3. April - Hongkong

Die "Imperial Wisdom Sutras", China, Ming-Dynastie, frühes 15. Jh. | Foto: ©Sotheby's Die "Imperial Wisdom Sutras", China, Ming-Dynastie, frühes 15. Jh. | Foto: ©Sotheby's

Der April startete bei Sotheby's in Hongkong mit der Bestätigung, dass Kunstwerke aus Fernost auf dem Auktionsmarkt noch immer hoch im Kurs stehen, als mit dem Verkauf der Imperial Wisdom Sutras ein neuer Rekord für ein buddhistisches Manuskript aufgestellt wurde. Die Manuskripte umfassen die offiziellen Schriften der Lehren Buddhas und stammen ursprünglich aus Indien. Xuande, Kaiser der chinesischen Ming-Dynastie hatte die Manuskripte zu Beginn des 15. Jahrhunderts kopieren lassen. Die herausragende Kopie wurde mit goldener Tinte auf indigofarbenem Papier ausgeführt und war dank ihres herausragenden Erhaltungszustandes einem Sammler 24,8 Millionen Euro wert.

8.-10. Mai - New York

Das bereits im letzten Jahr angekündigte und mit großer Spannung erwartete Highlight der Frühjahrssaison war die Versteigerung der einzigartigen Sammlungen von Peggy und David Rockefeller bei Christie's in New York, deren Erlös den wohltätigen Stiftungen des generösen Paares zugute kam. Ein Rekord war bereits die Auktion an sich, denn das Gesamtergebnis von 832,6 Millionen USD ist das höchste, das jemals mit dem Verkauf einer einzelnen Sammlung erzielt wurde. Es versteht sich von selbst, dass Christie's am Ende des Auktionsmarathons verkünden konnte "Ausverkauft!".

Gilbert Stuart, George Washington, 1795 | Abb.: ©Christie's Gilbert Stuart, George Washington, 1795 | Abb.: ©Christie's

Rekorde gab es aber natürlich auch für den einen oder anderen Künstler. Während Pablo Picassos Fillette à la corbeille fleurie von 1905 nur zum zweitteuersten Werk des Künstlers bei einer Auktion avancierte, konnte der amerikanische Maler Gilbert Stuart mit seinem im Jahr 1795 gemalten Portrait von George Washington einen persönlichen Rekordpreis für sich verbuchen (11,5 Millionen USD). Einen Rekord für Diego Rivera und die lateinamerikanische Kunstszene wurde mit The Rivals erzielt, das für 9,7 Millionen USD den Besitzer wechselte.

Diego Rivera, The Rivals, 1931 | Abb.: ©Christie's Diego Rivera, The Rivals, 1931 | Abb.: ©Christie's

Welchen Preis das teuerste Gemälde von Diego Riveras Ehefrau Frida Kahlo auf dem Auktionsmarkt erzielte, können Sie hier nachlesen.

14. Mai - New York

Mit großer Spannung wurde auch der Impressionist & Modern Art Evening Sale von Sotheby's am 14. Mai erwartet, wo einer der berühmten weiblichen Akte von Amedeo Modigliani zum Aufruf kam. Die Hoffnungen waren hoch und der Schätzpreis wurde daher auf die Rekordsumme von 150 Millionen USD festgelegt. Ein neues Rekordergebnis für Amedeo Modigliani gab es dann aber doch nicht. Nu couché (sur le côté gauche) wurde für insgesamt 157,2 Millionen USD verkauft und blieb damit hinter Modiglianis Rekordwerk Nu couché zurück, das 2015 Christie's für 170,4 Millionen USD versteigert worden war.

Amedeo Modigliani, Nu couché (sur le côté gauche), 1917 | Foto: ©Sotheby's Amedeo Modigliani, Nu couché (sur le côté gauche), 1917 | Foto: ©Sotheby's

Einen neuen Rekord für Amedeo Modigliani gab es also nicht. Dafür aber für Sotheby's, das mit Nu couché (sur le côté gauche) sein bisher teuerstes Kunstwerk versteigerte.

16. Mai - New York

"Doppelt hält besser" könnte das Motto von David Hockney sein, der bei der Contemporary Art Evening Auction von Sotheby's unter Beweis stellte, einer der bedeutendsten lebenden Künstler zu sein. Los ging es mit Piscine de Medianoche (Paper Pool 30), das mit einem Ergebnis von 11.743.800 USD den 2016 aufgestellten Rekord des Künstlers von 11.712.500 USD knapp überbot. Lange blies es nicht bei dem Rekord, denn wenig später zahlte ein Sammler für Pacific Coast Highway and Santa Monica die stolze Summe von 28,5 Millionen USD. Piscine de Medianoche (Paper Pool 30) darf sich nun zumindest rühmen, Hockneys teuerste Arbeit auf Papier zu sein.

David Hockney, Piscine de Medianoche (Paper Pool 30), 1978 | Abb.: ©Sotheby's David Hockney, Piscine de Medianoche (Paper Pool 30), 1978 | Abb.: ©Sotheby's

David Hockney, Pacific Coast Highway and Santa Monica, 1990 | Abb.: ©Sotheby's David Hockney, Pacific Coast Highway and Santa Monica, 1990 | Abb.: ©Sotheby's

In der selben Auktion gab es ebenfalls einen neuen Rekord für Maler Kerry James Marshall, für dessen Werk Past Times von 1997 der Käufer 21,1 Millionen USD hinblätterte. Wie sich herausstellte, handelte es sich bei diesem Käufer um niemand Geringeres als Rapper und Musikproduzent Dean "Diddy" Combs. Kerry James Marshall, der 2014 mit dem Wolfgang-Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig ausgezeichnet worden war, gehört zu den bedeutendsten Vertretern der afro-amerikanischen Kunstszene, die mittlerweile verstärkt ins Zentrum des allgemeinen Interesses rückt.

