Die einfache Antwort ist, dass die Reichen immer reicher werden und der Kunstmarkt längst nicht mehr nur lokal, sondern global geworden ist. Aber das ist natürlich nicht alles.

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Die Kunst ist zur Marke geworden

Auf der ganzen Welt haben Firmen erkannt, dass es möglich ist, aus Kunst Kapital zu schlagen. Ein bekanntes Beispiel ist die berühmte schwedische Spirituosenmarke Absolut Vodka, die ihren Export deutlich verbessern konnte, nachdem sie die brillante Idee hatte, Künstler mit der Dekoration der Flaschen zu beauftragen.

Ein weiteres Beispiel ist das prestigeträchtige Château Lafite Rothschild, das ebenfalls weltberühmte Künstler dafür gewinnen konnte, die kostbaren Flaschen mit ihren Kreationen zu schmücken.

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Heute nutzen die Kunstindustrie und immer mehr Künstler die "Marke" als Strategie. Manchmal stehen die künstlerische Ambition und die Emotionen dabei nur an zweiter Stelle.

Als Leonardo da Vincis Salvator mundi im letzten Jahr für 382 Millionen Euro versteigert wurde, konnte sich der glückliche Käufer nicht nur über eine große Medienpräsenz freuen, sondern auch über den daraus resultierenden Aufbau einer "Marke", die schon bald zu finanzieller Rendite führen soll.

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Salvator mundi wurde dem Louvre Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten versprochen. Die Mission des Museums besteht darin, mehr Besucher in das Land zu locken, den Tourismus in der Region zu fördern und eine bedeutende kulturelle Wirkung zu erzielen. Auch der Name "Louvre" darf in diesem Zusammenhang als Kunstmarke gesehen werden, die zu der Anziehungskraft beitragen soll.

Schnelle Vorteile

Der Louvre in Paris war 2017 das Museum, das weltweit die meisten Besucher für sich verbuchen konnte - 8,1 Millionen, um genau zu sein.

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Trotz der insgesamt mehr als bemerkenswerten Sammlung des Louvre, ist es immer wieder das berühmteste Gemälde der Welt, die Mona Lisa von Leonardo da Vinci, die die meisten Besucher anlockt. Bei einem regulären Eintrittspreis von 15 Euro, den vermutlich etwa 6 Millionen der Besucher bezahlt haben dürften, macht das einen Umsatz von satten 90 Millionen Euro.

Geht man von einer ähnlichen Anziehungskraft für Salvator mundi im Louvre Abu Dhabi aus, dann erscheinen 382 Millionen Euro plötzlich gar nicht mehr so astronomische hoch. Sollte der Louvre Abu Dhabi auch nur die Hälfte der Besucher seines Pariser Vorbilds anziehen, wäre Salvator mundi in zehn Jahren abbezahlt.

Nicht zu vergessen sind die Gewinne aus dem Museumsshop, Hotelübernachtungen, Restaurantbesuche, Taxifahrten usw., die dem ganzen Land zugute kommen werden.

Natürlich bleibt jedoch der Käufer und Leihgeber von Salvator mundi der Eigentümer des Gemäldes, das die Hauptattraktion des Museums darstellt. Über die daraus resultierende Wertsteigerung in den nächsten 10 Jahren, darf er sich ganz persönlich freuen.

Die positive Wirkung von Kunstdiebstählen

Die Provenienz eines Kunstwerkes kann seine Prominenz stark beeinflussen, vor allem wenn in seiner Geschichte Nervenkitzel, Skandale und bekannte Persönlichkeiten auftauchen. Und so kann auch der Diebstahl eines Kunstwerkes, insbesondere wenn er auf äußerst unverschämte Art und Weise vonstatten ging, sich positiv auf seine Wertentwicklung auswirken.

Leonardo da Vincis Mona Lisa

Die Mona Lisa ist das überzeugendste Beispiel. Das Gemälde, das zu Beginn des 16. Jahrhunderts vom großen Leonardo da Vinci gemalt wurde, wäre heute ein Gemälde, das nicht besonders wertvoll wäre, verglichen mit anderen Werken aus der Sammlung  des Louvre. Aber am 21. August 1911 kam es zu einem Vorkommnis, das den Lauf der Kunstgeschichte verändern sollte.

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Am 21. August 1911, einem Montag (der Louvre war für Besucher nicht geöffnet), betrat ein Mann namens Vincenzo Peruggia um 7 Uhr den Louvre. Der italienische Glaser, Maler und Lackierer hatte soeben einen Arbeitsvertrag abgeschlossen, der ihn damit beauftragte, die Werke im Salon Carré hinter Glas zu schützen. Eines davon war die Mona Lisa, mit der Peruggia, gekleidet in seiner alten Dienstuniform, nun ganz allein war.

