Aus dem Leben einer Kaiserin

Kaum eine historische Persönlichkeit ist von der Nachwelt auf so kitschige Art und Weise verklärt worden wie Kaiserin Elisabeth von Österreich - vielen besser bekannt als "Sisi/Sissi". Doch gerade in ihrem Fall haben Dichtung und Wahrheit nur sehr wenig gemeinsam. Wunderschön und faszinierend war sie auf jeden Fall und immer wieder stößt man in Auktionskatalogen auf Objekte, die mit ihr und ihrem bewegten Leben in Verbindung stehen.

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Elisabeth (*24.12.1837) wuchs als bayerische Prinzessin relativ ungezwungen für damalige Verhältnisse fern vom höfischen Leben im Kreise ihrer sieben Geschwister auf. Als sie fünfzehn Jahre alt war verliebte sich der junge Kaiser Franz Joseph von Österreich, ihr Cousin, unsterblich in sie - und nicht in ihre ältere Schwester Helene, die eigentlich für ihn vorgesehen war. Die schüchterne Elisabeth fügte sich ihrem Schicksal - auch ein wenig verliebt, doch vollkommen ahnungslos gegenüber dem, was sie am Wiener Hof mit seiner strengen Etikette erwarten würde. Es kam wie es kommen musste: Elisabeth, die vier Kindern das Leben schenkte, wurde totunglücklich und verbrachte immer mehr Zeit auf Reisen. Ihr Gemahl, der ihr ein Leben lang ergeben war, musste sich meist mit Briefen von seiner "Engels-Sisi" zufrieden geben.

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Elisabeth hielt sich aus allen politischen Dingen raus. Nur einmal setzte sie ihren ganzen Einfluss auf Franz Joseph ein und trug so maßgeblich zum Ausgleich mit Ungarn 1867 bei, denn dem ungarischen Volk und seinem Schicksal fühlte sie sich ungemein verbunden. Sie und ihr Gemahl wurden zum König und zur Königin von Ungarn gekrönt und in diesem Fall nahm Elisabeth, die sonst jedem öffentlichen Auftritt nur zu gerne aus dem Weg ging, die damit einhergehenden Feierlichkeiten nur zu gern in Kauf.

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Dieses Portrait zeigt Elisabeth im ungarischen Krönungskleid. Ende der 1860er Jahre war sie auf dem Höhepunkt ihrer Schönheit, die sie hegte und pflegte. Vor allem ihr bodenlanges Haar verlangte nach viel Aufmerksamkeit. Das tägliche Frisieren dauerte Stunden, stand die Haarwäsche an, dauerte sie gleich einen ganzen Tag. Nachdem sie den Zenit ihrer Schönheit erreicht hatte, ließ sie sich nicht mehr portraitieren oder fotografieren und trug so - stets mit Fächer und Schirm bewaffnet - zu ihrer Legendenbildung bei.

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Der Lieblingsdichter der gebildeten Kaiserin, die auch selbst Gedichte schrieb, war Heinrich Heine (1797-1856).

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Elisabeth war eine grandiose Reiterin. Sie trainierte Kunststücke mit Zirkusartisten und nahm in England und Irland an den gefährlichsten Parforcejagden teil und übertraf dabei die kühnsten Reiter ihrer Zeit - und das alles wohlgemerkt im Damensattel!

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Neben ihrer Liebe zu Pferden war die Kaiserin eine leidenschaftliche Hundebesitzerin und umgab sich stets mit diesen geliebten Vierbeinern.

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Als die fitnessbewusste und bis zu ihrem Tod gertenschlanke Kaiserin das Reiten aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, wechselte sie zum Laufen über. Das bedeutete allerdings nicht einfach nur Spazierengehen, sondern reinste Gewaltmärsche, die ihre Hofdamen ans Ende ihrer Kräfte brachten. Auch auf ihren ausgedehnten Reisen hatte es Elisabeth stets eilig und verweilte überall nur kurz. In späteren Jahren faszinierte sie vor allem Griechenland und seine antike Geschichte. Mit großem Eifer erlernte sie umfassend die griechische Sprache und las die Werke Homers im Original.

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Das Leben der Kaiserin war geprägt von Schicksalsschlägen, die oft mit dem Tod einer nahestehenden Person zutun hatten. Ihre erstgeborene Tochter Sophie starb mit nur zwei Jahren. Und das Ende ihres Cousins, "Märchenkönig" Ludwig II. von Bayern, dem sie sich eng verbunden fühlte, ist noch immer nicht vollständig aufgeklärt.

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Auch ihre jüngste Schwester Sophie, Herzogin von Alençon fand 1897 ein überaus tragisches Ende, als sie bei einem Brand in Paris in den Flammen ums Leben kam.

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Die größte Tragödie im Leben der Kaiserin war jedoch der Selbstmord ihres Sohnes Kronprinz Rudolf 1889. Fortan trug sie nur noch schwarz.

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Und sie war rastloser denn je und kam kaum noch nach Wien. Stattdessen lernte sie die Schweiz sehr zu schätzen. Sowohl die Landschaft als auch die Tatsache, dass es eine Republik war, was sie für die einzige Staatsform hielt, die dauerhaft überleben könne. Vor allem der Genfer See gefiel ihr.

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Im Jahr 1898 war Elisabeth zu Gast im Genfer Hotel Beau Rivage. Am Morgen des 10. September war sie gerade zu Fuß auf dem Weg zum Anleger eines Dampfers, mit dem sie über den See fahren wollte, als sie von einem Mann zu Boden gestoßen wurde. Alles schien jedoch harmlos und sie ging an Bord. Hier erst brach sie zusammen und wachte nicht mehr auf. Man stellte fest das der Mann, ein Anarchist, die Kaiserin, der er aufgelauert hatte, mit einer angespitzten Feile genau ins Herz getroffen und so ermordet hatte. Elisabeth wurde 60 Jahre alt.