In der Welt der Philatelie werden keine halben Sachen gemacht! Oder doch? Tatsächlich handelt es sich bei dem Vineta-Provisorium genau um das.

Das Vineta-Provisorium ist eine längs halbierte 5-Pfennig-Marke der Germaniaserie der Deutschen Reichspost. Diese wurden ab dem 13. April 1901 als Aushilfsmarken auf dem Großen Kreuzer der deutschen Marine SMS Vineta ausgegeben, der sie ihren Namen verdanken.

Die SMS Vineta kreuzte im Januar und Februar 1901 vor den Küsten Mittel- und Südamerikas sowie in der Karibik. Am Tag des Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. am 27. Januar befand sich Mitglieder der Besatzung in New Orleans. Dort wurden sie von deutschstämmigen Amerikanern zu Feiern anlässlich des Kaisergeburtstags eingeladen, worüber die lokale Presse berichtete.

Die geladenen Besatzungsmitglieder wollten diese Zeitungsausschnitte nun gerne an ihre Lieben in der Heimat schicken. Auf der SMS Vineta mangelte es jedoch an 6-Pfennig-Marken, die für den Versand von Drucksachen nötig gewesen wären.

Der Oberzahlmeister teilte nun, nach Absprache mit dem Kapitän, 5-Pfennig-Briefmarken und gab sie an die Besatzung aus. Für sein Vorgehen erhielt der Oberzahlmeister im Nachhinein einen Tadel von der Reichspost, die die halben Marken nie amtlich anerkannte.

Ein weiterer interessanter Posten der Auktion ist eine Spezialsammlung mit Dienstmarken aus der ehemaligen DDR aus dem Jahr 1956. Dienstmarken dienen ausschließlich dem Frankieren von Dienstpost in Ämtern, Dienststellen und Behörden und können nicht für private Zwecke erworben werden.

Die erste Dienstmarke soll 1840 gemeinsam mit der ersten Briefmarke überhaupt, der One Penny Black, gedruckt worden sein. Beide zierte das Profil von Queen Victoria, die Dienstmarke wies zudem die Buchstaben V und R für "Victoria Regina" auf. In Umlauf kam diese Marke jedoch nie.

Ein weiteres Highlight unter den Sammlungen stellt eine Spezialkolonie zu den deutschen Kolonien in Südwestafrika dar, die in einem Ringbinder zusammengetragen wurde. Mit dabei sind viele Spitzenstücke, seltene Orte und Wanderstempel.

Aus Italien stammt einer der hochinteressanten Fehldrucke der Auktion. Der Aufdruck der braunrosa 2 C. auf 50 C.-Marke erfolgte verkehrtherum. Nur sehr wenige Exemplare dieser Abart sind bekannt, weshalb sie eine bei Sammlern gegehrte Rarität aus Italien darstellt.

Auch die Zeit vor der Briefmarke ist in der Auktion vertreten. Ein Brief mit dem gut zuerkennenden Einzeiler "VON LOERRACH" wurde im Jahr 1802 in Baden aufgegeben.

Entdecken Sie noch viele weitere Raritäten aus der Welt der Philatelie in der kommenden Auktion von Gert Müller. Diese findet am 18. und 19. August jeweils ab 10 Uhr in Esslingen statt. Neben Briefmarken sind auch Münzen und Schmuck im Angebot. Vorbesichtigungen können vom 9. bis 11. August sowie vom 14. bis 19. August durchgeführt werden.

Das aktuelle Angebot des Auktionshauses Gert Müller finden Sie auch hier bei Barnebys.

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