Peruggia wählt die Mona Lisa nicht wegen ihrer (damals noch nicht sehr großen) Bekanntheit, sondern wegen ihrer geringen Größe, die ihre Entwendung ungemein erleichterte. Er stürzt zunächst in ein Treppenhaus, um den Bilderrahmen loszuwerden, und machte sich anschließend mit dem Gemälde unter der Jacke auf den Weg zum nur wenige Blocks entfernten Hotel Rive Gauche (heute Hotel Da Vinci). Er hatte zuvor im obersten Stock des Hotels, direkt unter dem Dach ein Zimmer gemietet, aus dem er bei Bedarf leicht hätte flüchten können.

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Beinahe zwei Jahre nach dem Diebstahl erhielt der florentinische Antiquitätenhändler und Galerist Alfredo Geri einen Brief, in dem ihm das Gemälde für 500.000 Lire angeboten wurde. Peruggia erklärte, dass er das Verbrechen mit seinem "nationalistischen Geist" beging, weil er der Ansicht war, dass das Gemälde von Napoleon gestohlen worden war und eher nach Florenz als nach Paris gehörte. Was an sich schon nicht der Wahrheit entspricht, da es Leonardo da Vinci selbst war, der die Mona Lisa nach Frankreich brachte.

Alfredo Geri ließ die Arbeit authentifizieren und alarmierte die Behörden. Peruggia wurde verhaftet und verbüßte eine sehr kleine Haftstrafe, während die Mona Lisa bei einer Ausstellungstour durch ganz Italien gezeigt wurde, bevor sie wieder ihren Platz im Louvre einnahm.

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Die Zeitungen verfolgten den Fall damals intensiv und berichteten über das bis dahin relativ unbekannte kleine Leinwandgemälde des italienischen Meisters. Der unverschämte Diebstahl der Mona Lisa trug also ungemein zu ihrer Wertsteigerung bei und machten sie zum heute meist besuchten Gemälde der Welt, das auf einer Auktion mit Sicherheit weit mehr als 382 Millionen Euro erzielen würde.

Edvard Munchs Der Schrei

Der Schrei des norwegischen Künstlers Edvard Munch ist ein ebenfalls weltberühmtes Gemälde. Vier Versionen gibt es davon, die bedeutendste hängt in der Nationalgalerie in Oslo.

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An einem Morgen im Februar 1994, als alle Welt auf die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Lillehammer blickte, betraten zwei Personen das Museum in der norwegischen Hauptstadt. Einer von ihnen begab sich in den 1. Stock des Gebäudes und entwendete Munchs Werk und machte sich anschließend mit seinem Komplizen aus dem Staub.

Die Diebe hatten sogar noch die Nonchalance, folgende Notiz zu hinterlassen: "Danke für die schlechten Sicherheitsvorkehrungen!"

Trotz des Erfolges der Sportwettkämpfe in Lillehammer zieht der Diebstahl von Der Schrei ein gewaltiges Medieninteresse auf sich. Die Times und die BBC greifen den Fall sofort auf, Museumsdirektoren und die Kunstindustrie verurteilen den Coup auf Schärfste.

Drei Monate später bieten die Diebe das Gemälde der norwegischen Regierung im Austausch gegen ein Lösegeld von 1,2 Millionen Euro an. Die Regierung weigert sich zu zahlen, und während eines Polizeieinsatzes am 7. Mai 1994 wird das Gemälde in perfektem Zustand sichergestellt.

Durch seinen Diebstahl und die Berichterstattung der Medien hat sich der Wert des Gemäldes um viele Millionen Euro erhöht. Der Schrei kann wieder in der Nationalgalerie bewundert werden - natürlich unter erhöhten Sicherheitsbestimmungen.

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Der Hauptfaktor für die Wertsteigerung ist in Diebesfällen also die mediale Aufmerksamkeit, aber natürlich auch die Voraussetzung, das das entwendete Werk unversehrt zu seinem Besitzer zurückkehrt.

Im Zeitalter der personalisierten Werbung nehmen die Medien immer größeren Einfluss auf unseren Alltag. Diese Tendenz macht auch vor der Kunst, die in immer mehr Fällen als Marke in Erscheinung tritt, nicht Halt. Kunst wirkt sich direkt auf unsere Emotionen aus. Der Anblick eines schönen Gemäldes oder Plastik bleibt im Gedächtnis, ein damit verbundener Skandal füttert unsere Sensationslust. Diesen Umstand machen sich Marken zu Nutze und kombinieren Kunst mit Markenbildung zu einem umfassenden Dreamteam in Sachen Wertsteigerung.

Lesen Sie hier mehr darüber, was Künstler dazu veranlasst, mit bekannten Marken zu kooperieren.

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