gesamtumsatzes liegt bei 29,5%, gefolgt von Großbritannien (24%) und China (18%). Was den weltweiten Auktionsumsatz betrifft, steht Asien mit 40,5% an erster Stelle, ein Zuwachs von 31% im Jahre 2016. Davon macht China 90% aus, doch auch die anderen asiatischen Märkte sind im Kommen, vor allem Indien.

Europa ist größter Exporteur

Europa ist mit Abstand der größte Exportmarkt für Kunst und Antiquitäten weltweit und immer mehr Auktionshäuser, Kunst- und Antiquitätenhändler sowie zeitgenössische Galerien verstärken ihre Präsenz in Asien. So plant Christie’s beispielsweise seine Dependence in South Kensington bis Jahresende zu schließen, um mehr Ressourcen für die neuen Märkte zur Verfügung zu haben, vor allem in Asien. 40% des Vorjahresumsatzes der großen internationalen Auktionshäuser wurden von asiatischen Käufern ausgemacht.

Chinesen kaufen die Alten Meister Europas. Stand der Ausstellung von Lawrence Steigrad Fine Arts bei der TEFAF in Masstricht 2017. Chinesen kaufen die Alten Meister Europas. Stand der Ausstellung von Lawrence Steigrad Fine Arts bei der TEFAF in Masstricht 2017.

China - Ein Markt für Alte Meister

Interessanterweise sind die Preise für Gemälde Alter Meister um 13% gestiegen. Ein Trend, der bei Gesprächen mit Händlern, die derzeit bei der TEFAF in Maastricht ausstellen, bestätigt wird. Sie sagen, dass der asiatische Markt sehr stark an Alten Meistern interessiert ist. Vor allem, wenn auf diesen europäischen Gemälden chinesische Motive und Objekte Verwendung fanden.

Starker Beginn für das Auktionsjahr 2017

Gleich zu Beginn des Jahres konnte die Auktionssaison 2017 mit einigen Rekord-Auktionen für Furore sorgen, die bei Sotheby’s und Christie’s abgehalten wurden. Sotheby’s erste große Auktionswoche endete mit einem extrem starken Ergebnis für die Versteigerung von internationaler Zeitgenössischer Kunst: 118 Millionen GBP. Dies Entspricht einer Steigerung von 70% gegenüber dem Vorjahr. Nicht nur dieses erstaunliche Ergebnis machte dabei von sich reden, sondern auch die vielen neuen Rekordergebnisse für Künstler wie Georg Baselitz, Carol Rama, Wolfgang Tillmans, Franz Gertsch und Pat Steir.

Peter Doig, Cobourg 3 + 1 More, 1994. Verkauft am 7. März für 12,7 Million GBP beim Post-War and Contemporary Art Evening Sale von Christie's in London Peter Doig, Cobourg 3 + 1 More, 1994. Verkauft am 7. März für 12,7 Million GBP beim Post-War and Contemporary Art Evening Sale von Christie's in London

Sotheby’s erzielte atemberaubende 350 Millionen USD in nur acht Tagen. In derselben Woche betrug Christie's Ergebnis in seinen Zeitgenössische Kunst-Auktionen 250 Millionen USD sowie zehn neue Weltrekorde.

Die Verkäufe Moderner und Zeitgenössischer Kunst sind im Vergleich zum Vorjahr um 4% gestiegen.

Bereits an ihrem ersten Tag machte die TEFAF ihrer Rolle als weltweit führende Fachmesse für Kunst, Design und Antiquitäten alle Ehre, als gleich mehrere wichtige Verkäufe stattfanden.

Die 20 Milliarden Dollar-Frage

Der diesjährige Report gibt an, dass der Markt 2015 insgesamt 64 Milliarden Dollar wert war. Mit der neuen Autorin Professor Rachel A. J. Pownall werden die Karten neu gemischt, indem für die Auswertung des Marktes und seiner Zahlen neue Daten herangezogen wurden, was einen erheblichen Unterschied zum Vorjahr verursacht hat. Welche Zahlen am Ende am vertrauenswürdigsten sind, bleibt abzuwarten, genauso wie die Antwort auf folgende Frage: Bei den 20 Milliarden USD kann es sich doch sicherlich nicht um den Umsatz des Schwarzmarktes handeln?

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