Kerry James Marshall, Past Times, 1997 | Abb.: ©Sotheby's Kerry James Marshall, Past Times, 1997 | Abb.: ©Sotheby's

17. Mai - New York

Mit dem Post-War and Contemporary Art Evening Sale setzte Sotheby's am Abend des 17. Mai seine Versteigerungen von aktueller Kunst fort. Hier durfte sich eine Künstlerin über ein neues Rekordergebnis freuen: Blueberry, das die amerikanische Künstlerin Joan Mitchell 1969 mit Ölfarbe auf die Leinwand gezaubert hatte, war einem Sammler insgesamt 16,6 Millionen USD wert. Damit kann Mitchell ihren Platz als drittteuerste Künstlerin der Auktionsgeschichte nicht nur behaupten, sondern auch weiter ausbauen (siehe Link oben).

Joan Mitchell, Blueberry, 1969 | Abb.: ©Christie’s Joan Mitchell, Blueberry, 1969 | Abb.: ©Christie’s

30./31. Mai - Berlin

Doch nicht nur in Übersee gab es so manches Rekordergebnis. Auch hierzulande durfte man sich in der ersten Hälfte des Jahres 2018 über zwei sensationelle Ergebnisse freuen, die in ihrer Kategorie den jeweiligen Rekord für den deutschen Auktionsmarkt darstellen. Erzielt wurden die Ergebnisse während der Frühjahrsauktion des Auktionshauses Grisebach in Berlin. Im Bereich Bereich Fotografie zahlte ein amerikanischer Sammler am 30. Mai für eine namenlose Arbeit des ungarischen Künstlers László Moholy-Nagy 487.500 Euro, womit es sich zudem in oberen Bereich der geschätzten 300.000-500.000 Euro lag.

László Moholy-Nagy, Ohne Titel, 1923/25 | Abb.: ©Grisebach László Moholy-Nagy, Ohne Titel, 1923/25 | Abb.: ©Grisebach

Wirklich herausragend war das Ergebnis, das am folgenden Tag für Die Ägypterin von Max Beckmann erzielt wurde. Das geheimnisumwitterte Werk von 1942 war voran der Auktion auf 1,5 bis 2 Millionen Euro geschätzt worden. Während der Auktion lieferten sich dann 17 Bieter ein minutenlanges Gefecht darum. Letztendlich konnte ein Sammler aus der Schweiz das Gemälde für insgesamt 5,5 Millionen Euro mit nach Hause nehmen.

Max Beckmanns "Die Ägypterin" von 1942 | Foto: ©Grisebach Max Beckmanns "Die Ägypterin" von 1942 | Foto: ©Grisebach

20. Juni - London

Einen Rekord für einen deutschen Künstler gab es beim Impressionist and Modern Art Evening Sale von Christie's in London. Die signierte Gouache Drei Pferde von Franz Marc erzielte rund 15,4 GBP - ein Ergebnis, mit dem Christie's wohl nicht gerechnet hatte, da der Schätzpreis zuvor auf 2,5 bis 3,5 Millionen GBP festgelegt worden war. Drei Pferde stammt aus Marcs bedeutendster Schaffenszeit, in der er sich hauptsächlich mit Tiermotiven auseinandersetzte, die er mit kubistischen und fauvistischen Stilmitteln umsetzte.

Franz Marc, Drei Pferde, 1912 | Abb.: ©Christie's Franz Marc, Drei Pferde, 1912 | Abb.: ©Christie's

10. Juli - London

Selbstverständlich fällt der 10. Juli eindeutig in die zweite Jahreshälfte, aber betrachten wir es einfach als Vorboten für die Dinge, die in den anstehenden sechs Monaten noch kommen mögen.

E.H. Shepard, Winnie-the-Pooh’s Hundred Acre Wood, 1926 | Abb.: ©Sotheby's E.H. Shepard, Winnie-the-Pooh’s Hundred Acre Wood, 1926 | Abb.: ©Sotheby's

Unser letzter Rekord an dieser Stelle wurde bei Sotheby's Auktion mit English Literature, History, Science, Childrens Books and Illustrations aufgestellt. Preisträger wurde die originale Karte Winnie-the-Pooh’s Hundred Acre Wood, die der Künstler E.H. Shepard für das 1926 veröffentlichte Kinderbuch über den honigliebenden Bär Winnie Pooh und dessen Freunde von A.A. Milne gezeichnet hatte. Die Zeichnung wurde für die stolze Summe von 430.000 GBP verkauft, was einen neuen Rekord für eine Buchillustration auf dem Auktionsmarkt bedeutete. Ob wohl die Tatsache eine Rolle spielte, dass Prince Harry seinem Neffen Louis am Tag davor eine Erstausgabe von Winnie Poohs Abenteuern zu Taufe schenkte?

Einen neuen Salvator Mundi wie im November letzten Jahres wird es wohl nicht so schnell geben - es sei denn, der Louvre käme auf die Idee, die Mona Lisa zu verkaufen. Weshalb das berühmte Museum auf eine solche "Finanzspritze" aber kaum angewiesen ist, erfahren Sie hier.

Die angegebenen Preise sind alle inklusive Käuferprämie.

Kommentar