Mitte Februar 2018 wurde bekannt, das der bekannte tschechische Philatelist Ludvik Pytlicek plant, seinen wertvollsten Besitz zu veräußern: eine grüne Österreich-ungarische Vier-Kronen-Marke von 1919 im Wert von 5 Millionen CZK (ca. 200.000 EUR). Ebenso möchte Wall-Street-Ikone Bill Gross im September 2018 seine Briefmarkensammlung veräußern. Ihr Wert wird auf 9,1 Millionen USD (ca. 7,4 Millionen EUR) geschätzt.

Aber in der Welt der Philatelie sind diese Summen eigentlich verhältnismäßig niedrig. Beispielsweise verblassen sie geradezu neben dem Wert einer Briefmarke, die gleich dreimal den Weltrekord brechen konnte.

Diese Briefmarke brach dreimal den Weltrekord 

Die Geschichte jener Briefmarke, die den jeweiligen Weltrekord gleich dreimal brechen konnte - die British Guyana 1 Cent Magenta – beginnt im Jahr 1856. In jenem Jahr gingen der Kolonie Britisch-Guayana (heute der unabhängige Staat Guyana) die Briefmarken aus. In Erwartung einer neuen Lieferung druckte der örtliche Postmeister provisorisch Vier-Cent- und Ein-Cent-Marken – vier Cent für Briefe, ein Cent für Zeitungen. Die provisorischen Briefmarken wurden zwei Monate lang ausgegeben, bis neue echte Briefmarken eintrafen.

Die British Guiana 1c Magenta von 1856 ist die teuerste Briefmarke der Welt Die British Guiana 1c Magenta von 1856 ist die teuerste Briefmarke der Welt

Einige provisorische Vier-Cent-Marken blieben erhalten. Aber da Zeitungen normalerweise nach dem Lesen weggeworfen werden, wurde angenommen, dass alle provisorischen Ein-Cent-Marken für immer verloren gegangen wären. Im Jahr 1873 fand jedoch ein 12-jähriges Kind aus Schottland ein Exemplar in einem Stapel alter Zeitungen und verkaufte es an einen lokalen Sammler für einen Summe, die heute etwa 0,16 EUR betragen würde - keine schlechte Rendite auf eine Ein-Cent-Marke, aber kein gutes Geschäft, wenn man bedenkt, was aus jener Marke wurde.

Denn diese Briefmarke schaffte gleich dreimal, bei Auktionen einen neuen Weltrekord aufzustellen. Das erste Mal war im Jahr 1922, als sie für umgerechnet 28.400 EUR versteigert wurde. Bei einer weiteren Versteigerung im Jahr 1970 brachte sie es bereits auf 227.800 EUR. 2014 wurde die Marke schließlich erneut versteigert und brachte sagenhafte 7,6 Millionen ein. Damit ist sie alleine mehr wert als die Gross-Sammlung und die Vier-Kronen-Marke von Ludvig Pytlicek zusammen.

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Spüren Sie wertvolle Marken auf

Mit dem Wort "Philatelie" wurde ursprünglich nur die Erforschung von Postwertzeichen bezeichnet. Mittlerweile ist es aber auch zum Synonym für das Sammeln von Briefmarken geworden, denn oft gehen das Studium von Briefmarken und das Sammeln ohnehin Hand in Hand.

Mehrere Faktoren können über den Wert einer Briefmarke entscheiden. Zunächst einmal sind da Alter und Zustand. Eine noch entscheidendere Rolle spielt jedoch - wie es beim Sammeln der meisten Objekte der Fall ist - der Grad der Seltenheit einer Briefmarke (siehe oben).

Die britische "One Penny Black" ist die älteste Briefmarke der Welt. Zwischen dem 15. April 1840 und dem 27. Januar 1841 wurden fast 69 Millionen One Penny Black-Briefmarken gedruckt. Sie waren nicht perforiert, sodass jede von Hand ausgeschnitten werden musste. Der Wert einer gebrauchten oder beschädigten "One Penny Black" kann unter 20 EUR liegen.

Ein Block mit 5 Penny Black-Marken der Plate 7 von 1840 wurde 2011 bei Sotheby's für 210.000 EUR versteigert | Foto: Sotheby's Ein Block mit 5 Penny Black-Marken der Plate 7 von 1840 wurde 2011 bei Sotheby's für 210.000 EUR versteigert | Foto: Sotheby's

Ist sie jedoch postfrisch und in tadellosem Zustand, steigt der Wert eines solchen Exemplaren gerne auf mehr als 10.000 EUR. Und noch mehr bestimmt den Wert einer dieser Briefmarken: Die One Penny-Black-Marken wurden mit elf verschiedenen aufeinanderfolgenden Platten gedruckt. Und es ist möglich, jede einzelne Marke zu ihrer Druckplatte zurückzuverfolgen. Mit der letzten Platte wurden lediglich 168.000 Briefmarken produziert, was diese zu den seltensten und damit potentiell wertvollsten Exemplaren der "One Penny Black" macht.

Ein weiteres Beispiel für den Wert einer wirklich alten Marke ist das "Ochsenauge von Brasilien" (portugiesisch: "Olho-de-boi"), die erste Briefmarke des damals noch jungen unabhängigen Staates Brasilien - und sogar des gesamten südamerikanischen Kontinents - aus dem Jahr 1843. Eine einzelnes, umgestempeltes Exemplar ist etwa 4000 EUR wert. Ein ganzer Bogen mit 50 postfrischen 60-Real-Olho-de-boi-Marken wechselte bei einer Auktion 2013 für stolze 527.500 EUR den Besitzer.

Das Olho-de-boi wurde 1843 als 30, 60 und 90 Réis-Marke in Brasilien ausgegeben Das Olho-de-boi wurde 1843 als 30, 60 und 90 Réis-Marke in Brasilien ausgegeben

Aber eine Briefmarke muss nicht unbedingt ein hohes Alter vorweisen können, um als wertvoll angesehen zu werden. Auch Marken mit kleinen Fehlern - die sogenannten Fehldrucke - werden immer interessanter und gewinnen an Wert. Einige berühmte Fehldrucke sind die US-amerikanische "Inverted Jenny", auf der 1918 ein Flugzeug auf dem Kopf stehend abgebildet wurde, oder die britische "The Roses", deren Wert von 13 Pence auf einige nicht gedruckt wurde. Eine dieser "englischen Rosen", von denen nur noch drei existieren, wurde kürzlich für 130.000 GBP (ca. 148.000 EUR) verkauft.

Hier steht die Briefmarkenwelt Kopf: Die Inverted Jenny ist eine US-amerikanischer Fehldruck von 1918 Hier steht die Briefmarkenwelt Kopf: Die Inverted Jenny ist eine US-amerikanischer Fehldruck von 1918

Bei der The Roses-Marke aus Großbritannien fehlt teilweise der 13 Pence-Aufdruck | Foto via mirror.co.uk Bei der The Roses-Marke aus Großbritannien fehlt teilweise der 13 Pence-Aufdruck | Foto via mirror.co.uk

Die bekannteste fehlerhafte Briefmarke ist die britische "Plate 77 Penny Red". Sie wurden 1863 gedruckt, als unzulänglich für den Verkauf erachtet und vernichtet. Einige Exemplare haben jedoch überlebt. 2016 wurde eine benutzte "Plate 77 Penny Red" für 495.000 GBP (ca. 563.000 EUR) versteigert.

Die Penny Red wurde zwischen 1841 und 1879 ausgegeben. Die Exemplare der Platte 77 von 1863 kamen nie in den Verkauf. Die Penny Red wurde zwischen 1841 und 1879 ausgegeben. Die Exemplare der Platte 77 von 1863 kamen nie in den Verkauf.

Interessant sind natürlich auch Marken, die nie ausgegeben wurden. So geschehen 2001 mit der "Wohlfahrtsmarke Audrey Hepburn" der Deutschen Post AG. 14 Millionen Marken waren bereits gedruckt worden, als Audrey Hepburns Söhne, die Ausgabe stoppten. Der Grund? Das verwendete Bild zeigt ihre Mutter im legendärsten ihrer Filme Frühstück bei Tiffany von 1961. Wie für die Filmrolle typisch zeigt das Foto Audrey Hepburn mit langer Zigarettenspitze. Hepburns Söhne fanden die Motivwahl ungeeignet und verlangten die Vernichtung der bereits gedruckten Marken - was auch geschah.

Wohlfahrtsmarke Audrey Hepburn, Deutschland 2001 | Foto: eBay Inc. Wohlfahrtsmarke Audrey Hepburn, Deutschland 2001 | Foto: eBay Inc.

Doch auch hier überlebten einige. Ein Bogen war Hepburns Sohn Sean Ferrer überlassen worden, der diesen 2010 für wohltätige Zwecke versteigern ließ (Ergebnis: 430.000 EUR).

Greifen Sie nun selbst zu Lupe und Pinzette

Soll Ihre Sammlung nicht allein der Wertsteigerung dienen, ist es sinnvoll, sich vorher über das Gebiet, aus dem man Briefmarken sammeln möchte, Gedanken zu machen (Länder, Thematik, Zeitraum). Überprüfen Sie jede Marke auf ihre Echtheit, denn auch in der Welt der Philatelisten gibt es schwarze Schafe. Auch unsachgemäße Restaurierungsarbeiten, wie "wiederaufgefüllte" Zähnungsreihen, müssen dabei berücksichtigt werden.

Vermeiden Sie Fehler wie das Anfassen der Briefmarken mit den Fingern, da hierbei, vor allem bei neuen Marken, die Gummierung beschädigt werden kann. Verwenden Sie daher immer eine spezielle Pinzette. Schneiden Sie Briefmarken nicht aus, die sich auf alten Postsendungen befinden. Oft bilden sie in ihrem Zusammenspiel ein hochinteressantes historisches Dokument.

Durchforsten Sie nun Auktionskataloge, achten Sie dabei auf den Zustand der Marke, die (noch) nicht teuer sein muss, und auf ihre Häufigkeit. Philatelie-Foren und Kataloge (allen voran der MICHEL) geben viele wichtige Informationen.

Vielleicht haben Sie aber auch einfach soviel Glück wie ein Kind in Schottland und entdecken völlig unerwartet eine gesuchte und vielleicht sogar schon verloren geglaubte Briefmarke auf einer alten Zeitung oder einem Briefumschlag.

Starten Sie Ihre neue Sammelleidenschaft gleich hier bei Barnebys!

 

 

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